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SURSEE: Lärmschutz-Pflicht: Stadtrat Sursee hofft auf Spielraum

Der Stadtrat erachtet Massnahmen gegen Strassenlärm als unverhältnismässig und ersucht den Kanton, Sursee teilweise von der Sanierungspflicht zu befreien. Gar nicht einverstanden damit ist der Verkehrs-Club der Schweiz.
Ernesto Piazza
Wie im Gebiet Münsterplatz übersteigt der Verkehrslärm in Sursee auf diversen Abschnitten den Grenzwert. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 14. März 2018))

Wie im Gebiet Münsterplatz übersteigt der Verkehrslärm in Sursee auf diversen Abschnitten den Grenzwert. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 14. März 2018))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Kantone und Gemeinden haben vom Bund den Auftrag, ihre Strassen im Jahre 2018 bezüglich Lärm zu sanieren. Hier hat auch Sursee Nachholbedarf. Dies geht aus einem Bericht zum Lärm­sanierungsprojekt hervor, den der Stadtrat erstellen liess. Auf diversen Abschnitten der Gemeindestrassen ist die Belastung zu hoch. Sehr stark davon betroffen ist das Gebiet Münsterstrasse, Münsterplatz und Luzernstrasse. Weil der Stadtrat der Ansicht ist, «keine wirkungsvollen und verhältnismässigen Massnahmen» dagegen treffen zu können, sucht er bei der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie (UWE) mit einem Gesuch um Erleichterung bei der Sanierung nach. Sprich: Der Stadtrat will den gesetzlichen Spielraum nützen.

Die betreffenden Massnahmen seien entweder technisch oder betrieblich nicht möglich oder sie führten zu unverhältnismässigen Kosten, begründet die Exekutive ihren Schritt. Noch bis am 19. März liegen das Lärmsanierungsprojekt und das gestellte Gesuch um Sanierungserleichterungen öffentlich auf.

VCS ist kritisch gegenüber Erleichterungsgesuchen

Dagegen hat der VCS, Verkehrs-Club der Schweiz, Sektion Luzern, Einsprache erhoben. «Wir stehen den vielen Gesuchen um Erleichterung bei der Sanierung kritisch gegenüber», sagt Elias Vogler, Geschäftsleiter VCS Luzern. Denn damit bleibe der Lärm für viele Anwohner weiter bestehen. «Es gilt alles daran zu setzen, bei der Ursache des Lärms Massnahmen zu ergreifen, um diesen zu verhindern beziehungsweise auf ein erträgliches Mass zu reduzieren», so der VCS.

Aktuell wird der gesetzliche Grenzwert für Lärmimmissionen in Sursee bei 51 Gebäuden nicht eingehalten. Basierend auf der Verkehrsprognose 2036 werde dann die massgebende Grenze bei 89 bestehenden Objekten überschritten. Zudem sei der Alarmwert bei sieben Gebäuden erreicht respektive nicht eingehalten, «sodass Schallschutzfenster im Sinne eines Pflichteinbaus vorzusehen sind», schreibt der Stadtrat im Gesuch an das UWE.

Im Rahmen des Lärmsanierungsprojekts hat Sursee diverse Massnahmen zur Lärmminderung prüfen lassen. So stand beispielsweise das Ersetzen bestehender Strassenbeläge mit weniger Lärm verursachenden Varianten zur Diskussion. Doch bei allen Standorten kam die Prüfung zum Schluss, eine solche Massnahme käme nicht in Frage. Dies, weil beispielsweise der Belag – wie in der Altstadt – zum Ortsbild beitrage oder sich noch in einem guten Zustand befinde.

Der VCS sieht dies anders. Im vorliegenden Projekt erachte man die Unverhältnismässigkeit der Anlagensanierung als nicht gegeben. «Strassen sollen aus unserer Sicht nicht verkehrsorientiert, sondern nutzer- und anwohnerorientiert sein», betont Elias Vogler. Auch deshalb propagiert der VCS in den zur Diskussion stehenden Gebieten Tempo 30. «Allgemein ist erwiesen, dass eine Geschwindigkeitsreduktion auf den Abschnitten mit angrenzenden Wohnhäusern und Siedlungsgebieten keine starken Einschränkungen für die Durchfahrenden zur Folge hat. Zudem ist ein möglicher Zeitverlust nur minim», steht in der Einsprache. Die Einführung von Tempo 30 auf stark befahrenden Strassen werde zum heutigen Zeitpunkt aber von der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF) nicht bewilligt, entgegnet der Stadtrat.

Dazu schreibt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD): «Das regionale Konzept für den motorisierten Individualverkehr sieht vor, Tempo 30 primär in den Wohngebieten einzuführen. Auf den Hauptstrassen hingegen soll der grösste Teil des Verkehrs gebündelt werden. Dies wiederum deckt sich mit den kantonsübergreifenden und in den Gesetzen umschriebenen Aufgaben der diversen Strassenkategorien. Folglich ist es nicht zweck- und zielführend, nur auf gewissen Abschnitten der Luzernstrasse Tempo 30 zu signalisieren.» Das BUWD bestätigt zwar, dass Geschwindigkeitsreduktionen generell – zusammen mit lärmmindernden Belägen – die wirkungsvollsten Massnahmen an der Quelle seien. «Für die Beurteilung im Einzelfall bedarf es aber einer verkehrs- wie einer lärmtechnischen Abklärung.»

Weitere Sympathisanten für Tempo 30

Tempo 30 auf der Luzernstrasse fordern auch die Surseer Hans Portmann und Daniel Widmer. Die beiden werben auf der Homepage tempo30jetzt.ch für ihr Anliegen. Sie motivieren die Besucher, Stellung zum Erleichterungsgesuch zu nehmen. Es gelte zu verhindern, dass die Stadt von der Pflicht für die Realisierung von weitergehenden Sanierungsmassnahmen entbunden werde.

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