Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SUIZIDFALL: Ein Aargauer leitet die Untersuchung

Der Luzerner Polizeikommandant Adi Achermann sieht sich nach der Hanfrazzia in Malters mit einer Straf­anzeige konfrontiert. Ein externer Staatsanwalt nimmt sich nun dem Fall an.
Matthias Stadler
Hier in Malters, im weissen Haus hinter dem Silo, nahm sich die 65-jährige Frau am 9. März das Leben. (Bild Pius Amrein)

Hier in Malters, im weissen Haus hinter dem Silo, nahm sich die 65-jährige Frau am 9. März das Leben. (Bild Pius Amrein)

Matthias Stadler

Der Polizeieinsatz vom 9. März in Malters, bei dem sich eine 65-jährige Frau das Leben nahm, hat ein Nachspiel: Denn der Sohn der verstorbenen Frau hat eine Strafanzeige wegen Amtsmissbrauchs und fahrlässiger Tötung gegen die Einsatzverantwortlichen der Luzerner Polizei eingereicht. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Luzern gestern mit. Konkret richtet sich die Anzeige gegen den Polizeikommandanten Adi Achermann, gegen Angehörige des Fachdienstes für Sondereinsätze sowie gegen unbekannt.

Zur Erinnerung: Der Mann hatte jene Wohnung in Malters gemietet, in der seine Mutter während eines Polizeieinsatzes zuerst in die Luft schoss, sich danach darin verschanzte und nach 17 Stunden Suizid beging (Ausgabe vom 10. März). Polizeikräfte hatten zuvor stundenlang mit der Frau verhandelt. Vergeblich. In der Wohnung fanden sie später neben der toten Frau auch eine tote Katze vor. Ausserdem bestätigte sich der Verdacht, weswegen die Polizei überhaupt erst ausgerückt war: In der Wohnung befand sich eine Indoor-Hanfanlage – nicht aber der Sohn der toten Frau, der verdächtigt wird, die Anlage betrieben zu haben. Dieser sitzt nun in Zürich in Untersuchungshaft wegen angeblichen bandenmässigen Drogenhandels. Von dort aus hat er jetzt Strafanzeige eingereicht.

Achermann kann Arbeit fortsetzen

Der Luzerner Regierungsrat Paul Winiker, als Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements der Vorgesetzte des beschuldigten Polizeikommandanten Adi Achermann, sagt auf Anfrage: «Im Detail kennen wir die Anzeige nicht, da wir bis jetzt nur mündlich informiert worden sind.» Auf die Frage einer möglichen Suspendierung Achermanns betont Winiker: «Der Fall Malters behindert weder die Polizei in der Erfüllung ihrer Aufgabe noch wird dadurch die Handlungsfreiheit des Kommandanten eingeschränkt. Wir vertrauen Adi Achermann weiterhin, und er kann seine Arbeit fortsetzen.»

Externe Strafuntersuchung

Trotzdem hat die Strafanzeige Folgen: Der Anwalt des in Untersuchungshaft sitzenden Mannes hat laut der Luzerner Staatsanwaltschaft beantragt, dass die Untersuchungen von einem ausserkantonalen Staatsanwalt geführt werden. Die Luzerner Oberstaatsanwaltschaft habe auf die entsprechenden Gesuche reagiert und beim Luzerner Kantonsgericht beantragt, dass ein Staatsanwalt vom Kanton Aargau die Untersuchungen leiten soll. Das Kantonsgericht hat nun den Aargauer Staatsanwalt Christoph Rüedi als ausserordentlichen Staatsanwalt ernannt. Er wird laut den Luzerner Behörden auch die bisher von der Staatsanwaltschaft Abteilung 2 in Emmen geführte Untersuchung wegen des aussergewöhnlichen Todesfalls in Malters übernehmen.

Simon Kopp, Kommunikationsverantwortlicher der Staatsanwaltschaft Luzern, sagt, dass in diesem Fall so oder so ein externer Fachmann für die Untersuchung herangezogen worden wäre. «Wenn Vorwürfe gegen die oberste Führungsebene der Polizei – wie in diesem Fall gegen den Kommandanten – erhoben werden, wird die Strafuntersuchung extern vergeben.»

Neben der Strafuntersuchung wird auch eine Administrativuntersuchung geführt, wie das Luzerner Justiz- und Sicherheitsdepartement verlauten lässt. Regierungsrat Paul Winiker erklärt: «Die Einleitung einer Administrativuntersuchung bedeutet keine Vorverurteilung. Wenn eine Strafanzeige gegen einen Mitarbeitenden der Verwaltung gemacht wird, wird eine Administrativuntersuchung eröffnet.» In dieser gehe es um Dienstanweisungen und interne Regeln und nicht um strafrechtliche Vergehen. Es werde der Frage nachgegangen, ob Weisungen verletzt worden sind und ob sich daraus weiterer Regelungsbedarf ergibt. Für diese Untersuchung wird laut Winiker in den nächsten Tagen eine externe Person beauftragt. Bevor die Administrativuntersuchung durchgeführt wird, werde allerdings der Abschluss der Strafuntersuchung abgewartet, da diese Vorrang habe.

Kommandant darf sich nicht äussern

Kurt Graf, Chef Kommunikation der Luzerner Polizei, sagt, dass sich Adi Achermann gemäss der Strafprozessordnung nicht zum Fall äussern dürfe. Zudem liege noch keine schriftliche Anzeige vor. Auch der Anwalt des Mannes, der Anzeige eingereicht hatte, konnte gestern auf Anfrage unserer Zeitung noch keine Auskunft geben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.