SURSEE: Bison bestätigt Stellenabbau

Der Softwareentwickler Bison schreibt rote Zahlen. Einige Mitarbeiter haben bereits eine Kündigung erhalten. Weitere Stellen sind in Gefahr.

Hans-Peter Hoeren
Drucken
Teilen
Der Hauptsitz der Softwareunternehmens Bison in Sursee. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Hauptsitz der Softwareunternehmens Bison in Sursee. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Hans-Peter Hoeren

Der Softwareentwickler Bison gehört seit einigen Wochen zu 100 Prozent der landwirtschaftlichen Genossenschaft Fenaco. Seitdem werden offenbar unter der Führung des neuen Bison-CEO, des Fenaco-Informatikchefs Michael Buser, fast alle Bereiche auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft. Dabei wurden auch einige der gesamthaft rund 370 Mitarbeiter entlassen. Auch ein Verkauf einzelner Bereiche wird offenbar geprüft. «Der grösste Teil der Kündigungen erfolgte Ende November. Wir wissen nicht, wie viele Mitarbeiter genau betroffen sind, es dürften aber mindestens 20 Kündigungen ausgesprochen worden sein», sagt ein ehemaliger Mitarbeiter. Der Mann, der namentlich nicht genannt werden will, ist von Bison gekündigt und freigestellt worden.

Fast alles steht auf dem Prüfstand

Auf Anfrage bestätigt Fenaco-Mediensprecher Hanspeter Kurzen gestern Abend: «Ein gewisser Stellenabbau lässt sich zur wirtschaftlichen Gesundung der Bison Schweiz AG nicht vermeiden.» Dass mindestens 20 Mitarbeiter die Kündigung erhalten haben sollen, könne er aber so nicht bestätigen. Bisher seien vereinzelt Kündigungen ausgesprochen und mehrheitlich Austrittsvereinbarungen unterzeichnet worden, sagt Kurzen.

Abgesehen von der Unternehmenssoftware Bison Process werden offenbar alle übrigen Bereiche einem Rentabilitäts-Check unterzogen. «Wir gehen davon aus, dass es in gewissen Bereichen zu einem weiteren Stellenabbau kommen wird», kündigt Kurzen an. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen sein werden, könne man aktuell noch nicht sagen. Wenn immer es möglich sei, versuche man aber in den kommenden Monaten die Stelleneinsparungen über natürliche Fluktuation zu realisieren. «Bison wird 2014 keine schwarzen Zahlen schreiben, was letztlich die beschriebenen Massnahmen bedingt», sagt der Mediensprecher. Unvermeidbare Trennungen, wie sie derzeit im Overhead-Bereich erfolgten, würden sozialverträglich ausgestaltet, wie es der Fenaco-Kultur entspreche. Gemäss dem betroffenen Mitarbeiter sollen die Kündigungen insbesondere Drittmarktprojekte sowie den Produktbereich Business Intelligence und das Marketing betreffen. Auch dem Leiter Marketing und anderen Topmanagern soll gekündigt worden sein. Gemäss Fenaco sehen die Austrittsvereinbarungen vor, dass die betroffenen Mitarbeiter während einer verlängerten Kündigungsfrist ihren vollen Lohn erhalten, das Unternehmen aber jederzeit verlassen dürfen, wenn sie eine Stelle gefunden haben. Zudem wird langjährigen Angestellten eine Outplacement-Begleitung angeboten, sprich eine finanzierte professionelle Hilfe zur beruflichen Neuorientierung.

Kritik an Kommunikationspolitik

«Die Modalitäten rund um die Kündigungen sind in Ordnung. Was mich stört, ist, dass Bison die Entlassungen nicht nach aussen kommuniziert», kritisiert dennoch der betroffene Mitarbeiter. Das erschwere ihm die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. «Ich muss mich viel mehr rechtfertigen, als wenn die Entlassungen öffentlich bekannt wären», sagt der Mann. Dass das Unternehmen die Entlassungen nicht offen kommuniziert hat, sorgt auch intern für Aufregung. «Bei vielen Mitarbeitern ist die Verunsicherung gross in Bezug auf ihren künftigen Arbeitsbereich und Arbeitsplatz», sagt der Betroffene.

Neue Stellen bei Bison Process?

Die Fenaco hat Bison vor allem aus strategischen Gründen zu 100 Prozent übernommen. Die Genossenschaft will durch die Übernahme die Weiterentwicklung der ERP-Software Bison Process langfristig sicherstellen. Auf diese Unternehmenssoftware ist die Fenaco angewiesen. Bison Process ist eine Eigenentwicklung der Bison Schweiz AG und wird unter anderem bei Landi-­Genossenschaften, bei der Fenaco sowie der Agrola AG eingesetzt.

Um den breiten Rollout und die stetige Modernisierung der Software zu ermöglichen, hat Bison weitere Investitionen angekündigt. «Hier werden wir voraussichtlich sogar weiteren Entwicklern interessante Stellen anbieten können», sagt Hanspeter Kurzen.