SURSEE: Heinifamilie in Sursee mit Getöse aufgeweckt

Im Nachthemd, mit Trommeln und Tröten bewaffnet, ziehen die Chessler los, um drei Fasnachtsurgesteine zu wecken. Derweil schläft der wichtigste Fasnächtler mit seiner Familie im Schaufenster.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen
Die Chessler ziehen frühmorgens in Sursee los. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Die Chessler ziehen frühmorgens in Sursee los. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Langsam und verschlafen schleichen sie aus den Gassen zum Martigny-Platz, die in weissen Nachthemden gekleideten Frauen, Männer und Kinder. Punkt 5 Uhr ertönt der Urknall, dann setzen sie sich in einem vorerst überschaubaren Tross in Bewegung – auf zur Chesslete! Auf einer Schubkarre führt einer von ihnen, es ist Zunftpräsident Peter Wyder, ein blechernes Ölfass mit, welches sich prima dazu eignet, darauf mit Holzschlägern saumässig Lärm zu veranstalten.

Trabanten im Diebenturm

Die meisten Chessler haben Blechkübel, Rätschen, Tröten oder sonst welche Accessoires dabei, mit denen sie sich möglichst hörbar auf den Weg zur Tagwache beim Diebenturm machen, wo traditionellerweise die Trabanten Tüfel, Lälli und Feuk aus den Betten geholt werden.

Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
11 Bilder
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ
Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ

Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ

Hinter dem Turm auf dem Mühleplatz rasseln und poltern die Frühaufsteher, und es dauert nicht lange, bis sich an zwei Fenstern die Jalousien öffnen und die drei Figuren den Tag begrüssen. Gemeinsam mit der inzwischen auf rund 80 Personen angewachsenen Gruppe ziehen die Trabanten kurz darauf in Richtung Industriequartier, wo ein ähnliches Ritual zelebriert wird. Denn drei fehlen noch: der höchste Fasnächtler Heinivater Paul Furrer, seine Heinimamme und die Tochter.

Blitzschnell aus den Federn

Als die weisse Schar beim Geschäft des Heinivaters, einem Betrieb für Landmaschinen und Reinigungsgeräte, eintrifft, schläft dieser mit seiner Familie noch friedlich in einem grossen Bett im Schaufenster des Ausstellungsraums. Blitzschnell werden auch diese drei aus den Federn geholt.

Nach einem kurzen Zmorge, das jeweils der Heinivater offeriert, gehts ab zum Rathausplatz. Auf dem Weg dorthin offenbart sich in einer Unterführung, dass der Heinivater scheinbar auch bei den jungen Leuten in Sursee beliebt ist. «I love Furer» hat jemand auf die vollständig mit Spray beschmierte Wand der Unterführung mit schwarzen Lettern gesprayt. Heinivater Furrer staunt zuerst, dann lacht er: «Damit ist ganz bestimmt die Heinimamme gemeint.»

Samba mit dem Heinivater

Schliesslich gelangt die Gruppe ins Städtchen. Eine ältere Frau, die vor acht Jahren aus Rain nach Sursee zog, ist jedes Jahr bei der Tagwache dabei. «Schade, dass jeweils nicht mehr Leute mitmachen, ich finde diesen Brauch schön und helfe mit, dass er auch weiterhin gepflegt wird», sagt sie und marschiert mit ihrer Rassel weiter Richtung Rathausplatz.

Da warten bereits einige Guuggenmusigen und die Königin von Mallorca Silvia Kaufmann, darauf, dass der Heinivater gemäss seinem Motto «Samba Samba» die Fasnacht für eröffnet erklärt.