SURSEE: Otto: «Den Emil bewundere ich sehr»

Morgen ist Otto Waalkes zu Besuch in Sursee. Im Interview redet der Ostfriese über die Schweiz, seine Fans – und über Emil.

Thomas Heer
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Otto tritt am Sonntagabend in der Stadthalle Sursee auf. (Bild Peter Hönnemann)

Otto tritt am Sonntagabend in der Stadthalle Sursee auf. (Bild Peter Hönnemann)

«Otto will allen gefallen. Er ist erst zufrieden, wenn sein Gegenüber es auch ist. Sitzt er mit ein paar Leuten im Restaurant, fängt er sofort an, aus Servietten Figuren zu knoten. Auch vom reserviertesten Oberkellner lässt er erst ab, wenn er ihm ein Schmunzeln entlockt hat.» Diese Aussage machte Bernd Eilert, einer von Ottos ältesten Freunden, gegenüber dem «Spiegel» im vergangenen Juli. Der Bühnen-Otto kann auch im privaten Leben sein komisches Gewand nicht abstreifen.

Otto, einer der grössten und erfolgreichsten Unterhalter im deutschsprachigen Raum, hat wie die meisten grossen Stars in Deutschland, ein effizientes Management um sich geschart. Otto hatte eigentlich vor, während seiner aktuellen Grosstournee durch 73 Städte, keine Interviews zu geben. Doch offensichtlich hat Otto seine Entourage soweit gebracht, dass Anfragen trotzdem zu ihm durchgereicht werden. Otto, der keine Menschen enttäuschen will, beantwortete unsere Fragen schriftlich.

Otto Waalkes, die Schweizer mögen Witze über die Österreicher. Können Sie uns einen über die Schweizer erzählen?

Otto: Ich bin ja gerad noch in Österreich unterwegs, da hab ich einen gehört, über die Herkunft des «Ötzi»: Österreicher kann er nicht sein, man hat Hirn gefunden. Italiener kann er auch keiner sein, er hatte Werkzeug dabei. Vielleicht ist er ein Schweizer, weil er vom Gletscher überholt wurde. Aber wahrscheinlich ist er Deutscher, denn wer geht sonst mit Sandalen ins Hochgebirge?

Welchen Bezug haben Sie zur Schweiz?

Otto: Genau wie es das Plus-Zeichen auf der Schweizer Fahne andeutet, wird unser Verhältnis immer besser und enger. Als wäre ich beim Rütlischwur dabei gewesen.

Am gleichen Abend wie Sie tritt auch Emil in Sursee auf. Gab es in der Vergangenheit Berührungspunkte mit dem Schweizer Komiker?

Otto: Was? Emil ist auch in Sursee? Den bewundere ich sehr – einmal durfte ich ihm sogar einen Preis verleihen, den Göttinger Elch!

Gemäss unserem Korrespondenten in Berlin befindet sich das Image der Schweizer in Deutschland nicht gerade in einem Hoch. Wie sehen Sie das?

Otto: Wenn überhaupt, gilt das nur für die Banken – aber die haben alle grad ein Imageproblem, fürchte ich.

Sie begannen Ihre Karriere als Musiker und coverten unter anderem den Babysitter-Boogie von Ralf Bendix. Herr Bendix liegt derzeit in einem Pflegeheim in der Zentralschweiz, wo ihn auch Heino nach langer Suche besuchen konnte. Wissen Sie etwas über das Schicksal von Ralf Bendix?

Otto: Das, was Sie mir gerade mitteilen, ist mir neu: Natürlich wünsche ich ihm alles Gute – mir hat er Glück gebracht.

Angry Anderson von den Rose Tattoo sagte mir mal, ein wichtiger Grund, weshalb er in seinen Jugendjahren als Sänger auf die Bühne stieg, sei gewesen, Mädchen kennen zu lernen. War das bei Ihnen und den Rustlers ähnlich?

Otto: Sehr ähnlich, muss ich zugeben. Ich bin nicht nur auf die Bühne, sondern dort auch noch auf eine Apfelsinenkiste gestiegen, um grösser und attraktiver zu wirken.

Wären Sie gerne ein erfolgreicher Rockmusiker geworden? Immerhin spielten Sie mit Ihrer Band Beatles-Songs.

Otto: Tja, meine Rustlers waren halt keine Beatles, und bei mir hats nur zum Komiker gereicht. Aber ich kann damit leben.

Sie wuchsen in einer Familie gläubiger Baptisten auf. War die Musik eine Möglichkeit, dieser Welt zu ent­fliehen?

Otto: Fluchtgedanken hatte ich gar nicht, ich habe die heile Welt geliebt. Aber ich muss zugeben, das Entsetzen, das manche meiner Scherze ausgelöst hat, war nicht ganz ohne Reiz.

Sie bewundern Woody Allen. Was ist kurz gesagt der Unterschied zwischen Ihnen und Allen?

Otto: Woody Allen ist ein jüdischer Intellektueller – ich bin ein ostfriesischer Blödel. Ausserdem spielt er Klarinette.

Ihnen wird nachgesagt, ein inniges Verhältnis zu Ihren Fans zu haben. Können Sie uns ein Beispiel einer Begebenheit nennen, die Sie besonders berührte?

Otto: Ich bin ein Komiker zum Anfassen. Und wenn ich beim Autogrammegeben nach der Show sehe, dass ich manchem – vom Bodybuilder bis zur Rollstuhlfahrerin – etwas Spass bereitet habe, dann berührt mich das immer wieder.

Sie haben auch auf Kinder eine grosse Ausstrahlung. Muss man sich eine gewisse Kindlichkeit bewahren, um als Künstler erfolgreich zu sein?

Otto: Ich fürchte, Kinder sind unbestechlich: Die merken, dass ich immer noch eins von ihnen bin.

Unser ehemaliger Coach der Fussballnati, Köbi Kuhn, war sehr beliebt. Viele sprachen ihn mit Köbi an, was ihn mitunter etwas störte. Geht es Ihnen ähnlich, wenn die Leute auf der Strasse einfach Otto rufen?

Otto: Nein, das geht mir anders: Wenn man mich mit Herr Waalkes anreden würde, dann wüsste ich: Jetzt bin ich doch noch erwachsen geworden.

Sie sind 65-jährig und absolvieren auf der aktuellen Tour über 70 Auftritte. Haben Sie einen Zaubertrank?

Otto: Oja, der heisst Kamillentee – manchmal mit Schuss.

Hinweis

Sonntag, 18.07 Uhr (Türöffnung 17.07 Uhr), Sursee, Stadthalle. www.ticketcorner.ch