SURSEE: Ballon fliegt via Stratosphäre nach St. Gallen

Kantischüler haben einen Wetterballon samt Kamera in die Stratosphäre geschickt. Schwierig wurde die Suche nach der Landung.

Ernesto Piazza
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Kurz vor dem Start des Stratosphärenballons auf dem Kantiareal in Sursee: Projektleiter Christoph Wildfeuer gibt letzte Anweisungen. (Bild Nadia Schärli)

Kurz vor dem Start des Stratosphärenballons auf dem Kantiareal in Sursee: Projektleiter Christoph Wildfeuer gibt letzte Anweisungen. (Bild Nadia Schärli)

Startvorbereitungen (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
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Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Laura Müller hilft bei den Startvorbereitungen. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Viele interessierte Besucher begutachten den Start des Ballons. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Stratosphärenballon (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Dann ging es los... (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Der Stratosphärenballon startete ab dem Areal der Kantonsschule Sursee. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
... der Ballon ist in der Stratosphäre...
... und die Kamera nimmt diese Bilder auf.

Startvorbereitungen (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))

Die Bedingungen sind ideal. Um 12.20 Uhr hebt der mit rund 4000 Litern Helium gefüllte Stratosphärenballon vom Areal der Kantonsschule Sursee ab. Mit einer Geschwindigkeit von 5,6 Metern pro Sekunde gewinnt er schnell an Höhe. Dies mit dem Ziel, bis auf 36 000 Meter zu steigen und so in die Stratosphäre vorzudringen. Einen Makel hat der Start: Er hat sich um eine Stunde verzögert. Grund ist der fehlende Empfang des GPS-Signals. Letztlich entscheidet sich der an der Kanti Sursee unterrichtende Projektleiter Christoph Wildfeuer aber trotzdem für den Flug – ohne GPS.

Livebilder in den Lichthof

Neben Kantischülern, die einige Extraschichten für das Projekt geschoben haben, arbeiteten die Funkamateure des Radio Clubs Sursee HB9AW und die Hochschule Konstanz an diesem Projekt mit. Während der rund zweistündigen Fahrt werden vom Ballon aus Livebilder in HD-Qualität auf einen im Lichthof der Kanti Sursee stehenden Monitor übermittelt. «Diese Übertragung hat ein Maturand mit seiner Abschlussarbeit möglich gemacht», erklärt Wildfeuer.

Das ganze Konstrukt wiegt zirka 1,6 Kilogramm. Davon sind rund 1,2 Kilogramm Hülle, den Rest bildet eine mit Elektronik vollgepackte Schaumstoffbox.Rund zwei Stunden nach dem Start, auf rund 36 000 Metern Höhe, platzt der Ballon schliesslich. «In dieser Höhe hat er sich aufgrund veränderter Verhältnisse bis zu einem Durchmesser von 12 Metern ausgedehnt», so der Projektleiter. Die Rückkehr des Ballons auf festen Boden folgt in zwei Schritten: Die ersten 20 Kilometer fällt er ungebremst bei einer Geschwindigkeit von bis zu 400 Kilometern pro Stunde. Die letzten rund 10 Kilometer schwebte er am Fallschirm.

Nach der Landung des Ballons wirkt sich das fehlende GPS-Signal aus. Die Bergung geht nur mühevoll mittels Peilsender. Aufgrund der aufgezeichneten Daten ist der Ballon um 14.21 Uhr gelandet. Allerdings muss die Crew bis in die Nähe von Wittenbach im Kanton St. Gallen fahren, wo sie ihn schliesslich um 16.31 Uhr aufspürt. «Ohne das fehlende GPS-Signal war die Bergung aber eine echte Herausforderung», sagt Christoph Wildfeuer danach.

Bescheidene Kosten, sehr viel Arbeit

Das Verbrauchsmaterial und die im Ballon installierte Elektronik kosteten die Verantwortlichen rund 1000 Franken. Dazu kommt eine Antenne für weitere rund 300 Franken. Eine zweite Antenne wurde selber gebaut.

Während sich die monetären Ausgaben in einem überschaubaren Rahmen bewegen, «ist die grosse Zahl an Entwicklungsstunden unbezahlbar», so Wildfeuer. Die gesamte Vorbereitungszeit dauerte rund ein Jahr.

Werbung für Naturwissenschaften

Neben Informationen zu Druckverlauf oder Luftfeuchtigkeit soll das Projekt einen weiteren Zweck erfüllen. «Wir wünschen uns mit diesem coolen Projekt wieder eine vermehrte Beachtung der naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik oder Physik», sagt der Kantilehrer. Auch erhofft er sich zusätzlich Schüler, «die sich für ein entsprechendes Studium an der ETH entscheiden». Zudem geht er davon aus, dass mit diesem geglückten Versuch in der Schweiz «erstmals eine Videoübertragung aus einem Ballon mit der geringen Leistung von bloss 0,5 Watt geglückt ist».