STUDIUM: Stipendien: Wenn der Staat nicht hilft

Es gibt Alternativen zu den staatlichen Stipendien oder Darlehen. Doch auch mit ihnen ist eine Unterstützung nicht garantiert – und es fallen meist Kosten an.

Cyril Aregger
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Start ins Hochschuljahr: Studenten der Hochschule Luzern am Eröffnungsanlass im KKL. (Bild Pius Amrein)

Start ins Hochschuljahr: Studenten der Hochschule Luzern am Eröffnungsanlass im KKL. (Bild Pius Amrein)

Wie kann man seine Aus- oder Weiterbildung finanzieren? Eine Frage, die im Vorfeld der Abstimmung zum kantonalen Stipendiengesetz am 18. Mai wieder vermehrt ins Blickfeld gerät. Fakt ist, dass mit dem neuen Gesetz weniger Personen Stipendiengelder oder staatliche Darlehen erhalten sollen, diese dafür aber etwas mehr als bisher (siehe Kasten «Weniger erhalten mehr»). Wer durch das kantonale Raster fällt, keinen Nebenjob annehmen kann und nicht von Eltern, Verwandten oder Bekannten unterstützt werden kann, muss aber nicht zwangsläufig auf Unterstützung verzichten.

Stiftungen suchen lassen

Das haben auch private Anbieter entdeckt. So zum Beispiel die Stipendiensuchplattform stipendium.ch. Sie vermittelt gegen Gebühr passende Stiftungen, Fonds und gemeinnützige Vereine, die als Stipendiengeber in Frage kommen. Die Stipendien in der Datenbank richten sich gemäss Homepage an alle, die eine Ausbildung absolvieren oder mit einer Ausbildung beginnen wollen. Für 78 Franken erhält man Unterlagen von mindestens zehn Stiftungen oder Fonds, die für den Gesuchsteller in Frage kommen. Gibt es nicht genügend Stiftungen, wird auch nichts berechnet. Stipendium.ch wurde vom studentischen Unternehmen stipendien.ch ins Leben gerufen. Wer selber mehr Zeit investieren will, kann dort als Mitglied selber nach passenden Fonds oder Stiftungen suchen. Kostenpunkt: ein einmaliger Mitgliederbeitrag von 39 Franken. Gemäss Angaben der Homepage-Betreiber melden sich jährlich rund 6000 Personen aus der gesamten Schweiz, um Informationen zum Thema private Stipendien zu erhalten.

Christof Spöring, Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, sieht dieses Angebot jedoch eher skeptisch: «Die von stipendium.ch zur Verfügung gestellten Informationen sind auch bei den öffentlichen Stipendienstellen oder Berufs- und Laufbahnberatungen kostenlos erhältlich.»

Kredite höchstens mit Beratung

Vorbehalte hat Spöring gegenüber Bildungskrediten, die von gewissen Banken respektive deren Kreditinstituten angeboten werden. Solche Kredite seien wie Kleinkredite oft mit hohen Kosten verbunden, bei der CS-Tochter Credit-now etwa fallen 8,9 Prozent Zinsen an: «Nebst den Zinsen fallen Kreditgebühren und weitere Kosten an. Die Rückzahlungs- und Inkassobedingungen sind in der Regel sehr streng. Bevor ein solcher Kredit beansprucht wird, sollten Gesuchsteller Beratung in Anspruch nehmen und alle anderen Möglichkeiten geprüft haben.»

Gemäss Philipp Mazenauer, Vorstand der Studierendenorganisation der Uni Luzern, gebe es aber eine «nicht unwesentliche Zahl Studenten, welche ein Darlehen bei einer Bank bezogen haben, um ihr Studium finanzieren zu können». Solche Themen würden bei den Studierenden aber sehr diskret gehalten.

Deutlich weniger hoch sind die Kosten bei Darlehen, die der Kanton vermittelt: Auch diese werden zwar über Banken abgewickelt, der Zinssatz beträgt derzeit jedoch laut Spöring bloss zwischen 2,75 und 3 Prozent plus Kreditgebühren. Darlehen müssen innerhalb von zehn Jahren nach Abschluss oder Abbruch der Ausbildung zurückbezahlt werden. Während der Ausbildung und im ersten Jahr nach deren Abschluss werden die Darlehen vom Kanton verzinst.

