STUTZ-DROHER: Polizei enttarnt die Neonazi-Band «Amok»

Die Mitglieder der im rechtsextremen Untergrund aktiven Schweizer Musikgruppe Amok sind enttarnt. Diese hatten in einem Liedtext den Luzerner Politiker und Journalisten Hans Stutz mit dem Tod bedroht.

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Neonazis vor dem Bundeshaus: Ausschnitt des Covers der Amok-CD ““Verbotene Wahrheit“”. (Bild pd)

Neonazis vor dem Bundeshaus: Ausschnitt des Covers der Amok-CD ““Verbotene Wahrheit“”. (Bild pd)

Die Polizei habe die vier Musiker in aufwendigen Ermittlungen überführt, sagte der Sprecher der Luzerner Strafverfolgungsbehörden, Simon Kopp.

Amok hatte vor einem Jahr Aufsehen erregt, weil die Gruppe auf der CD «Verbotene Wahrheit» ein Lied veröffentlichte, das den Luzerner Politiker und Journalisten Hans Stutz mit dem Tod bedrohte. Die Recherchen der «Rundschau» zeigen, dass die Band mit der Gewaltszene eng vernetzt ist: Zwei Mitglieder wurden nach einer Schlägerei in Glarus rechtskräftig verurteilt. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei illegale Waffen sicher. Ein drittes Mitglied befindet sich nach einer Massenschlägerei in Mauren (Liechtenstein) vom vergangenen Wochenende in Untersuchungshaft.

Mit «Blood & Honour» vernetzt
Amok bekennt sich selber zur Skinhead-Formation Blood & Honour, die vom Staatsschutz beobachtet wird. «Blood & Honour ist im letzten Jahr gewaltbereiter geworden», sagte Jürg Bühler, Vizedirektor des Dienstes für Analyse und Prävention, gegenüber der «Rundschau». Bands wie Amok spielten bei der Mobilisierung der Szene eine wichtige Rolle.

Wie die «Rundschau» weiter berichtet, stammen die vier von ihr identifizierten Neonazi-Musiker aus Landgemeinden der Kantone Zürich, Schwyz und Aargau. Als einziges Mitglied von Amok verteidigte der Gitarrist Thomas Mächler aus Siebnen in der «Rundschau» die umstrittene CD, zu der er auch heute noch stehen könne.

«Rein verbale Drohung»
Lied Nummer 13 der CD «Verbotene Wahrheit» trägt den Titel «Hans Stutz» und wiederholt im Refrain die Drohung: «Hans Stutz, hier kommt ein kleiner Gruss von den Feinden aus dem Untergrund, die man besser beachten muss. Hans Stutz, hast du es gecheckt, du musst dich nicht verwundern, wenn einst ein Messer in deinem Rücken steckt.» Amok-Anwalt Valentin Landmann erklärte dazu, die Gruppe habe das als rein verbale Drohung aufgefasst. Mit einer Strafanzeige hatte Hans Stutz Ende 2007 intensive Ermittlungen in den verschiedenen Kantonen ausgelöst.

Jetzt werden sich die Amok-Musiker voraussichtlich vor der Luzerner Justiz wegen Verstössen gegen die Anti-Rassismus-Strafnorm und wegen Drohung mit Gewalt zu verantworten haben. Die Neonazi-Band tritt trotzdem weiterhin auf – so am 2. August 2008 in Bümpliz zusammen mit der PNOS-nahen Formation «indiziert» und am 6. September 2008 in den Niederlanden als Überraschungsband an einem Blood & Honour-Konzert.

scd