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SURSEE: Grosse Mosterei, kleine Ernte

Ramseier hat die Mosterei modernisiert und rechtzeitig zur Erntesaison eröffnet. Auch in diesem Jahr dürften die Bauern aber zu wenig Äpfel anliefern.
Blick in die neue Mosterei in Sursee: Eine Mitarbeiterin sortiert frische Äpfel. (Bild Eveline Beerkircher)

Blick in die neue Mosterei in Sursee: Eine Mitarbeiterin sortiert frische Äpfel. (Bild Eveline Beerkircher)

Stephan Santschi

Heute feiert die Schweiz den Tag des Apfels, der Frucht, die weiterhin am beliebtesten ist. «Im Jahr trinken wir pro Kopf 12 Liter Apfelsaft», sagt Christian Consoni. Er muss es wissen, denn er ist der CEO der Ramseier Suisse AG, welche rund 60 Prozent der Schweizer Mostobsternte verarbeitet und den Apfel damit in flüssiger Form verfügbar macht. Gestern weilte Consoni an einer Medienorientierung in Sursee. Am Hauptsitz von Ramseier ist in den letzten neun Monaten für 6 Millionen Franken eine neue Mosterei aufgebaut worden. Die veraltete Infrastruktur wurde modernisiert, die Anzahl Obstpressen auf vier verdoppelt und die Speicherkapazität der Silos für ganze Früchte verdreifacht.

Entsprechend zugenommen hat die Leistungsfähigkeit der Anlage: Maximal können nun in einem Jahr 40 000 Tonnen Mostobst verarbeitet werden. Das macht pro Tag eine Produktion von bis zu einer halben Million Liter Saft. Damit verfügt Sursee hinter Oberaach im Kanton Thurgau (60 000 Tonnen) über die zweitgrösste Mosterei in der Schweiz. Spitze ist Sursee mit der Anzahl der Beschäftigten. Da man auch eine Abfüllanlage betreibt, sind 160 der 300 Mitarbeiter von Ramseier hier angestellt.

Die Folgen des trockenen Sommers

So eindrücklich diese Zahlen sind, so ernüchternd fallen die Erwartungen zu den Erntemengen aus. Rund 70 000 Tonnen Äpfel dürften es werden, rund 80 000 Tonnen brauche die Branche. «Das heisst nicht, dass es ab dem nächsten Juni keinen Apfelsaft mehr gibt. Falls nötig, zapfen wir unsere Konzentratreserven an», sagt Consoni. Die Qualität der aktuellen Äpfel sei hoch. Mehr Quantität wünscht man sich trotzdem. Zumal sich die Erträge bereits im vierten Jahr hintereinander auf tiefem Niveau bewegen. Dafür verantwortlich ist heuer der heisse und trockene Sommer. «Der Baum schützt sich und stösst Früchte früh ab», erklärt Consoni. Das bestätigt Toni Arnold. Der 62-jährige Landwirt aus Schenkon liefert gerade seine Gelbmöstler-Birnen ab und berichtet: «Äpfel hat es eher wenige, Birnen dafür abnormal viele. Der Verkauf von Obst ist für mich aber nur ein Randgeschäft. Die Preise sind zu schlecht. Das geht andern auch so, manche sammeln es gar nicht mehr ein.» Macht der massive Ausbau von Ram­seier in Sursee im Kontext der zurückgehenden Erntemengen überhaupt Sinn? Auf jeden Fall, findet Christoph Suter, der für Logistik, Beschaffung und Produktionsbetrieb zuständig ist. «Wenn der Mix aus Wasser und Sonnenschein stimmt, wird es wieder mehr Äpfel geben. Zu berücksichtigen ist auch die Alternanz. Nach grossen Ernten braucht die Natur Zeit, um sich zu erholen», sagt Suter in Anlehnung an das Spitzenjahr 2011, als 170 000 Tonnen Äpfel produziert wurden. Er weist zudem darauf hin, dass das Potenzial in der Zentralschweiz wegen des Surseer Neubaus nicht grösser werde. Die Mosterei steigert ihr Leistungsvermögen zwar von 16 000 auf wie erwähnt 40 000 Tonnen pro Jahr. Weg fällt hingegen der im letzten Herbst geschlossene Betrieb in Hitzkirch mit einer Kapazität von 24 000 Tonnen.

CEO Consoni jedenfalls ist optimistisch: «Der Markt ist stabil. Der Gesundheitstrend in der Gesellschaft hilft uns, seit einigen Jahren legen wir mit der kalorienreduzierten Apfelschorle kontinuierlich zu. Die jungen Leute entdecken derweil den sauren Most in der Dose. Leicht rückläufig ist der Apfelsaft.» Schlechter ergeht es der Birne, hier übertrifft das Angebot sogar die Nachfrage. Dem Apfelsaft wird die Birne zu maximal 10 Prozent beigemischt, «reiner Birnensaft ist nicht erwünscht», sagt Consoni. Dazu passt die Suche nach einem Tag der Birne – sie bleibt ohne Ergebnis.

Mehr Bilder zur neuen Mosterei finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

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