SURSEE: Berset plädiert für Gespräche statt «Smiley-Posts»

Bundesrat Alain Berset hat die Bevölkerung am Vorabend des Nationalfeiertages in Sursee zum echten Dialog innerhalb der Grenzen und mit der EU aufgerufen. Für den Zusammenhalt der Schweiz sei eine zweite Landessprache in der Primarschule fundamental, sagte der Innenminister.

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Alain Berset erinnert in Sursee daran, dass sich die Schweizer untereinander in Landessprachen verständigen können müssten, ansonsten würden sie «einander abhanden» kommen. Nach der Rede hielt der Bundesrat noch eine Rede in La-Chaux-de-Fonds (Bild). (Bild: Keystone)

Alain Berset erinnert in Sursee daran, dass sich die Schweizer untereinander in Landessprachen verständigen können müssten, ansonsten würden sie «einander abhanden» kommen. Nach der Rede hielt der Bundesrat noch eine Rede in La-Chaux-de-Fonds (Bild). (Bild: Keystone)

Der Zusammenhalt sei entscheidend für die Zukunft des Landes, sagte der Freiburger Bundesrat laut Redetext am Donnerstag im luzernischen Sursee. An der dortigen Bundesfeier pries er die Schweiz als Land der politischen Brückenbauer.

Pro 100 Einwohner existierten in der Schweiz 130 Mobiltelefone, sagte Berset. Aber um miteinander ins Gespräch zu kommen, sei auch Freude an der Debatte nötig. Man lerne sich nicht kennen, indem man harmonisch nebeneinander schweige oder ab und zu ein «Smiley poste». Man müsse offen miteinander sprechen, sagte der 42-Jährige.

Die Schweizer müssten sich untereinander in Landessprachen verständigen können, ansonsten würden sie «einander abhanden» kommen. Berset wies darauf hin, dass der Französisch-Unterricht in gewissen Kantonen auf Primar- und Sekundarstufe unter Druck gerate und der Status des Italienischen ausserhalb des Tessins gefährdet sei.

Bund und Kantone müssten die Mehrsprachigkeit pflegen - diese sei Glück und Chance, sagte Berset. Seiner Meinung nach sollte jede Gemeinde eine Partnergemeinde in einem anderen Landesteil inklusive einem Schüler-Austausch haben. Der Bundesrat sprach in Sursee auf dem Martigny-Platz, den die Surseer nach ihrer gleichnamigen Partnerstadt im Wallis benannt haben.

Schweiz auf EU angewiesen

Der SP-Bundesrat plädierte auch für ein gutes Verhältnis zur Europäischen Union. Für ein prosperierendes Leben sei die Schweiz auf eine geregelte Beziehung und auch auf Zuwanderung angewiesen. Wer sich einen vollständigen Bruch mit Europa wünsche, verkenne die wirtschaftlichen und kulturellen Realitäten, sagte Berset.

Die Zuwanderung werde grundsätzlich akzeptiert, wenn jene Menschen, die sich bereits im Land befänden, sich sicher fühlten, zeigte sich Berset überzeugt. Deshalb seien auch robuste flankierende Massnahmen nötig.

Es dürfe nicht sein, dass Personen über 50 Jahre keine neue Stelle mehr fänden und dass Frauen weniger verdienten oder benachteiligt würden. Zudem dürften Wohnkosten nicht ins Unermessliche steigen.

sda