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SURSEE: Er schlägt ein neues Kapitel Familiengeschichte auf

Die Buchhandlung Untertor ist ein Laden mit Tradition: Edith Budmiger hat das Geschäft vor fast 40 Jahren gegründet. Nun übernimmt Sohn Samuel Budmiger – in der Hoffnung, eine Gabe seiner Mutter geerbt zu haben.
Eingespieltes Team: Samuel Budmiger (33) und seine Mutter Edith (65) in der Buchhandlung Untertor. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 15. November 2017))

Eingespieltes Team: Samuel Budmiger (33) und seine Mutter Edith (65) in der Buchhandlung Untertor. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 15. November 2017))

«Ich hätte mich mit einer sicheren Stelle begnügen können. Doch ich wollte mir mit 50 nicht vorwerfen müssen, eine grosse Chance verpasst zu haben», sagt Samuel Budmiger (33). Der Surseer sitzt in der Wärme vor einem Café crème. Draussen pfeift die Bise, wirbelt gelbe, rote, braune Blätter aufs Trottoir.

Dass sich in dieser Jahreszeit viele gern mit einem Buch aufs Sofa verziehen, kommt Budmiger gerade recht: Vor zwei Jahren ­entschied er, sein Vollpensum als Lehrer für Geschichte und Deutsch an der Kanti Sursee («eine Traumstelle») zu reduzieren und in die Buchhandlung Untertor einzusteigen, dem Laden von Mutter Edith Budmiger (65). Jetzt ist der Stabwechsel erfolgt: Er unterrichtet zwar noch zwei Klassen («der Austausch ist bereichernd»), hat aber in einem 80-Prozent-Pensum die Geschäftsführung der Buchhandlung übernommen. Und damit sechs Vollzeitstellen, verteilt auf drei Lernende und viele Teilzeitmitarbeiterinnen. «Mit diesem Schritt gehe ich ein Risiko ein. Aber später würde sich nie mehr die Gelegenheit ergeben, ein funktionierendes Geschäft übernehmen zu können.»

Umsätze im Buchhandel stark rückläufig

Budmiger, der kürzlich zum zweiten Mal Vater wurde, in seiner Freizeit historische Vortragsreihen mitorganisiert sowie in der örtlichen Kulturpreis-Jury und der Schauspielkommission des Stadttheaters sitzt, wagt sich in eine Branche, die vor Herausforderungen steht. Eurokurs, Digitalisierung, Onlinehandel: Der Deutschschweizer Buchhandel büsste in den letzten zehn Jahren fast einen Viertel Umsatz ein. Trotzdem hielt sich die 1978 gegründete Buchhandlung als eine von noch elf im Kanton. «Mit Büchern, die oft weniger kosten als bei grossen Konkurrenzhäusern», sagt Samuel Budmiger.

Was ist das Erfolgsrezept des Traditionsgeschäfts? «Ein gutes Gspüüri›, grosser Einsatz in der Beratung und eine treue Kundschaft», sagt Budmiger, kommt während des Gesprächs mehrmals darauf zurück. «Zum einen gilt es, die richtigen Bücher im Regal zu haben.» Zweimal jährlich preisen die 40 Schweizer Vertreter beigenweise Prospekte mit Neuerscheinungen an. «Die richtige Auswahl zu treffen, ist grosse Kunst. Dafür hat meine Mutter ein Gespür.» Es brauche auch Kunden, die das lokale Gewerbe schätzen und unterstützen wollen. «Daher müssen wir sichtbar bleiben, organisieren Lesungen, betreiben den Vorverkauf für kulturelle Anlässe, sind in den sozialen Medien präsent.» Nötig seien aber vor allem zwei Dinge: Menschenkenntnisse, um die passenden Empfehlungen auszusprechen – und die Freude am Buch. «Ich glaube fest an den Wert des Buchs. Ich verkaufe ein ästhetisches Produkt und verschaffe dem Leser ein Erlebnis.»

Mit Blick auf seine Ü 50- Stamm­kundschaft hat Budmiger Respekt vor der «Generation Smartphone», die ihr Leben vor Bildschirmen verbringt. Zugleich ist er aber überzeugt: «Gerade in dieser schnelllebigen Welt stellt das Buch einen Kontrapunkt dar.» Wohl nicht von ungefähr gibt es derzeit wöchentlich eine Handvoll Interessierte, die im Rahmen des «Nachtschmökerns» nach Ladenschluss bei Prosecco und Sandwiches die ­Bücherregale durchforsten.

Er sei geradezu «demütig» angesichts des Erfolgs seiner Mutter und froh, weiterhin auf ihr «Gspüüri» zählen zu können, sagt Budmiger. Die Verantwortung für den Laden lasse ihn schon mal schlecht schlafen. Er sei gespannt, was die Zukunft bringe. Positiv stimme ihn, dass die Verkaufszahlen der E-Books («daran verdienen wir keinen ­roten Rappen») stagniere. So oder so sei klar: «Meine Mutter hat fürs Buch gekämpft. Dies will ich ihr gleichtun.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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