SURSEE: Fünf Dienste unter einem Dach

Bisher waren es drei Standorte, neu ist es ein einziger: Die Luzerner Psychiatrie bündelt ihre ambulanten Angebote. Und rüstet sich damit für die steigende Nachfrage.

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Boten Einblick in die neuen Räumlichkeiten in Sursee: Spitalratspräsident Hans Schärli (links) und Peter Schwegler, Direktor der Luzerner Psychiatrie. (Bild Corinne Glanzmann)

Boten Einblick in die neuen Räumlichkeiten in Sursee: Spitalratspräsident Hans Schärli (links) und Peter Schwegler, Direktor der Luzerner Psychiatrie. (Bild Corinne Glanzmann)

Evelyne Fischer

Teppichboden, warme Lichter, viel Glas: Wer im Surseer Enterprise-Gebäude die Stockwerke der Luzerner Psychiatrie betritt, vermutet sich zunächst kaum in einer Klinik. Am neuen Standort an der Surentalstrasse will die Luzerner Psychiatrie ihrem Grundsatz «ambulant vor stationär» noch besser nachkommen. Vor knapp drei Wochen hat sie hier den Betrieb aufgenommen. Verteilten sich die ambulanten Dienstleistungen in Sursee auf bisher drei Standorte, sind sie nun zentral gebündelt.

«Das neue Kompetenzzentrum ist ein Generationenprojekt für die nächsten Jahrzehnte», sagte Direktor Peter Schwegler gestern bei der offiziellen Eröffnung. Im letzten Jahr verzeichnete die Luzerner Psychiatrie an den bisherigen Surseer Domizilen rund 2000 Fälle. «Es kam zu räumlichen Engpässen», so Peter Schwegler. Der Bedarf an psychiatrischen Leistungen werde weiter zunehmen. «Mit dem neuen Zentrum können wir der spürbar grösseren Nachfrage gerecht werden.»

Sorgenkind Gesundheitswesen

In seiner Begrüssung sprach Spitalratspräsident Hans Schärli von einem «Meilenstein». Ein Standort vereinfache die Abläufe und lasse Kosten sparen. «Ein zukunftsweisender Entscheid.» Dem pflichtete Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf bei. «Die Kräfte an einem Ort zu konzentrieren, war innovativ und mutig.» Die stete Zunahme der psychischen Erkrankungen sei eine Tatsache und eine finanzielle Herausforderung für den Kanton. «Es wäre utopisch, die Gesundheitskosten senken zu wollen.» Rund 300 Millionen Franken betragen diese derzeit. Jährlich werden es rund 10 Millionen mehr. «Der Kostensteigerung gegenüber steht die Verknappung der finanziellen Mittel.» Umso wichtiger seien in diesem Umfeld Optimierungen in der Zusammenarbeit.

Anlaufstelle für alle Lebenslagen

Fünf Angebote und mit ihnen rund 50 Mitarbeitende sind nun unter einem Dach. Im einen Ambulatorium werden Kinder- und Jugendliche mit Entwick­lungs- und Verhaltensauffälligkeiten, Ängsten oder Depressionen behandelt. Das Ambulatorium für Erwachsene bietet Beratung und Behandlung in Lebenskrisen oder bei psychischen Erkrankungen das meistgenutzte Angebot in Sursee. Die Tagesklinik wiederum richtet sich an Patienten, bei denen eine ambulante Versorgung nicht ausreicht. Die Memory Clinic ist eine Anlaufstelle bei Gedächtnisstörungen. Der Schwerpunkt dieses Ambulatoriums liegt in der Demenzabklärung.

Vor gut eineinhalb Jahren erweiterte die Luzerner Psychiatrie ihr Angebot auf der Landschaft mit der gemeindeintegrierten Akutbehandlung sprich Hausbesuchen. Eine Dienstleistung, die immer mehr in Anspruch genommen werde. «Unser jüngstes Kind schliesst die Lücke zwischen stationär und ambulant», sagt Kerstin Gabriel Felleiter, Leitende Ärztin der ambulanten Dienste. Die Betroffenen würden in ihrer vertrauten Umgebung aufgesucht und Angehörige in die Gespräche miteinbezogen. Das sei sehr wichtig. «Denn eine psychische Erkrankung hat Folgen für die ganze Familie», sagt die Ärztin. «Wie die Angehörigen mit einer psychischen Erkrankung umgehen, kann den Gesundheitszustand wesentlich beeinflussen.» In Frage komme diese Art der Behandlung für eine depressive Mutter mit kleinen Kindern ebenso wie für jemanden, der manisch krank sei. Jene Patienten hätten eines gemeinsam: «Sie wollen auch in einer Krise in ihrem Umfeld eigenständig bleiben.»