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SURSEE: Fedrige «Postboten» zeigen ihre schönste Seite

40 Aussteller präsentieren in der Stadthalle ihre besten Brieftauben. Auch in heutiger Zeit figurieren die Tiere als Briefträger – vielfach für dubiose Zwecke.
Vorne lang und nach hinten fein abgestuft: So müssen laut Experten die Federn sein. Noch heute können an der Brieftaubenausstellung in Sursee die Tiere bestaunt werden. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Vorne lang und nach hinten fein abgestuft: So müssen laut Experten die Federn sein. Noch heute können an der Brieftaubenausstellung in Sursee die Tiere bestaunt werden. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ))

Es flattert in der Surseer Stadthalle: Bis heute Sonntag sind die sportlichsten und schönsten Schweizer Brieftauben an der 59. Nationalen Brieftaubenausstellung zu bestaunen. Ihr Leistungsausweis hingegen reicht Jahrtausende weit zurück: Schon in der Antike wurden Brieftauben als Postboten eingesetzt. Als erste Form von «Luftpost» wurde per «Taubenpost» – wie diese Art Transport später benannt wurde – manche militärische Botschaft und politische Nachricht über Hunderte von Kilometern an ihren Bestimmungsort überbracht.

Bis zu 600 Kilometer am Stück

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Botendienst der Tauben zunehmend durch moderne Kommunikationsmittel verdrängt. In der Schweizer Armee zum Beispiel haben die gefiederten Briefträger seit Beginn der 1990er-Jahre ausgedient.

Bei der Armee hat sodann auch die Thurgauerin Rita Schmidlin die schnellen und überaus intelligenten Tiere kennen gelernt. Seit 20 Jahren ist sie passionierte Taubenzüchterin und betreibt Brieftaubensport. «Es hat mich gepackt», sagt sie. Bis zu 600 Kilometer weit fliegen die Tauben bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Die Spitzenwerte liegen mit bis 150 Stundenkilometern deutlich höher, sagt Schmidlin.

Zwölf Wettflüge pro Jahr

Gestern Samstagmorgen war Rita Schmidlin mit Hugo Bühler, dem OK-Präsidenten der 59. Nationalen Brieftaubenausstellung in der Stadthalle Sursee anzutreffen. 40 Aussteller aus der ganzen Schweiz haben ihre Tiere mitgebracht – es sind die Leistungsstärksten und die Schönsten im Lande.

Hugo Bühler nimmt eines der gurrenden, trippelnden Tiere aus dem Käfig. Am Fuss trägt die Taube einen Ring. Das ist quasi ihr Personalausweis, der kurz nach dem Schlüpfen verpasst und ein Leben lang mitgetragen wird. Bühler streicht der Taube liebevoll über das Gefieder: «Die Flügel sind wichtig», sagt er. Vorne müssen die Federn schön lang sein, dann nach hinten fein abgestuft. «Wie Seide muss sich das Gefieder anfühlen. So ist es optimal wasserabstossend», sagt Bühler.

Bei der Ausstellung werden die Tiere von Experten bewertet. 100 Punkte im Maximum werden vergeben. Doch das hat noch nie eine Taube geschafft. «94 erreichte Punkte sind ein absoluter Spitzenwert», sagt Bühler. Der Fachmann erklärt, dass die Tauben aktuell «Winterpause» machen. Im Frühling gehe es dann wieder los mit den Wettflügen. Deren zwölf gibt es in der Schweiz pro Jahr. Doch bedeutet das nicht auch viel Stress für die Tiere, wie etwa Tierschützer immer wieder monieren? «Nein», sagt Rita Schmidlin. «Die Tiere sind jeweils hoch motiviert.» Der Stress finde vielmehr in der Natur statt, wenn natürliche Feinde wie Sperber oder Habicht ihre Opfer jagen.

Tauben transportieren Drogen

Doch braucht es den Einsatz von Brieftauben im digitalen Zeitalter überhaupt noch – abseits des Sports? Nun, in abgelegenen Gebieten würden etwa medizinische Proben in Ausnahmefällen noch per Taubenpost transportiert, sagt Rita Schmidlin. Und immer wieder sei etwa zu vernehmen, dass die schnellen Tiere auch für kriminelle Zwecke missbraucht werden. So etwa für den Transport von Wertgegenständen wie Diamanten oder Rauschgift. «Aber Genaues weiss man darüber nicht.»

Nun, in Sursee ist nichts dergleichen der Fall. Hier freuen sich die Brieftaubenzüchter auf viele Besucher und auf allenfalls jüngere, neue Fachbegeisterte. «Auch wir haben wie viele andere Vereine eine Überalterung im Verein», sagt Schmidlin. Viele Interessierte hätten Respekt, sich Tauben zu halten wegen der 365-Tage-Betreuung, welche die Taubenzucht mit sich bringe.

Diesbezüglich sei man unter den Züchtern aber erfinderisch geworden, sagt Schmidlin. Mit sogenannten «Schlaggemeinschaften», teilt man sich die Arbeit – und entlastet sich so zunehmend gegenseitig.

Hannes Bucher

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