SURSEE: Modernes Geschäftsgebäude statt stattlicher Stadthäuser

Barocke, traditionelle und moderne Architektur stehen in der Stadt Sursee nahe beieinander. Trotzdem lässt sich die Stadt­entwicklung nicht mehr leicht ablesen.

Rainer Rickenbach
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Die Bürgerhäuser aus der Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert sind an der Bahnhofstrasse dem modernen Snozzi-Bau gewichen. (Bild: Bruno Meier)

Die Bürgerhäuser aus der Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert sind an der Bahnhofstrasse dem modernen Snozzi-Bau gewichen. (Bild: Bruno Meier)

Der Snozzi-Bau heute. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Der Snozzi-Bau heute. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Im vordersten Haus auf dem alten Bild von 1979 war ein Woll- und Teppichknüpfereiladen beheimatet. Das Haus links davon war in Sursee unter der Bezeichnung «Käppeli-Haus» ein Begriff. Dort waren in der Zeit vor der Bildaufnahme die Ärztefamilien Käppeli zu Hause. Das dritte Haus, das auf diesem Teil der Surseer Bahnhofstrasse zu erkennen ist, beherbergt die Confiserie und das Café Surchat – zumindest daran hat sich bis heute nichts geändert.

Snozzi-Bau: Privater sprang ein

Um die Jahrtausendwende wich mit dem Käppeli-Haus, dem Woll- und Teppichknüpferei-Laden und weiteren fünf Häusern ein ganzes Quartier einem modernen, prägnanten Gebäude (aktuelles Bild). Der Neubau des bekannten Tessiner Architekten Luigi Snozzi bildet heute ein Scharnier zwischen Alt- und Neustadt und hätte eigentlich die Stadtverwaltung beherbergen sollen. Die Stimmberechtigten von Sursee lehnten jedoch 1998 die Finanzierung durch öffentliche Gelder ab. Ein privater Investor realisierte später das Gebäude, in dem sich heute Post, Bank, Geschäfte, Büros und im obersten Stockwerk Wohnungen befinden.

Stadthaus ohne Stadtregierung

Der Name Stadthof ist freilich trotz des Bürgervetos geblieben. Die Stadtverwaltung hat inzwischen ihren neuen Platz direkt gegenüber dem Snozzi-Bau gefunden. Wie ein Fels in der Brandung ist im Hintergrund das Untertor erkennbar, inzwischen renoviert. Der westliche Zugang zum alten Stadtteil ist heute verkehrsfrei. Bis zur Autobahneröffnung in den 1970er-Jahren zwängte sich der ganze Nord-Süd-Verkehr durch dieses verkehrstechnische Nadelöhr. «Der Neubau bereitet mir keine Mühe, und auch den grossen Platz davor finde ich interessant. Schade ist nur, dass dieser freie Raum im Alltag fast leblos und unbenutzt ist», sagt der Surseer Berufsfotograf Bruno Meier. Von ihm stammt unsere Aufnahme aus dem Jahr 1979.

Entwicklung des Landzentrums

Er hat die Entwicklung des boomenden Zentrums der Luzerner Landschaft auf zahlreichen Bildern festgehalten. Eine Auswahl davon lässt sich zurzeit in der Ausstellung «Sursee im Umbruch» im Museum Sankturbanhof in Sursee betrachten (siehe Hinweis). Die Bilder machen deutlich, wie stark die schnelle Entwicklung Sursees in den zurückliegenden paar Jahrzehnten einschneidende Folgen mit sich brachte. Die Meinungen dazu mögen auseinandergehen, jedenfalls ist die Stadt vor elf Jahren mit dem Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichnet worden.

Ein missratenes Beispiel findet Bruno Meier indes den Liftturm mit den Werbetafeln, der zur unterirdischen Garage führt (am linken Bildrand erkennbar). Meier: «Er bildet auf dem grosszügig angelegten Platz einen Störfaktor und beeinträchtigt den Blickkontakt zwischen dem Untertor und der ‹Chrüzli›-Kapelle.»

Geschichte muss erkennbar sein

Als Fotograf, der Sursees Entwicklung seit vielen Jahren bildlich dokumentiert, hat Bruno Meier seine eigenen städtebaulichen Vorstellungen entwickelt. «Meine Idealvorstellung ist eine Stadt, deren Entwicklung sich an ihren Gebäuden ablesen lässt. In Sursee steht der mittelalterliche Stadtkern im Mittelpunkt, dazu wird Sorge getragen. Von den Bürgerhäusern aus der Wendezeit vom 19. bis zum 20. Jahrhundert sind aber leider viele verschwunden», bedauert Meier. Er hätte es besser gefunden, bestehende Baulücken schneller und besser zu schliessen und Industriebrachen rechtzeitig umzunutzen. «Die gezieltere Nutzung der zentral gelegenen Freiflächen hätte der Zersiedelung entgegengewirkt,» ist der Berufsfotograf überzeugt.

Hinweis

Die Ausstellung «Sursee im Umbruch» von Bruno Meier ist bis 31. August im Museum Sankturbanhof in Sursee zu sehen. Sie ist von Mittwoch bis Freitag jeweils von 14 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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