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SURSEE: Für seine Musik erhält er den päpstlichen Orden

Als 14-Jähriger nahm Franz Pfister (79) das erste Mal Klavierunterricht. Nicht ahnend, dass die Musik sein weiteres Leben prägen würde.
Susanne Balli
Franz Pfister bei «seiner» Orgel in der Pfarrkirche St. Georg in Sursee. (Bild Manuela Jans-Koch)

Franz Pfister bei «seiner» Orgel in der Pfarrkirche St. Georg in Sursee. (Bild Manuela Jans-Koch)

«Für die Kirche St. Georg in Sursee habe ich auch heute noch einen Schlüssel.» Franz Pfister lächelt. Der Schlüssel ermöglicht es dem bald 80-Jährigen, regelmässig seiner Leidenschaft, dem Orgelspielen, nachzugehen. Im Mai feiert er seinen runden Geburtstag. Da mag Franz Pfister die Ehre, die ihm diesen Samstag, zuteil wird, wie ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk vorkommen. Der Kirchenmusiker und Komponist aus Sursee erhält den päpstlichen Orden «bene merenti» für seine über 50-jährige Tätigkeit und Leistung in der Kirchenmusik. Die päpstliche Verdienstmedaille wird als Zeichen der Anerkennung an Personen im Dienst der Kirche verliehen.

Der Basler Bischof Felix Gmür wird Franz Pfister den Orden überreichen. Dies anlässlich eines festlichen Gottesdienstes, bei dem vor allem auch Gerold Beck, Kaplan von Mariazell, im Mittelpunkt steht. Gerold Beck kann dieses Jahr das Goldene Priesterjubiläum feiern (siehe Kasten). «Um mich geht es da also nur am Rande. Gerold Beck ist viel wichtiger», sagt Franz Pfister. Natürlich sei es für ihn ein freudiges Ereignis. Es sei insofern wichtig, dass man einen langjährigen Einsatz zur Kenntnis nehme, «aber ich hegte nie einen Gedanken an so was». Diese Aussage verwundert die nicht, die Franz Pfister kennen. Claudio Tomassini, Leiter der Pfarrei St. Georg, Sursee, beispielsweise, bezeichnet Pfister als «stillen und bescheidenen Mann, der im Hintergrund wirkt».

Ein Faible für Autos

Als drittes von sieben Kindern einer Arbeiterfamilie wurde Franz Pfister 1936 in Altishofen geboren. «Mein Vater war Automechaniker, daher kommt wohl meine Leidenschaft für Autos», sagt Pfister, der gerne «Usfährtli» mit seiner Frau Theres unternimmt. Aber auch die Musik war im Hause Pfister präsent: Sein Vater war in der Musikgesellschaft Altishofen und übte zu Hause fleissig Es-Horn («unser Hund jaulte dabei immer»). Die älteren zwei Brüder spielten Trompete. «Ich selber spielte damals kein Instrument, interessierte mich aber doch immer für Musik.» Weil ein Klassenkamerad das Progymnasium besuchte, kam Pfister auf die Idee, dasselbe zu tun. Die Familie unterstützte ihn dabei.

Doch im Progymnasium im Rheintal musste sich Franz Pfister zuerst bewähren, um seine Liebe zur Musik ausleben zu dürfen. «Ein gutes Zeugnis nach dem ersten Jahr war die Voraussetzung, dass ich Klavierunterricht nehmen durfte.»

Bevor Pfister die Matura machte, besuchte er zwei Jahre die Stiftsschule in Einsiedeln. «Dort habe ich das Orgelspiel gelernt.» Und nebenbei brachte er sich selber noch rasch die ganze Harmonielehre bei. Nach der Matura Typ A mit Latein und Griechisch bot sich Pfister die Möglichkeit, für drei Auslandsemester nach Wien und Bonn zu gehen. Die «erlebnisreiche und intensive Zeit» in Wien prägte Pfister. Trotz seiner grossen Leidenschaft für die Kirchenmusik kam aber die Einsicht, «dass es schwierig ist, mit Musik allein sein Leben zu verdienen, wenn man eine Familie gründen will». So absolvierte er sprachlich-historische Studien an der Universität Zürich und das Musiklehrerstudium II (Gymnasium) an der Musikakademie Zürich, das er 1965 abschloss. Vier Jahre später macht er das Klavierlehrdiplom. Ein Sprachaufenthalt in Paris und zwei Sommerkurse in Nizza und Paris eröffneten Pfister den Zugang zur französischen Musik, die ihn stark inspirierte.

Während fünf Jahren war Pfister in Frauenfeld als Sekundarlehrer tätig. «Meine Frau und ich fragten uns damals, ob unsere Söhne tatsächlich einmal Thurgauerdeutsch sprechen sollen», schmunzelt Pfister. Die Antwort war offenbar nein. Zu stark war die Sehnsucht, zurück ins Luzernische zu ziehen, wo er zuerst in Luzern und danach in Sursee als Kantonsschullehrer arbeitete. Pfister wurde schliesslich unter anderem Hauptverantwortlicher für die Kirchenmusik in Sursee.

Der Gehalt der Hitparade

Bis zu seiner Pensionierung 1999 war Pfister als Kantonsschullehrer tätig. «Mir war wichtig, dass die Schüler alle gängigen Musikarten kennen. So untersuchten wir jeweils die Hitparade und wurden 1983 sogar ins Radiostudio von DRS 3 nach Bern eingeladen, wo wir an einer Sendung von ‹Graffiti› mitwirken durften.»

1986 bis 1996 leitete Franz Pfister das Orchester Sursee. «Ganz unerwartet» erhielt er schliesslich 1998 für seine Verdienste den Kulturpreis der Stadt Sursee. Neben seinen zahlreichen Kompositionen machte er sich auch mit dem 2001 gegründeten Vokalensemble Luzern Land «Pro Musica Viva», einen Namen, das er sieben Jahre leitete.

Franz Pfisters Gesamtwerk ist im letzten Herbst im Verlag RUH Musik AG, Adliswil, erschienen.

Seit 50 Jahren Priester

Gerold Becksb. Der Kaplan von Mariazell/Sursee Gerold Beck (81, Bild) kann heuer sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Am 28. Juni 1966 erhielt der gebürtige Surseer die Priesterweihe.

Gerold Beck. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Gerold Beck. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Gerold Beck ist bekannt als profunder Kenner der römisch-katholischen Kirche. «Ich habe nun 50 Jahre als Priester an der Front der Kirche hinter mit. Das war interessant, herausfordernd und bewegend», sagt er. 1962 erlebte Gerold Beck als Student das II. Vatikanische Konzil in Rom. «Das hat mich tief geprägt im Sinne der Bewegung, Veränderung und des Aufbruchs.» Nach fünf Jahren als Vikar in Basel und zwei Jahren als Vikar in der Kirche St. Gallus in Kriens wirkte er unter anderem als Pfarrer in Gerliswil in Emmenbrücke. Von 1990 bis 2002 war er als Stadtpfarrer Leodegar am Hof in Luzern tätig. Seit 2002 ist er Kaplan der Kapelle Mariazell/Sursee.

Hinweis Am Samstag findet um 17.30 Uhr in der Surseer Pfarrkirche St. Georg der Festgottesdienst mit Diözesanbischof Felix Gmür statt.

Susanne Balli

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