Südpol
Mal mit Drive, mal bluesig – so klingt grooviger Big-Band-Sound aus Luzern

Mit Musik von Count Basie und Quincy Jones hat das Intercity Jazz Orchestra seine Konzerte im Südpol fortgesetzt. Und Lust auf mehr gemacht.

Pirmin Bossart Jetzt kommentieren
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Ein voller Club am Donnerstagabend im Südpol: 17 Musiker und eine Musikerin (Mirjam Scherrer, Saxofon) bevölkerten die Bühne, auf der sonst Elektronik-Acts und Indie-Bands den Sound der Zeit performen. Das zahlreich erschienene Publikum lag weit über dem üblichen Altersdurchschnitt dieses Clubs, doch die Spielfreude von der Bühne und die Aufmerksamkeit der Zuhörenden blieben frisch und jung.

Volle Blaspower mit dem Intercity Jazz Orchestra im Südpol.

Volle Blaspower mit dem Intercity Jazz Orchestra im Südpol.

Bilder: PD (Oktober 2021)

Das Intercity Jazz Orchestra existiert seit 1978. Aufgrund seltener Auftrittsmöglichkeiten hat es sich nie so richtig konzertant in Szene setzen können. Umso erfreulicher, dass diese Luzerner Big Band vom Südpol die Gelegenheit erhalten hat, sich in einer Konzertreihe jeden Monat einem Publikum zu präsentieren. Der gute Besuch zeigt: Auch (alter) Jazz ist ein Bedürfnis.

Viel Groove und Bluesiges

Nach einem Buddy-Rich-Tribute im September setzte die Formation am Donnerstagabend die Konzertreihe fort. Diesmal mit einem Programm aus Kompositionen, die Quincy für das Count Basie Orchestra geschrieben und arrangiert hatte. Im Fokus standen Stücke des 1963 erschienenen Albums «Li’l Ol’ Groovemaker». Die Tempi wechselten von gutem Drive mit scharfen Einwürfen zu ballades­keren Momenten, in denen das alte Big-Band-Swing-Gefühl schummerte. Auch viel Bluesiges klang durch die Stücke.

Der Auftakt geriet vergleichsweise verhalten, aber auch eine Big Band muss sich warmlaufen, bevor sie ihr Potenzial zum Fliessen bringen, pointiert akzentuieren und leichtfüssig grooven kann. Die Band besteht aus erfahrenen Amateuren, angehenden Jazzprofis und Berufsmusikern, die hier ein Gefäss finden, klassische und neuere Jazzliteratur im Grossformat einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Mit Andreas Mattle haben sie einen Bandleader, der nicht nur dirigierte, sondern informativ durch das Programm führte.

Dass sich von den 18 Musikern an diesem Abend 14 solistisch in Szene setzten, zeugt von der Ambition und Spielfreude in dieser Band. Musiker wie Loris Knüsel (Sax), Hanspeter Bieri (Sax), Urs Bieri (Posaune) oder Nico Stettler (Gitarre) zeigten sich als routinierte «cats». Auch die Saxofonistin Mirjam Scherrer setzte sich auf Pat Methenys «Heartland» mit ihrem Sound kraftvoll in Szene. Jimmy Muff erwies sich als umsichtig groovender Tastenmann, Schlagzeuger Luca Goerg und Mario Ineichen am Kontrabass und Elektrobass setzten den Puls.

Metheny und Nussknacker

Der zweite Teil eröffnete mit einer tollen Version des süffigen Charlie-Parker-Titels «Au Privave». Die zwei Stücke von Pat Metheny, von Samba und Funk-Einflüssen gespiesen, gaben einen Vorgeschmack auf das nächste Konzert (11. November), wenn Kompositionen von Metheny im Mittelpunkt stehen werden. Spannend verspricht auch das vierte Konzert (9. Dezember) zu werden: Dann interpretiert das Intercity Orchestra Stücke aus Tschaikowskys Nussknacker-Suite, die von Duke Ellington arrangiert wurden.

Weitere Informationen: www.intercityjazz.ch

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