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SURSEE: «Politisches Gewissen» des Rats tritt ab

Stadtschreiber Godi Marbach (51) verlässt die Verwaltung und wechselt in die Privatwirtschaft. In seiner 14-jährigen Tätigkeit hat ihn vor allem ein Projekt markant geprägt.
Ernesto Piazza
Steht künftig weniger in der Öffentlichkeit: Stadtschreiber Godi Marbach, fotografiert im Stadthaus. (Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 4. August 2017))

Steht künftig weniger in der Öffentlichkeit: Stadtschreiber Godi Marbach, fotografiert im Stadthaus. (Bild: Corinne Glanzmann (Sursee, 4. August 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Ein Bild an der Wand seines Büros hat für Godi Marbach Symbolcharakter. Wenn er an seinem Arbeitsplatz im Surseer Stadthaus sitze, schweife sein Blick oft dorthin, sagt er. Es zeigt eine Mutter mit ihren fünf Kindern. Vier sind eng bei ihr, eines steht – so, als ob es nicht dazugehörte – einige Meter abseits.

Unterschiedliche Meinungen zusammenführen, einen stimmigen Konsens finden: Während 14 Jahren war es dem Surseer Stadtschreiber stets ein Anliegen, «die Balance nicht zu verlieren». Zwar hart in der Sache, habe er stets versucht, nicht nur politische Prozesse zu begleiten. «Ich wollte zugleich den Präferenzen aus der Wirtschaft Rechnung tragen.» Zudem wirkte das «politische Gewissen» als Bindeglied zwischen dem strategisch arbeitenden Stadtrat und der operativ tätigen Verwaltung. «Das war für mich ein spannender Rollenwechsel, der Loyalität verlangte.»

Per 1. September wechselt Godi Marbach nun in die Privatwirtschaft. Er tritt in Luzern im Treuhandbereich eine neue berufliche Herausforderung an.

Stadthausbau als «grösste Herausforderung»

Der 51-Jährige hat das Gemeindeschreiber- und das Notariatspatent. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne, die zur Schule gehen. In Willisau aufgewachsen, arbeitete Marbach nach einer kurzen Zeit in der Privatwirtschaft anschliessend 14 Jahre auf der Verwaltung in Kriens, zuletzt als Gemeindeschreiber-Stellvertreter. Im September 2002 kam er in einer Zeit nach Sursee, als die einzelnen Verwaltungsabteilungen noch dezentral in verschiedenen Liegenschaften verstreut waren. Die Stadtratssitzungen fanden beispielsweise im Rathaus in der Altstadt statt.

Es vergingen sieben Jahre, bis das jetzige Gebäude, wo auch die Stadtverwaltung ihren Sitz hat, realisiert war. Diese Phase strapazierte des Öftern den Geduldsfaden des Machers. Er verrät: «Diese Tugend gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken.» Aber Marbach sagt auch, er habe stark an diesem Projekt mitgerissen. Dank seiner Beziehungen gibt es heute im Erdgeschoss ein Restaurant.

Den Bau bezeichnet er als «grösste Herausforderung» in seiner Zeit als Surseer Stadtschreiber. Es habe massiven Widerstand gegeben, und es sei auch auf die Person «geschossen» worden. «Nicht nur einmal bin ich schlecht eingeschlafen und hatte deswegen feuchte Augen.» Hier zeigt sich eine andere Seite von Marbach. Er geht nicht nur zielstrebig und motiviert die Dinge an, eine sensible, feinfühlige Ader gehört ebenfalls zu ihm.

Der Stadtschreiber stand auch mit an vorderster Front, als 2012 das Fusionsprojekt mit Mauensee, Geuensee und Knutwil abgebrochen wurde. «Dieser Entscheid hat lange nachgewirkt.» Er habe gemerkt, wie ein Graben aufgebrochen sei, wie man sich gegen Sursee stemmte. «Der Fehler war, dass zu Beginn die «No-Gos» nicht definiert wurden», blickt er kritisch zurück. Marbach sieht diese Verhandlungen aber auch als «sehr lehrreichen Prozess». Wobei er sich nicht vorstellen kann, dass in absehbarer Zeit «erneut ein Anlauf für eine Fusion genommen wird».

Von September 2000 bis Ende 2012 war Ruedi Amrein «Stapi» von Sursee. Er führte den Stadtschreiber nicht nur in sein Amt ein, «ich sehe ihn als ‹meinen Stadtvater›». Sie hätten allerdings auch «laut miteinander diskutiert». Das Ziel sei aber immer gewesen, die Gespräche positiv im Sinne der Stadt zu führen.

Die Ansiedlung von Firmen gehörte zu Marbachs Steckenpferden. Ihm lag aber auch die Schaffung von neuem Wohnraum am Herzen. Die Überbauung Leopold und das Projekt Dreiklang an der Bahnhofstrasse sind nur zwei Beispiele. In Letzterem bezieht die Luzerner Kantonalbank künftig ihre Büroräumlichkeiten. Den Vierherrenplatz begleitete er ebenfalls aktiv. Bei der Bevöl­kerung stehe er zwar teilweise in ­­der Kritik, sagt Marbach. «Doch ­die Surseer bieten immer Hand, wenn man den Sachverhalt genau und korrekt erklärt.»

Während Marbachs Zeit ist Sursee um rund 1600 auf etwa 9700 Einwohner gewachsen. 13 000 Arbeitsplätze sind vorhanden. «Täglich muss die Stadt für zirka 20 000 Personen die Infrastruktur zur Verfügung stellen», sagt er mit Blick auf Sursees Zentrumsfunktion. Dass diese Situation Mehrverkehr mit sich ziehe, gebe es nicht wegzudiskutieren. «Man muss sich aber bewusst sein: Deren Spitzen sind vor allem zu Rushhour-Zeiten.»

In den nächsten Jahren kommen grosse Investitionen auf die Stadt zu. Erschwinglicher Wohnraum wird zunehmend ein Thema. Zudem plagt Sursee ein strukturelles Defizit. Marbach sagt dazu: «Die Stadt muss die Balance finden, um zu realisieren, was sinnvoll und machbar ist. Doch sie steht auf einem soliden Fundament.»

Jetzt packt er nochmals etwas Neues an. Künftig wird er nicht mehr im öffentlichen Rampenlicht stehen. «Darauf freue ich mich.» Die Mitarbeitenden würden ihm hingegen fehlen. Das politische Kribbeln, etwas mitzugestalten, ebenfalls. Doch er ist gespannt, was kommt. Gemeinden begleiten ihn jedenfalls weiter. Ob beim Support für Fachbereiche oder bei Projekten. Dem Nachfolger wünscht er, «in Sursee Bestehendes und die Weiterentwicklung im Gleichgewicht zu halten, die Schnittstellen zwischen Stadtrat und Verwaltung gut zu handeln». Sagt es, lächelt und steht auf. Der nächste Termin wartet: das Mittagessen mit einem Mann aus der Wirtschaft.

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