Darlehen nicht ausgeschöpft

Im letzten Jahr gab der Kanton für Darlehen 0,95 Millionen Franken aus – zugesichert hat der Kanton in den letzten Jahren jeweils 2,2 Millionen. Den Unterschied erklärt Spöring damit, dass die Darlehen vom Kanton zwar grundsätzlich zur Verfügung gestellt wurden, von den Studenten aber doch nicht bezogen wurden. Man vermute, dass sich die jungen Leute nicht verschulden wollen und andere Finanzierungsmöglichkeiten finden.

«Unterstützung von Verwandten oder von privaten Stiftungen können wir empfehlen, wenn die Rahmenbedingungen vorab geklärt und schriftlich festgehalten werden», bilanziert Christof Spöring. Schätzen, wie viele Studenten Stipendien oder Darlehen von dritter Seite beanspruchen, kann er nicht, da diese Mittel «meist erst nach dem kantonalen Entscheid beigezogen werden».

Spezielle Fonds gibt es beispielsweise auch an der Universität Luzern und der Hochschule Luzern. Deren Vergabe ist an klare Vorgaben gebunden.

 Voraussetzungen für Stipendien

Erste Anlaufstelle für Stipendien sollte in jedem Fall die kantonale Fachstelle Stipendien sein. Grundvoraussetzungen für ein Stipendiengesuch im Kanton Luzern sind unter anderem:
Sie sind in der ersten Ausbildung, und Ihre Eltern haben zivilrechtlichen Wohnsitz im Kanton Luzern.
Sie sind in einer zweiten Ausbildung, haben zuvor während mindestens zweier Jahre ununterbrochen im Kanton gewohnt und waren dabei dank Erwerbstätigkeit finanziell unabhängig.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Berufs- und Weiterbildungen im Kanton Luzern (www.stipendien.lu.ch). Auch auf den Seiten der Universität Luzern (www.unilu.ch) und der Hochschule Luzern (www.hslu.ch) finden Sie mit dem Suchbegriff «Stipendien» weiterführende Angaben. 

Weniger erhalten mehr

Das Stipendiengesetz, über das am 18. Mai abgestimmt wird, wurde vom Kantonsrat mit 89 zu 23 Stimmen gutgeheissen. Die Mittel für Stipendien sollen bei rund 10,5 Millionen Franken pro Jahr bleiben, jene für die Darlehen werden um rund 1,3 Millionen Franken auf 3,5 Millionen erhöht. Eingeschränkt würde aber der Bezügerkreis. Statt wie bisher jährlich 2300 Studenten, sollen künftig noch 1550 profitieren. Dafür würde der Zugang zu privaten Stipendien und Darlehen gefördert. Das durchschnittliche Stipendium dürfte laut Abstimmungsbotschaft von 5300 auf 6700 Franken, die Darlehen dürften von 2900 auf 5400 Franken ansteigen.

Einzigartig wäre die Zusammenarbeit mit privaten Akteuren – einer der Hauptkritikpunkte von Jungsozialisten, Grünen, Jungen Grünen und Gewerkschaftsbund.

Verein Studienaktie führt Arbeit weiter

nus. Trotz des Konkurses der Firma Edupreneurs haben die landesweit rund 120 Studenten weiter einen Ansprechpartner: den Verein Studienaktie, der die Betreuung von Studenten und privaten Investoren der Edupreneurs übertragen hatte (Ausgaben vom Freitag und Samstag). Bei Anfragen kann es allerdings «zu Engpässen und Wartezeiten kommen», wie Vereinsbeirat Claude Siegenthaler in einer unserer Zeitung vorliegenden E-Mail schreibt. Der Betrieb soll jedoch so schnell wie möglich auf dem früheren Niveau weitergeführt werden. Bereits im nächsten Monat soll dafür eine Person eingestellt werden, sagt Siegenthaler. Der Verein Studienaktie entschädigte die Firma Edupreneurs für ihren Aufwand pauschal mit jährlich 60 000 Franken. Dazu kamen projektbezogene Beiträge.