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SURSEE: Heinivater aus dem Büroschlaf geweckt

Bewaffnet mit Pfeifen, Büchsen und Schellen ziehen weiss gekleidete Chessler durch die Nacht. Beim Diebenturm und Herrenrain gesellen sich wichtige Figuren dazu.
Roger Rüegger
De Tüfel, Feuck und Lälli wecken den Heinivater gemeinsam mit der Surseer Bevölkerung an der Tagwach. (Bild: Nadia Schärli)

De Tüfel, Feuck und Lälli wecken den Heinivater gemeinsam mit der Surseer Bevölkerung an der Tagwach. (Bild: Nadia Schärli)

Roger Rüegger

Eine Pyjamaparty der besonderen Art findet jeweils am frühen Morgen des Schmutzigen Donnerstags in Sursee statt. Auf dem Martigny-Platz treffen ab halb fünf nach und nach weiss gekleidete Frauen, Männer und Kinder ein. Alle sind offenbar frisch aus den Federn gehüpft, denn die meisten tragen Nachthemden oder eben Pyjamas.

Diejenigen, die es noch geschafft haben, vor dem Verlassen ihres Heims einen Abstecher in Küche oder Garage zu machen, haben sich mit Pfannen, Kuchenformen und Holzkellen oder Blechbüchsen und Ölfässern bewaffnet. Andere haben sich eine Schelle umgeschnallt. Hauptsache, es macht Lärm, denn in Sorsi wird jetzt Fasnacht gefeiert und das mit Getöse.

Feuck an der Tagwach Sursee (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
De Tüfel gemeinsam mit Surseer Bevölkerung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
De Tüfel und de Feuck wecken den Heinivater. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
De Feuck gemeinsam mit Surseer Bevölkerung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
De Heinivater- Tagwach in Sursee. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Feuck an der Tagwach in Sursee. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Feuck an der Tagwach in Sursee. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Tagwach Sursee Fotografiert am 12. Februar 2015 (Nadia Schärli / Neue LZ) (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Tagwach Sursee Fotografiert am 12. Februar 2015 (Nadia Schärli / Neue LZ) (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
10 Bilder

Tagwache in Sursee

Die Truppe, die stetig wächst

Der Urknall erfolgt um 5 Uhr. Danach setzt sich der Tross in Bewegung. Im lichten Nebel marschiert die Gruppe, die stetig wächst, zum Diebenturm. Dort schlagen alle noch heftiger auf ihre Instrumente. «Döt lueg, si send wach», sagt eine Pyjama-Mutter zu ihrer Nachthemd-Tochter. Gemeint sind die drei Trabanten Tüfel, Lälli ond Feuck, die jedes Jahr von den Chesslern aus den Betten geholt werden. Nachdem die drei Gestalten sie symbolisieren die menschlichen Untugenden das Böse, die Redseligkeit und den Stolz – wach sind, schliessen sie sich der Schar an. Sie springen herum, rennen ans Ende der Gruppe, dann wieder zur Spitze und immer wieder zwischen den Leuten hindurch.

Nach einer militärischen Abkürzung für 200 Meter Luftlinie sind wir gefühlte drei Stunden unterwegs – gelangt die inzwischen weit über 100 Personen zählende Equipe zum Herrenrain, vor Heinivaters Büro. Abermals bleiben die Nachthemden und Pyjamas stehen und lärmen, was die Töpfe hergeben.

Wie beim letzten Halt ist hier das Ziel, Leute aus dem Schlaf zu reissen. Was innert Kürze gelingt. Nacheinander öffnen sich sechs Jalousien des Gebäudes, in dem sich die Büros der Firma «Full Speed Systems» befinden wo Heinivater Roland Rüegg arbeitet. Zuerst begrüsst er die Frühaufsteher, dann blicken auch seine Frau und die vier Kinder mit kleinen Augen herab. «Guete Morge. Ech ha rüüdig Freud, dass ehr mech gweckt händ. Sösch wäri höt go schaffe. Dorom erklär ech d Fasnacht offiziell als eröffnet», ruft der Mann lauthals in den Sorser Morgenhimmel.

Indisches Paar an Sorser Tagwache

Wie es sich gehört, gibt es einen Imbiss. «Weil es kalt und trocken ist», offeriert der Heinivater Schoggistängeli, Mutschli und Tee. Er begrüsst viele persönlich. Fragen wie: «Hesch guet gschlofe?» und: «We lang hesch no gmacht?» hört man an diesem Morgen häufiger. Neben zahlreichen Bekannten aus Sursee ist auch ein Paar aus Indien anwesend: Alok und Madhura Mantri sind Gäste eines Zunftkollegen von Rüegg. «Wir sind hier in den Ferien und begleiten die Freunde unseres Freundes.» Erzählt Alok. Eine Tagwache wie jene in Sursee erlebe er zum ersten Mal. Karneval hingegen kenne man auch in Indien, je nach Landesteil und Religion werde dieser aber anders zelebriert.

Nach einer guten Stunde verschieben sich die Weissgekleideten in die Altstadt, wo vier Guuggenmusigen aufspielen. Von Hits der Red Hot Chilli Peppers bis hin zum Reggae-Klassiker «Rivers of Babylon» wird querbeet durchgespielt.

Die Verpflegung ist im Gegensatz dazu weniger bunt. Dafür einwandfrei und währschaft: Ab 7.30 Uhr wird Mehlsuppe geschöpft. Das indische Paar lässt sich auch diese Spezialität nicht entgehen. Stilecht mit einem Eichhof-Bierchen lassen sie sich das Frühstück schmecken. Auf ein weiteres Zitat von ihnen verzichten wir an dieser Stelle. Man soll die Leute ja nicht beim Essen stören.

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