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SURSEE: Ohne Kultur könnte er nicht sein

Konrad Lienert (78) erhält den Kulturpreis 2014 der Stadt. Mit seinen zahlreichen Projekten hat er Sursees Kulturangebot geprägt.
Roseline Troxler
Konrad Lienert vor dem Museum Sankturbanhof in Sursee. Dessen Entstehung hat er als Projektleiter massgeblich beeinflusst. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Konrad Lienert vor dem Museum Sankturbanhof in Sursee. Dessen Entstehung hat er als Projektleiter massgeblich beeinflusst. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Konrad Rudolf Lienert (78) ist durch und durch «Soorser». Seit seinem zweiten Lebensjahr wohnt er mit ein paar Unterbrechungen in der Stadt, deren kulturelles Angebot er seit vielen Jahren mitgeprägt hat. So organisiert er etwa die Stadtgespräche und die historische Vortragsreihe Sursee, gründete den Verein Historia viva mit und initiierte zahlreiche weitere Projekte. Dafür erhält Lienert von der Stadt Sursee den Kulturpreis 2014.

Gemischte Gefühle als Preisträger

Der Preis hat beim ehemaligen Journalisten gemischte Gefühle ausgelöst. «Es tut gut, wenn ich von Bekannten spontane Gratulationen zum Kulturpreis erhalte.» Der Preis bedeute ihm aufgrund der Verbundenheit zu Sursee viel. Auf der anderen Seite habe die Auszeichnung bei ihm auch zu einem kritischen Hinterfragen und Bilanzieren des eigenen Schaffens geführt. Für den Vater dreier erwachsener Kinder ist die Kultur «la raison d’être», Berechtigung für das eigene Sein. «Sie ist für mich sehr stark mit der Sinnfrage verknüpft.» Die Kultur habe einen Bildungsauftrag, dafür zu sensibilisieren, nicht einfach in den Tag hineinzuleben.

Das kulturelle Angebot in Sursee hat sich in den letzten Jahren deutlich entwickelt, so Lienert. «Vor zwanzig Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass Bob Dylan nach Sursee kommt.» Vor allem die Eventkultur habe enorm zugenommen. Hier stelle sich die Frage, wo Kultur beginnt und wo sie aufhört. Doch auch die Angebote abseits der Eventkultur hätten laut Konrad Lienert nicht eingebüsst. Er zählt unter anderem die Operette auf, das Somehuus, den Kinoklub oder die Sempachersee-Konzerte.

Grossvaters Glockengeläut

Der Kulturpreisträger sagt zu seinen diversen Projekten: «An Fantasie hat es mir nie gefehlt. Schwieriger war es jeweils, an einem Projekt so lange festzuhalten, bis es realisiert werden konnte.»

Schon in der frühen Kindheit wurde Konrad Lienerts Interesse für die Kultur geweckt. Sein Grossvater war während fünfzig Jahren in Sursee Musikdirektor. «Die Musik hat mich von Beginn an fasziniert, sie wurde mir nie aufgezwängt.» Sein Grossvater, der auch Glockenexperte war, hat 1922 die Tonfolge des Geläutes in Sursee festgelegt. So klingt es bis heute. «Zu Hause habe ich auf dem Klavier versucht, die Töne nachzuspielen und habe herausgefunden, dass es sich dabei um die schwarzen Tasten handelt.» So überrascht es nicht, dass Lienert nach der Matur in Luzern ein Musikstudium in Basel und Zürich absolvierte. 1959 machte er das Klavierdiplom. Es folgte eine Dirigentenausbildung in Berlin. Danach zog es Lienert zurück in die Heimat, wo er am Internationalen Opernstudio in Zürich und als Korrepetitor am Stadttheater in Luzern gearbeitet hat. Es folgten sechs Jahre als Musikdirektor in Stans.

1970 schliesslich zog es Konrad Lienert in den Journalismus. Nach einigen Jahren im Ressort Lokales beim «Tages-Anzeiger» in Zürich wechselte er ins Kulturressort. Lienert pendelte jahrelang nach Zürich. «Es hatte für mich immer wieder einen frischen Reiz, zurück nach Sursee zu kommen. So nahm ich beide Städte, die grosse wie die kleine, stets aus neuen Perspektiven wahr.» Eigentlich hätte er für seine Arbeit nach Zürich ziehen müssen. Doch Lienert handelte einen Deal aus: «Ich habe gesagt, ich werde nach Zürich ziehen, wenn die anderen Redaktoren mir nachweisen können, dass ich etwas verpasst habe.»

Nach seiner Pensionierung beim «Tages-Anzeiger» hat Lienert als Projektleiter die Sanierung des Sankturbanhofs in Sursee mitgeprägt. Der historische Bau wird nun als Museum geführt, das sich neben gesellschaftlichen Themen auch der aktuellen Kunst widmet. «Es ist schön zu sehen, dass der Sankturbanhof für die Soorser zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist.» Für die Sanierung des Sankturbanhofs hat Konrad Lienert den Verein Historia viva mitgegründet, der das Haus unterstützte, insbesondere auch auf der politischen Ebene. Seit der erfolgreichen Eröffnung führt der Verein seine Aktivitäten auch mit anderen Projekten weiter. Im nächsten Jahr feiert er sein zehnjähriges Jubiläum. Historia viva zählt gut 200 Mitglieder.

Junge für Kultur gewinnen

Die Geschichte Sursees fasziniert Lienert immer wieder von neuem. Seine Frau Heidi macht seit mehreren Jahren Stadtführungen. «Deshalb ist die Entwicklung Sursees bei uns ein permanentes Thema.» Ausser Klatsch gibt es kaum etwas, das den Journalisten nicht interessiert, was sich auch an seiner stattlichen Bibliothek zeigt.

In den nächsten Jahren möchte der Kulturpreisträger vor allem dafür sorgen, dass die initiierten Projekte auch in Zukunft gut weitergeführt werden – und «junge Menschen vermehrt die Distanz zur Kultur verlieren». 2010 führte er das Projekt «Frühling 2030» mit Jugendlichen der Region durch, die dort ihre Visionen für die Zukunft entwickelten.

Hinweis

Der Kulturpreis wird anlässlich des «Guet Johr» am Mittwoch 1. Januar, um 17 Uhr verliehen. Der Anlass findet im Stadttheater in Sursee statt.

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