SURENTAL: Triengens «verrücktes» Jubiläumsjahr

Der Turnverein Triengen wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Zeit für eine Ausstellung in der Gemeindekanzlei. Und für eine Feier der Superlative.

Stephan Santschi
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Oben: Mitglieder des STV Triengen am Kantonal-Turnfest von 1935 in Luzern. (Bild: PD)

Oben: Mitglieder des STV Triengen am Kantonal-Turnfest von 1935 in Luzern. (Bild: PD)

Stephan Santschi

Beim STV Triengen sind sie nicht ganz hundert. Noch nicht. Gegründet am 30. Mai 1916, feiert der Turnverein in diesem Jahr Jubiläum. Begangen wird der 100. Geburtstag in zwei Etappen. Am 30. April mit der Weihe der neuen Fahne. Und vom 10. bis 12. Juni mit einem Turnfest, das es so in Triengen noch nicht gegeben hat. «3500 Turner aus der ganzen Schweiz haben sich angemeldet, zudem erwarten wir rund 2500 Zuschauer. Alles in allem macht das mehr Leute, als das Dorf Einwohner hat», erzählt Alois Büchler und ergänzt lachend: «Das ist verrückt!» Knapp 4500 Bewohner zählt die Surentaler Gemeinde.

Turnfest Luzern 1928 (Bild: Manuela Jans-Koch)
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Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
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Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
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Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)
Turnverein Triengen (Bild: Manuela Jans-Koch)

Turnfest Luzern 1928 (Bild: Manuela Jans-Koch)

Büchler ist der OK-Präsident des 100er-Turnfests, insgesamt war er beim Verein während 30 Jahren als Leiter der Jugiriege tätig. Die Turner hätten einen guten Namen und einen grossen Anteil am Vereinsleben. Das soll auch mit einer kleinen Ausstellung in der Gemeindekanzlei honoriert werden. Dort werden bald einige Artefakte aus der Vereinsgeschichte wie Preise, Fotos und Protokolle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Vom Oberturner zur TK-Chefin

Heute zählt der STV Triengen rund 50 Aktive, 41 Frei- und 37 Ehrenmitglieder. Hinzu kommt die Nachwuchsabteilung mit rund 130 Kindern und Jugendlichen. «Jeder, der regelmässig trainieren will, ist bei uns willkommen», erklärt Melanie Büchler. Sie ist die TK-Chefin, sie ist zuständig für «alles rund ums Turnen», wie sie sagt. Dazu gehört die Trainingsplanung beispielsweise oder die Anmeldung für Wettkämpfe. Früher nannte man den Träger dieser Funktionen Oberturner. «Er war so etwas wie der Vorzeigeturner des Vereins. Er leitete auch alle Disziplinen selber», berichtet Büchler. Anfänglich tat dies der Oberturner ausschliesslich mit seiner lauten Stimme, wie man der Vereinschronik entnehmen kann. In den 60er-Jahren bediente er sich dann des Tamburins, ehe die 70er die Musik und damit mehr Schwung in die Übungsabläufe brachten.

Fokus auf Breite, nicht auf Spitze

Alles selber leiten, wäre heute aufgrund des breiten Angebots gar nicht mehr möglich, sagt Melanie Büchler. Acht Disziplinen bestreite man beim STV – von der Leichtathletik über National- und Geräteturnen bis hin zu Aerobic und Gymnastik. Diese Vielseitigkeit zeichne den Verein aus, die Spezialisierung auf einzelne Disziplinen, wie es andernorts üblich sei, praktiziere man nicht. «Alle haben an den gleichen Abenden Training. Das fördert die Gemeinschaft. In anderen Vereinen kennen sich die verschiedenen Turner teilweise gar nicht mehr», stellt die TK-Chefin fest.

Integration steht im Vordergrund

Nur ein Plauschverein sei der STV Triengen deshalb nicht, betont Büchler, sportlich wolle man sich zielstrebig weiterentwickeln. Trotzdem dürften die Zeiten, in denen man in der Kleinfeldgymnastik zwei Mal Schweizer Meister geworden war (1992/1997), vorerst der Vergangenheit angehören. «Nicht die Wettkampfnote, sondern die Integration der Jungen steht nun im Vordergrund», betont Büchler. Mit Erfolg, wie es scheint. Vereinspräsidentin Karin Fischer jedenfalls vermeldet zufrieden: «Wir sind stolz, dass wir in den letzten Jahren stets fünf bis zehn Neumitglieder aufnehmen konnten, die meisten davon aus den eigenen Jugendriegen. Austritte haben wir kaum zu verzeichnen. Von Nachwuchsproblemen können wir also glücklicherweise nicht sprechen.»

Anders übrigens als noch zu den Anfangszeiten des Vereins. Wäre damals alles nach Wunsch gelaufen, hätte der Trienger Verein heute bereits 113 Lenze auf seinem Buckel. 1903 erstmals gegründet, ging er kurz darauf mangels Mitgliedern wieder ein. Erst der zweite Anlauf im Jahr 1916 zeitigte Erfolg.

Ach ja. Wer noch einen Grund braucht, um im Juni beim Turnfest dabei zu sein, wird auf der Website www.triengen-2016.ch sicher fündig. Dort scrollen gleich 100 davon über den Bildschirm. Mit einem Augenzwinkern sei deshalb angemerkt: Noch sind sie wirklich nicht ganz hundert beim STV ...