SURSEE: Die schlaflosen Nächte des Maskengestalters

Roger Stalder (43) ist ein Fasnächtler mit Leib und Seele. «Grende» herstellen gehört zu seiner grossen Leidenschaft. Am liebsten sind ihm Prominentenköpfe.

Ernesto Piazza
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Alles muss perfekt passen: Roger Stalder hat bis am Schmutzigen Donnertag noch viel zu tun. (Bild Boris Bürgisser)

Alles muss perfekt passen: Roger Stalder hat bis am Schmutzigen Donnertag noch viel zu tun. (Bild Boris Bürgisser)

Keine Frage: Im Wassergrabe 6 ist ein Künstler am Werk. Ob noch als Rohling auf die Weiterverarbeitung wartend oder bereits fertiggestellt im Regal liegend: Im Atelier von Roger Stalder sind die ausdrucksstarken Fasnachtsgrende überall präsent. In diesen Tagen in seinen Räumen eine Abstellfläche zu finden, ist schier unmöglich.

Bis zum Schmutzigen Donnerstag steht ihm noch eine Menge Arbeit bevor. «Ich muss auf den Punkt fertig sein», sagt er. Und um diese Vorgabe umzusetzen, dürfte er die eine oder andere Nacht im Atelier verbringen müssen. Dabei gönnt er sich – auf einer kleinen Matte – nur wenige Stunden Schlaf.

Stalder lächelt. Längst hat sich der zweifache Familienvater an diese Situation gewöhnt. Genauso wie seine Frau Andrea. Sie sage immer: «Während der beiden Vorfasnachtsmonate bin ich alleinerziehend», so der Maskengestalter.

Hobby zum Beruf gemacht

Dass er beruflich diesen Weg einschlug, sieht er seiner Kindheit geschuldet. Stalder wuchs in einer Bildhauerfamilie auf. Sein Grossvater hatte bereits ein Atelier, sein Onkel ist heute noch in diesem Metier tätig. «Eine Fasnacht mit Masken war für mich immer ein Thema», sagt der gelernte Holzbildhauer. Seine heutigen Kenntnisse musste er sich jedoch sukzessive selber aneignen. Maskengestalter ist nämlich kein offizieller Beruf. Stalder arbeitet «sehr gerne im geschützten Rahmen», wie er betont. Er sagt aber auch: «Ich muss aufpassen, im Atelier nicht zum Eigenbrötler zu werden.»

Rund 90 Prozent seiner Arbeiten betreffen Grende und Plaketten. Zu seinen Aufträgen gehört ebenfalls die Fertigung von Accessoires. Der 43-Jährige beliefert Gruppen, Einzelmasken und Guuggenmusigen. Mittlerweile verfügt er über viele Stammkunden. Diese melden sich bereits schon kurz nach der Fasnacht. Heute gebe es von der einen Saison zur nächsten praktisch keine Pause mehr.

Vor zehn Jahren wagte Stalder den Schritt in die Selbstständigkeit. Die vielseitige Arbeitsweise bezeichnet er nach wie vor als «faszinierend». Beginnend mit der Idee, gehe es mit Händen und Fantasie zur Umsetzung. Bis schliesslich ein Produkt entstanden sei, «das ich mir in Gedanken so ausgemalt hatte».

Stalder ist dankbar dafür, dass er sein Hobby zum Beruf machen durfte. Meistens kommen seine Kunden mit einer festen Vorstellung zu ihm. Sei es mit einem Bild aus dem Internet, einer Skizze oder einer Zeichnung. Zu den Lieblingswerken zählen Prominentenköpfe. «Mein Anspruch ist immer, mit der Maske möglichst nah beim Original zu sein.» So modellierte er beispielsweise vor drei Jahren für die Surseer Fasnachtsgruppe Fisigöggeler den deutschen Star-Designer Harald Glööckler. Doch genauso gehören imposant wirkende Tambourmajor-Grende zu seinen Lieblingssujets.

Frauengrende als Knacknuss

Stalders hauptsächlichste Werkstoffe sind Kunststoff, Latex und Silikon. Augen ausschleifen, reinigen, grundieren, airbrushen und lackieren: So sehen nach dem Erstellen des Modells weitere Arbeitsschritte aus. Den Gesichtsausdruck zu fertigen, sei die grösste Herausforderung. Und weiter betont der leidenschaftliche Fasnächtler: «Frauenmasken sind für mich sehr schwer zu modellieren. Sie erfordern ein äusserst genaues Arbeiten.»

Für ein Modell braucht Stalder rund eine Woche. Eine Maske wiegt zwischen 800 Gramm und knapp 2 Kilo. Sie kostet zwischen 300 und 500 Franken. Der Betrag sei jedoch nach oben offen.» Ab 1500 Franken beginnt sich die Preisspirale für den Grend eines Tambourmajors nach oben zu drehen.

Konkurrenz aus Hobbybereich

Getreu seinem Motto «Der Feind des Guten ist das Bessere» kann man den Maskengestalter als detailverliebten Perfektionisten bezeichnen. Stalder ist einer, der mit viel Herzblut seine Leidenschaft ausübt. Ohne diesen Job würde ihm etwas fehlen, betont er. Doch zehn Jahre die Produkte möglichst «auf den Punkt» zu fertigen, ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Schlaflose Nächte gehören nämlich dazu. Und zwar vor allem dann, wenn ihn das Gefühl beschleicht, «mit den Arbeiten nicht fertig zu werden.»

Monetär könne er vom Maskengestalter-Job leben, sagt Stalder. Konkurrenz – speziell in preislicher Sicht – kommt aus dem Hobbybereich. Ein Mandat im Surseer Museum Sankturbanhof gibt ihm jedoch zusätzliche finanzielle Sicherheit.

Stalder lächelt erneut. Äusserlich ist ihm die Spannung nicht anzusehen. Bis zum Schmutzigen Donnerstag wird sie jedoch anhalten. Dann allerdings beabsichtigt er, mit der Familie nach Luzern an die Tagwache zu gehen. «Dort sehe ich wohl auch einige meiner Produkte und stelle hoffentlich fest: Die investierten Stunden haben sich gelohnt.» Die folgenden (Fasnachts-)Tage sind von den Fisigöggelern geprägt. Mit ihnen wird er nämlich erneut «auf Tour» sein.

Ernesto Piazza