SURSEE: «Die Feuerwehr-Überraschungen werden mir fehlen»

Während 34 Jahren bestimmte die Feuerwehr das Leben von Marcel Büeler mit. Jetzt legt der Kommandant die Führung in jüngere Hände.

Ernesto Piazza
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Nach acht Jahren als Kommandant gibt Marcel Büeler (52) die Führung der Feuerwehr Region Sursee ab. (Bild Corinne Glanzmann)

Nach acht Jahren als Kommandant gibt Marcel Büeler (52) die Führung der Feuerwehr Region Sursee ab. (Bild Corinne Glanzmann)

Es ist, wie so oft im Leben: «Man soll auf dem Höhepunkt gehen», sagt der abgetretene Kommandant der Feuerwehr Region Sursee Marcel Büeler (52) mit einem Schmunzeln im Gesicht. Nach 34 geleisteten Dienstjahren – davon fast 30 als Offizier und die letzten acht Jahre als Kommandant – ist für den verheirateten Vater von zwei Töchtern Schluss.

Dass dieser Moment für ihn jetzt zum Greifen nahe ist, verrät an diesem Silvestermorgen das Treiben an der Surseer Allmendstrasse. Für einmal hat beim Feuerwehrgebäude nicht der Zeitdruck Priorität. Ausnahmsweise gilt es nicht, an einen Brandherd auszurücken oder auf Unfallstellen Hilfe zu leisten. Die Anwesenheit der Nachbarfeuerwehren, der Stützpunktkommandanten von Emmen und Luzern, die eigenen Feuerwehroffiziere, Behördenmitglieder und Partnerorganisationen – wie der Rettungsdienst 144 und die Luzerner Polizei – sorgen bei der Kommandoübergabe für den stimmigen Rahmen.

Grosse Unterstützung von Familie

Die Feuerwehr hatte Büeler schon während seiner Lehrzeit als Dachdecker fasziniert. Und so sprach er beim damaligen Kommandanten der Feuerwehr der Stadt Sursee vor und fragte, «ob sie noch jemanden brauchen könnten», erinnert er sich gerne an diesen Schritt zurück. In der nächsten Woche war er bereits bei einer Übung dabei. Später absolvierte Büeler die Atemschutzausbildung. Es folgte der Geräteführerkurs. 1986 wurde er zum Feuerwehroffizier befördert. Im selben Jahr kam – nachdem er sich für kurze Zeit mit der Polizeischule und der Arbeit bei der Kantonspolizei einen Bubentraum erfüllt hatte – der berufliche Wechsel zur Stadt Sursee. Heute ist er dort als Bereichsleiter für die Öffentliche Sicherheit zuständig. Dass ihm diese Tätigkeit zuweilen die Feuerwehrarbeit zu erleichtern vermochte, verneint Büeler nicht. Etwa, wenn sich dadurch Einsätze tagsüber schon mal einfacher bewerkstelligen liessen.

Trotzdem lag seine Arbeitsbelastung in all den Jahren permanent über einem 100-Prozent-Pensum. Auch als Feuerwehrkommandant durfte die Abarbeitung der Büropendenzen nicht zu kurz kommen. «Die Feuerwehr hat mir in all den Jahren aber immer Spass gemacht und viel zurückgegeben», sagt ein sichtlich zufriedener Büeler. Dabei versuchte er seinem Credo, «alles unter einen Hut zu bringen», möglichst nachzuleben. Und windet im selben Atemzuge seiner Frau Esther und den beiden Töchtern Tanja und Muriel ein ganz spezielles Kränzchen. «Ohne ihr Verständnis und die grosse Unterstützung wäre die Ausübung eines solchen Jobs nicht möglich gewesen.»

«Jeder Brandeinsatz ist anders»

In den 34 Jahren als aktiver Feuerwehrmann haben ihn vor allem die permanent wechselnden Herausforderungen fasziniert. «Jeder Brandeinsatz ist anders.» Zudem weitete sich das Einsatzspektrum sukzessive aus, und auch den Wandel im technischen Bereich wie beispielsweise bei der persönlichen Schutzausrüstung bekam er hautnah mit. Zudem ist er nach wie vor angetan von der Milizfeuerwehr. «Wenn ein Alarm erfolgt, wird von den Milizern alles liegen gelassen. Egal, ob sie sich am Arbeitsplatz oder am Familientisch befinden. Selbst im Tiefschlaf hat der Einsatz absolute Priorität.» Am Entgelt oder eben am Sold könne dies nicht liegen. Damit liesse sich definitiv nicht reich werden.

«Geht nicht, gibts nicht»

Für den alt Kommandanten der 145 Eingeteilte umfassenden Feuerwehr Region Sursee – ihr gehören seit 1. Januar 2004 neben der Stadt Sursee auch die Gemeinden Geuensee, Oberkirch und Schenkon an – galt in all den Jahren immer: «Geht nicht, gibts nicht.» Oder: Wenn, der sprichwörtliche «Fall der Fälle» dennoch einmal eintritt, «musste ein Plan B vorhanden sein».

Dass die Feuerwehr jedoch durchaus an ihre Grenzen kommen kann, sollte Büeler ebenfalls erfahren. Ein diesbezüglich prägender Augenblick war für ihn der Einsatz beim Brand der Velofabrik Villiger in Buttisholz. «Nach dreimaligem, vergeblichem Versuch mussten wir Atemschützer einsehen, dass es aussichtslos war, ins Gebäude einzudringen.» Als wichtigen Aspekt sieht er zudem: «Bei Einsätzen ist die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen.» In der Funktion des Vorgesetzten versuchte der alt Kommandant zudem mit dem guten Beispiel voranzugehen, das Verlangte vorzuleben.

An Silvester Pager abgestellt

Die Feuerwehr Region Sursee sei sehr gut aufgestellt, so Büeler. Für ihre Zukunft sieht er in den nächsten Jahren dennoch eine «vermehrte Zusammenarbeit im Raum Sempachersee/Surental». Dabei spricht er nicht von Fusionen, vielmehr von Kooperationen – beispielsweise bei der Materialbeschaffung und der Zusammenarbeit bei Einsätzen tagsüber.

Mit der Übergabe des Zepters an Marcel «Mäsi» Zihlmann (42) übernehmen jüngere Hände die Führung. «Ein bisschen Wehmut ist schon dabei», gestattet der abgetretene Kommandant einen Blick in seine Seele. «Die täglichen Feuerwehrüberraschungen werden mir fehlen.» Dennoch sagt Büeler: Er habe keine Angst, in ein Loch zu fallen. «Ich freue mich darauf, das Wetter draussen wieder zu spüren.» An Silvester hat er um Mitternacht seinen Feuerwehrpager abgestellt. Künftig wird er nur noch das Handy am Gurt tragen.

Ernesto Piazza