SURSEE: Ja zum geplanten Pfarreizentrum in Sursee

Die Kirchgemeinde hat grünes Licht gegeben für den Bau des 14 Millionen teuren Pfarreizentrums. Es ist ein Ja mit Vorbehalt, da der Regierungsrat noch über eine hängige Beschwerde befindet.

Roseline Troxler
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So soll das Foyer des neuen Pfarreizentrums am Vierherrenplatz dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

So soll das Foyer des neuen Pfarreizentrums am Vierherrenplatz dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung PD)

Die Abstimmung über den Baukredit für das neue Pfarreizentrum beim Vierherrenplatz sorgte für einen Grossaufmarsch. 350 Stimmbürger der Katholischen Kirchgemeinde nahmen gestern an der Versammlung teil. Da der Saal im alten Pfarreizentrum zu klein war, musste die Versammlung kurzerhand in die Pfarrkirche disloziert werden.

Nach der rund dreistündigen Versammlung sagten die Stimmbürger gestern deutlich Ja zum 14,03 Millionen teuren Projekt – mit 262 Ja- zu 79 Nein-Stimmen. Damit kann das neue Pfarreizentrum mit einem Saal mit 350 Sitzplätzen, einer Bühne, einer Cafeteria, Räumen für die Jugendorganisationen und Probelokale für die Musikschule entstehen.

Bei der gestrigen Versammlung ging es auch um den Verkauf des alten Pfarreiheimareals an der Dägersteinstrasse. Da die Kirchgemeinde durch den Verkaufserlöses des Grundstücks 1,8 Millionen Franken einnimmt, beträgt der Nettokredit für den Neubau rund 12,2 Millionen Franken.

Umzonungen im April genehmigt

Voraussetzung für die gestrige Abstimmung waren die Entscheide an der Gemeindeversammlung vom 14. April. Damals hatte die Surseer Bevölkerung die Umzonung beim Vierherrenplatz von einer öffentlichen in eine Sonderbauzone befürwortet. Damit kann ein fünfstöckigen Wohn- und Geschäftshaus, durch einen privaten Investor realisiert werden. Weiter sagte die Bevölkerung am 14. April Ja zur Umzonung bei der Dägersteinstrasse. Ausserdem wurde ein 2,8 Millionen-Kredit für die Umgestaltung des Vierherrenplatzes und des Herrenrains gesprochen.

Verwaltungsbeschwerde hängig

Der Bau und insbesondere die Kosten für das Pfarreizentrum hatten bereits im Vorfeld zu Kritik geführt (Ausgabe von gestern). So reichten die Grünen Region Sursee bei der Luzerner Regierung eine Verwaltungsbeschwerde zum Finanzgebaren des Stadtrats gegenüber der Katholischen Kirchgemeinde ein. Der Stadtrat überschreite seine Finanzkompetenzen und mache der Katholischen Kirchgemeinde Geschenke in Millionenhöhe, lauteten die Vorwürfe. Dies, weil die Stadt der Kirchgemeinde kostenlos Land von 2370 Quadratmeter abgetreten hat. Die Stadt hingegen sprach von einer Abgeltung für den grösseren Saal.

Marschhalt von Votanten gefordert

Kritik gab es auch von der Gruppe «Besorgte Pfarreimitglieder». Diese plädierte für einen Zwischenhalt beim Pfarreizentrum. Die Gruppe fürchtet wegen des Neubaus eine zu starke Verschuldung der Kirchgemeinde. «Das Projekt ist noch nicht genügend ausgereift. Es gibt zu viele Unklarheiten», sagte ein Mitglied der Gruppe und stellte den Antrag auf Nichteintreten. Ein anderer Votant, der sich dem Antrag anschloss, betonte, dass die Regierung zunächst die Beschwerde behandeln und ein Investor für das Projekt gefunden werden müsse, bevor ein Beschluss gefasst werden könne. Gleich mehrere Votanten forderten eine Denkpause beim Projekt. Die Mehrheit war nicht gegen das Projekt im Allgemeinen, sondern äusserte Bedenken zur Finanzlage. Anderer Ansicht war ein weiterer Stimmbürger, der eine Wortmeldung machte: «Zu lange Denkpausen führen zu verpassten Chancen», gab er zu Bedenken. Ein anderer Stimmbürer bezweifelte, dass eine Denkpause mehr Einsicht bringe und forderte daher ein Ja zum Baukredit.

Nachdem mit 243 Ja- zu 89 Nein-Stimmen Eintreten beschlossen worden war, konnte schliesslich über den Baukredit abgestimmt werden.

Oberstadt wird weiter erneuert

Gestern Morgen informierte der Stadtrat über die weiteren Erneuerungspläne im Gebiet Oberstadt. Nachdem die Oberstadt 24 bereits saniert und bei der Oberstadt 26 ein Neubau entstanden ist, liegt jetzt für die Oberstadt 23 ein Bebauungs- und Umzonungsplan auf. Für die Realisierung des Projekts muss auch eine Fläche von 475 Quadratmetern – sie gehört der Einwohnergemeinde Sursee – von der Zone «übriges Gebiet A» (Verkehrszone) in die «Altstadtzone» (Zone zur Erhaltung des typischen Altstadtcharakters) umgezont werden.

Tabakladen bleibt vorderhand

Geplant ist einerseits der Ersatzbau des Wohnhauses und andererseits ein zweistöckiger Annexbau. Dieser kann für Gewerbe wie auch für ein Dienstleistungsangebot genutzt werden. Mit dem Projekt beabsichtigt man zudem, den Stadtgraben wieder sichtbar zu machen. Der sich neben dem geplanten Neubau befindende Tabakladen bliebe – zumindest für den Moment – weiter bestehen.
Das Grundstück gehört der Berger + Frank AG, deren Räumlichkeiten sich beim Surseer Schlottermilchkreisel befinden. Die architektonische Verantwortung für das Projekt obliegt dem Büro Waeber/Dickenmann aus Lachen. Sie waren bereits bei der Oberstadt 24 und 26 zum Zuge gekommen.

Souverän entscheidet

«Wir haben mit dem Projekt Oberstadt 23 städtebaulich einen sehr schönen Vorschlag», sagte Bauvorsteher Bruno Bucher an der gestrigen Medienorientierung. Er ist auch überzeugt, dass die vorgesehene bauliche Veränderung zur Substanzerhaltung der Altstadt beiträgt.
Zum zeitlichen Ablauf lässt sich Folgendes sagen: Noch bis am 17. Juni liegt der Bebauungsplan öffentlich auf. Am 20. Oktober befindet der Souverän an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung darüber. Mit dem Baubeginn ist im Verlaufe von 2015 zu rechnen. «Der Termin hängt vom Baubewilligungsverfahren und insbesondere auch vom erwünschten Tempo der Investoren ab», so Bruno Bucher.

Ernesto Piazza