SURSEE: Muri: «Für mich ist jede Uhr beseelt»

Obwohl in der Josef Muri AG vor allem alte Uhren geflickt werden, steht die Zeit an der Surseer Glockenstrasse nie still. Sie muss manchmal einfach neu gerichtet werden.

Daniel Schriber (text) und Pius Amrein (bilder)
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Sollten Sie bis zum Lesen dieses Artikels nicht daran gedacht haben, wird es jetzt höchste Zeit, Ihre Uhren um eine Stunde zurückzustellen. Denn auch wenn die milden Temperaturen der vergangenen Tage etwas anderes vermuten lassen: Es ist Winterzeit!

Einer, der das garantiert nicht vergessen hat, ist Stefan Muri, Geschäftsführer der Jakob Muri AG in Sursee. Seit der heute 51-Jährige denken kann, ist er von Uhren umgeben. Sein Vater Jakob hat 1956 das Familienunternehmen gegründet. Seither ist der Betrieb, der heute an der Glockenstrasse (!) 1 in Sursee steht, stetig gewachsen und weitherum bekannt.

Kreative Tüftler

Nachdem die Firma früher selber Uhren entwickelt und einige Pionierleistungen vollbracht hatte – so etwa 1978 mit der Entwicklung und Herstellung der ersten vollelektronischen funküberwachten Turm-Hauptuhr –, konzentriert sich Muri heute vor allem darauf, historische Turmuhren und Glocken zu bewahren und zu pflegen.

Elektriker, Mechaniker, Schlosser, Elektroniker, Ingenieure: Rund 20 Fachleute arbeiten im Betrieb an der Glockenstrasse. «Bei uns sind Allrounder gefragt», sagt Muri. Denn in dieser Branche könne man nicht einfach einen Ordner aufschlagen und das gerade benötigte Ersatzteil bestellen. «Meistens gibts keine Ersatzteile mehr, deshalb müssen wir oft improvisieren und tüfteln», so Muri. Der perfekte Mitarbeiter ist für ihn folgender: «Jeder kennt doch jemanden, der alles reparieren kann. Vom Velo des Nachbarssohns über den heimischen Computer bis zum Schrank, der klemmt. Genau solche Leute brauchen wir hier.» Das Wichtigste sei aber die Faszination für die Uhren, die Freude an der Sache, das Leuchten in den Augen.

«Es klingt vielleicht etwas esoterisch, aber für mich ist jede Uhr beseelt.» Wenn Stefan Muri von seinen Uhren erzählt, ist er fast nicht zu stoppen. Ausser er wird durch Glockengeläut unterbrochen – wie just in diesem Moment. Es ist Muris Klingelton auf dem Handy. War ja klar. Sogar in seiner heimischer Stube steht eine kleine Turmuhr, wie er verrät. «Allerdings ohne Glocken.»

Dann führt uns der Chef durch seinen Betrieb. Aus der ganzen Schweiz und teilweise sogar aus dem Ausland melden sich Leute, die ein altes Zifferblatt oder ein Glockengeläut zu reparieren haben. Dies, weil es nur noch ganz wenige Unternehmen gibt, die sich um die zum Teil mehrere hundert Jahre alten Uhrwerke kümmern. Zurzeit arbeiten Muris Handwerker am letzten Schiff bei einem Turmuhrwerk der reformierten Kirche von Freiburg. Die Uhr lief nicht mehr, weil sich im wahrsten Sinne des Wortes Sand im Getriebe befand. Der 26-jährige Jeremias Wicki aus Werthenstein hat die letzten Wochen damit verbracht, die Uhr auseinanderzunehmen, sämtliche Teile zu reinigen, verschiedene Reparaturen vorzunehmen und das ganze Werk schliesslich frisch zu lackieren. «Eine ganz schöne Büez», so Wicki, der in seiner Freizeit gerne an Oldtimern rumschraubt. «Aber eine, die Freude bereitet.» Derzeit befindet sich die eindrückliche Mechanik im Testbetrieb. «Wir lassen sie mehrere Wochen laufen, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich richtig läuft», erklärt Muri. Anschliessend wird sie zurück nach Freiburg gebracht, wo sie künftig regelmässig gewartet werden soll.

Gibts bald ein Uhrenmuseum?

Stefan Muri sieht es als seine Aufgabe, die alten Uhren kommenden Generationen zu erhalten. Er spricht in diesem Zusammenhang von Kulturgütern «von nationalem und internationalem Wert» und sagt: «Es wäre schön, sie interessierten Personen in einem Raum zugänglich zu machen. «Kein totes Museum», wie er betont. Interaktiv und lebendig soll es sein. «So wie die Uhren.»

Es ist kurz vor vier Uhr nachmittags. Nach dem Rundgang durch seinen Betrieb führt uns Stefan Muri zum Ausgang. Mit einem freundlichen Händedruck verabschiedet er sich und sagt: «E gueti Ziit!»