SURSEE: Kaum bezahlbare Wohnungen für Familien

In Sursee herrscht akute Wohnungsnot. Eine Wohnrauminitiative der SP stösst auf Anklang – der Stadt gehen die Forderungen aber zu weit. Nun diskutiert man über einen Kompromiss.

Roseline Troxler
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Wer in Sursee eine Wohnung sucht, muss mit hohen Preisen rechnen (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Wer in Sursee eine Wohnung sucht, muss mit hohen Preisen rechnen (Symbolbild). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Stadtrat wie auch die SP wollen in Sursee mehr erschwinglichen Wohnraum schaffen. 2012 lag die Leerwohnungsziffer in Sursee bei 0,09 Prozent. So standen am 1. Juni 2012 gerade einmal vier Wohnungen leer. Laut Bundesgericht herrscht bei einer Leerwohnungsziffer von unter 0,5 Prozent Wohnungsnot. Unter der Leerwohnungsziffer versteht man den prozentualen Anteil der leer stehenden Wohnungen am Gesamtwohnungsbestand des Vorjahres. Stichtag ist jeweils der 1. Juni. Die Zahlen 2013 sind noch nicht verfügbar. In der Leerwohnungszählung gelten diejenigen Wohnungen als Leerwohnungen, die auf dem Markt zur Dauermiete oder zum Kauf angeboten werden.

Weniger Leerwohnungen als Luzern

Sursee zählt im Kanton Luzern zu den Gemeinden mit den tiefsten Leerwohnungsziffern. Zum Vergleich: Die Stadt Luzern wies am 1. Juni 2012 eine Leerwohnungsziffer von 1,09 Prozent auf, der kantonale Durchschnitt lag bei 0,74 Prozent. Der für Wohnungsknappheit bekannte Kanton Zug wies eine Leerwohnungsziffer von 0,48 Prozent auf. Schweizweit lag der Schnitt 2012 knapp bei 1 Prozent (0,94). Dies bedeutet: Auf 100 bewohnte Wohnungen stand am Stichtag eine Wohnung leer.

Die SP Stadt Sursee hat im Juni 2012 eine Gemeindeinitiative «für erschwinglichen Wohnraum» lanciert. «Familien wie auch Alleinstehende, welche nicht über ein grosses Einkommen verfügen, haben grosse Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden», sagt Silvia Stocker, Präsidentin der SP Sursee. Der Wohnungsbestand sei im Allgemeinen sehr tief. «Eine erschwingliche Wohnung zu finden, gestaltet sich daher extrem schwierig.» 484 Personen haben die Initiative unterschrieben.

Mit der Initiative fordert die SP drei Massnahmen, um mehr erschwinglichen Wohnraum zu schaffen: Die Stadt soll mit der Ortsplanung Voraussetzungen für den Bau und den Erhalt von bedarfsgerechtem Wohnraum schaffen, Grundstücke im Eigentum der Stadt sollen an Wohnbaugenossenschaften veräussert werden, und der Grundstückpreis sei so anzusetzen, dass die Voraussetzungen für die Realisierung von erschwinglichem Wohnraum in der Stadt Sursee erfüllt sind.

Gegenvorschlag wird ausgearbeitet

Der Stadt gehen diese Massnahmen zu weit: «Wir können nicht jedes Grundstück ausschliesslich an Wohnbaugenossenschaften abgeben. Wir sind darauf angewiesen, auch privaten Grundeigentümern Landanteile anzubieten», sagt Stadtschreiber Godi Marbach. Der Stadtrat wolle ein ausgewogenes Angebot fördern: «Wir brauchen eine gute soziale Durchmischung.» Der Stadtrat ist mit den Initianten im Gespräch. «Gemeinsam wollen wir einen Gegenvorschlag erarbeiten, welcher realisierbar ist und die Absichten der SP sichert», sagt Godi Marbach. Man wolle die Anliegen in der Revision des Zonenplans integrieren. «Wir hoffen, dass wir einen Konsens finden», sagt Silvia Stocker.

Der Gegenvorschlag soll an der Gemeindeversammlung im Dezember vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt werden. Falls der gemeinsame Gegenvorschlag vom Souverän gutgeheissen wird, werden die Massnahmen im Rahmen der laufenden Zonenplanrevision verbindlich integriert und der Gemeindeversammlung zur Genehmigung vorgelegt.