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SURSEE: Circus Nock: Zauber mit Bodenhaftung

Reduziert aufs Maximum: Der Circus Nock bezaubert mit Artistik und Poesie ohne Firlefanz. Dazu passt die schrittweise Rückkehr von Francesco Nock nach einem Sturz aus zehn Metern Höhe.
Roman Kühne
Die französische Luftakrobatin Adele Fame entführt das Publikum in luftige Höhen. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 21. Oktober 2017))

Die französische Luftakrobatin Adele Fame entführt das Publikum in luftige Höhen. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 21. Oktober 2017))

Roman Kühne

kanton@luzernerzeitung.ch

Ein paar Scheinwerfer, ein Orchester, eine Manege und ein Zelt. Das Umfeld des Circus Nock hat sich über die Jahre kaum verändert. Hier steht nicht der Firlefanz im Zentrum, die aufwendige Lichtshow oder Fokussierung auf hochdesignte Kostüme. Während andere Zirkusse das Hallenstadion in Zürich bespielen und zur besseren Sichtbarkeit gar Leinwände brauchen, sitzt man beim Nock noch immer direkt am Geschehen. Der Clown ist in den Zuschauergängen, Kamele halten ihren Kopf an die erste Reihe und die Artistin schwingt sich weit über die Sitze hinweg. Leuchtende Augen – nicht nur bei den Kindern –, offene Münder und herzhafte Lacher. Es ist ein Zirkus zum Anfassen, ein Zirkus, der auf elementare Weise glücklich macht.

Natürlich braucht auch der Nock herausragende Artisten. Am letzten Wochenende in Sursee ist dies die Bänderfrau Adele Fame aus Frankreich. Scheinbar mühelos hängt die 22-Jährige in ihren Strapaten, hebelt die Gesetze von Schwerkraft und Bewegung aus. Oder die faszinierende Geraldine Philadelphia. Es scheint kein Körperteil zu geben, mit dem sie nicht die kreisenden Reifen bewegt. Beide Nummern sind technisch perfekt, verfügen neben dem Akrobatischen auch über Charme und Poe­sie. Eine Poesie, die aus dem Moment kommt, dem direkten Erlebnis geschuldet. Pferde die im Schritt stolzieren, Lamas die mit den Ponys tanzen – da braucht es keine pompös präsentierte «Story», um Emotionen zu wecken.

Akrobatik bis direkt unters Zeltdach

Doch es fehlen die spektakulären Nummern nicht. Die mongolische Gruppe Zola ist ein solcher Höhepunkt. Hoch schleudern ihre Katapulte die Menschengeschosse, fast bis in die Spitze des Zirkuszeltes. Oder das italienische Duo Caveagna: Mit einer Kombination aus purer Kraft und Schlangenmensch zeichnen sie die absurdesten Körperbilder in die Manege. Unmögliches mit Leichtigkeit zelebriert, ein sich langsam drehendes Menschenrad. Auch bei diesen beiden Gruppen kommt die Show ohne exzessive Technik aus. Es ist Akrobatik unplugged. Den einzigen «Luxus», den sich der Circus Nock nach wie vor leistet, ist sein sieben Mann starkes Zirkusorchester, welches für die entsprechende Atmosphäre sorgt. Ob hier solistischer Gesang (Polina Tsybizova) wirklich einen entscheidenden Mehrwert bringt?

Derweil ist Francesco Nock wieder da. Vor zwei Jahren stürzte er zehn Meter in die Tiefe. Mehrere Knochenbrüche und ein Schädel-Hirn-Trauma waren das Resultat. Nach zwei Jahren Pause zeigt er erneut Kunststücke auf dem Seil. «Ich habe lange auf diesen Moment gewartet», erklärt er. «Ich setzte zwar nur eine Saison aus, aber für mich waren es wie fünf verlorene Jahre.»

Momentan bewegt er sich nur wenige Meter über dem Boden. «Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon wieder weiter oben», sagt er. «Aber meine Grossmutter würde überhaupt nicht mehr ruhig schlafen.» Es ist wohl auch besser so. Bei seinen schnellen Tänzen und Sprüngen auf dem Seil merkt man ihm doch noch die Anspannung an. Der heimliche Star des Abends ist der chilenische Clown Matute. Er ist nicht der laute «Dumme August» oder der sensible «Weisse Clown». Ganz eigen spielt er mit seiner Mimik, erzeugt sein privates Ton- und Geräuschuniversum. Konsequent agiert er mit dem Publikum, setzt auch typische chilenische Instrumente ein, etwa eine fussbediente Rückenpauke. Fazit: ein toller Abend, der echte Zirkuskultur bietet.

Hinweis

Der Circus Nock gastiert ab morgen Dienstag bis am 5. November auf der Allmend in Luzern. Infos:www.nock.ch.

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