Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SURSEE: Saatzüchtern droht das Aus

Die Luzernische Saatzuchtgenossenschaft wird 100 Jahre alt. In Feierlaune sind ihre Mitglieder aber nicht – der Genossenschaft droht wegen der Schliessung der Annahmestelle Münchrüti sogar das Ende.
Stephan Santschi
Samenmarkt im Willisauer «Mohren»-Saal im Jahr 1921. (Bild: LSG/PD)

Samenmarkt im Willisauer «Mohren»-Saal im Jahr 1921. (Bild: LSG/PD)

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Was haben die Luzerner Saatzüchter im zurückliegenden Jahrhundert nicht alles erlebt: die Auswirkungen von Weltkriegen und Wirtschaftskrisen, Hagel und Schädlinge, den Abbau des Grenzschutzes, sinkende Preise und den Wegfall der staatlichen Unterstützung. Überstanden haben sie alles, dieses Jahr feiert die Luzernische Saatzuchtgenossenschaft (LSG) ihren 100. Geburtstag.

76 Produzenten bearbeiten heute eine Fläche von rund 400 Hektaren – das sind ungefähr 560 Fussballfelder. Angebaut wird Saatgut für Gerste, Weizen, Triticale (eine Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Dinkel sowie Pflanzgut für Kartoffeln. «Die LSG steht heute sehr gut da», bilanziert der Oberkircher Alois Müller, der als ehemaliger Geschäftsführer die Chronik zum 100-Jahr-Jubiläum mitverfasst hat.

Und doch schwebt da ein grosses Aber wie ein Damoklesschwert über den Luzerner Saatzüchtern. Ausgerechnet die Fenaco mit Hauptsitz in Bern, welche als genossenschaftlich organisiertes Unternehmen Saatgetreide und Pflanzgut kauft, aufbereitet und vermarktet, scheint sich nun gegen ihre Luzerner Produzenten zu richten. Die Annahmestelle Münchrüti in Sursee – dort also, wo die Luzerner und seit der Auflösung der Zuger Saatzuchtgenossenschaft auch die Zuger ihre Ernte abliefern – soll nach 2017 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. «Das würde kurz- oder mittelfristig den Tod der LSG bedeuten», bedauert Müller, der bis zu seiner Pension über 30 Jahre in der Saatgutbranche tätig war.

Zu wenig Ertrag – Investition in Sursee lohnt sich nicht

In Feierlaune sind sie derzeit also nicht, die Luzerner Saatzüchter. «Die Massnahme der Fenaco ist einschneidend», sagt LSG-Präsident Fredy Winiger aus Kleinwangen. Wo sollen die Produzenten ihre Erträge künftig hinbringen? Fenacos Idee: die Luzerner nach Lyssach bei Burgdorf, die Zuger ins Niederfeld in Winterthur. Josef Sommer, in der Geschäftsleitung für die Zentralschweiz zuständig, erklärt dies so: «Ich habe Verständnis für die Anliegen der Produzenten. In Sursee müsste nun aber eine Investition von 1,5 Millionen Franken in die Saatgutaufbereitung getätigt werden, weil die Mehrheit der Produktionsanlagen aus den 1970er- und den 1980er-Jahren stammt. Die 1700 Tonnen, die dort im Schnitt jährlich abgeliefert werden, rechtfertigen eine solche Investition nicht.» Sommer betont, dass man weiterhin an der Saatgutproduktion in Luzern und Zug interessiert sei und diese auch unterstütze. «Allerdings muss es sich wirtschaftlich lohnen. In Lyss­ach und Winterthur stehen topmoderne Saatgutaufbereitungsanlagen bereit. Und so weit entfernt ist das nun ja auch wieder nicht.»

Für kleine Produzenten problematisch

Fredy Winiger sieht das anders. Er verweist auf den Grossteil der Abnehmer (Landi, Lohnunternehmer), der aus der Region kommt. «Nach der Aufbereitung des Saatguts müsste man es deshalb wieder zurück in die Zentralschweiz karren.» Und er spricht über die Bauern mit kleinen Parzellen, zu denen mehr als zwei Drittel aller Saatgutproduzenten gehören würden: «Für sie ist der Transportweg schlicht zu lang. Solche Fahrten mit dem Traktor zu machen, ist blödsinnig. Das lohnt sich nur, wenn man eine Mulde mit 16 Tonnen Getreide füllen kann.» Ihm und seinen Kollegen stellt sich deshalb die Existenzfrage. So werden am nächsten Dienstag, wenn sich die LSG zu einer Versammlung trifft, folgende Zukunftsszenarien diskutiert:

  • Lohnt es sich, die Annahmestelle in Sursee selber, also durch die LSG, zu führen? Gibt die Versammlung grünes Licht, wird diese Variante ausgearbeitet.
  • Die Grossen machen mit, bringen ihre Ernte nach Lyssach und Winterthur und profitieren von einer teilweisen Übernahme der Transportkosten durch die Fenaco. Winiger: «Diese wird aber nur während fünf Jahren ausbezahlt. Die sind schnell vorbei, und was kommt dann?»
  • Die Kleinen ziehen sich zurück und produzieren künftig Brot-und Futtergetreide mit weniger Wertschöpfung, aber auch weniger Aufwand. Wenn das Getreide an eine dezentrale Landi-Annahmestelle geliefert würde, würde von der Fenaco während dreier Jahre eine Ausstiegsprämie bezahlt.
  • Fenaco tätigt in der Münchrüti eineTeilinvestition, wälzt die daraus entstehenden Kosten künftig aber als Annahme- und Transportgebühr auf die Produzenten ab. «Das kommt nicht in Frage, da zahlen wir unter dem Strich drauf», so Winiger.

«Fenaco geht nicht mehr auf einzelne Regionen ein»

Trotz der Optionen ist Winiger nicht zufrieden. «Die Argumentation der Fenaco ist für uns schwer nachvollziehbar. Sie ist mittlerweile so gross, dass sie nicht mehr auf die einzelnen Regionen einzugehen braucht. Der genossenschaftlich-solidarische Gedanke, der einst zur Gründung der LSG führte, vermag in Zeiten, in denen der wirtschaftliche Profit im Zentrum steht, nicht mehr zu bestehen.»

Josef Sommer von der Fenaco nimmt den Missmut zur Kenntnis, betont aber: «Klar, ist es für jene Produzenten ärgerlich, die bisher ihr Saatgut in Sursee abgeben konnten. Allerdings darf man die Realität nicht verkennen. Die Margen werden kleiner, der Druck grösser. Wir holen die Produzenten mit ins Boot und bieten ihnen verschiedene Lösungen für die Ernte 2018 an.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.