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SURSEE: Sogar die Nasa hörte ihm zu

Welchen Einfluss hat die Umwelt auf die Züge der Vögel? Dieser Frage widmet Bruno Bruderer (75) sein neues Buch. Aber zu erzählen hat der renommierte Ornithologe noch viel mehr.
Stephan Santschi
Bruno Bruderer (75) bei sich zu Hause mit seinem neusten Buch. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 7. April 2017))

Bruno Bruderer (75) bei sich zu Hause mit seinem neusten Buch. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 7. April 2017))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Ja, es ist ein Lebenswerk.» Bruno Bruderer sitzt am Esszimmertisch seiner Wohnung in Sursee, vor ihm liegt ein Buch mit dem Titel «Vogelzug: eine schweizerische Perspektive». Darin resümiert er auf 264 Seiten die letzten 50 Jahre, die er den Vögeln und ihrer Reise in den Süden gewidmet hat. «Ich betrachte es als persönlichen Rückblick und als Dank an alle, die zu dieser Forschungsarbeit beigetragen haben», sagt der emeritierte Professor der Biologie. 36 Jahre lang arbeitete er an der Vogelwarte in Sempach, seit seiner Pensionierung als Leiter der Vogelzugforschung 2006 hat er an der Publikation gearbeitet, die kürzlich erschienen ist.

Wo anfangen, wo aufhören? Zu erzählen gibt es viel über einen Mann, der seine Arbeit mit Herzblut gemacht hat. Für mehrere Monate reiste Bruno Bruderer nach Israel, Spanien und Mauretanien, mit seiner Frau Heidi verbrachte er sogar ein ganzes Jahr in Südafrika. «Beruf und Hobby, das war bei mir stets dasselbe», sagt er und lacht. Sein Interesse für die Natur hatten die Eltern auf Spaziergängen früh geweckt, seine Faszination für Vögel entstand auf Exkursionen mit einem Verwandten, der freiwilliger Mitarbeiter der Vogelwarte Sempach war.

Er selber hatte als Kind Wellensittiche zu Hause und päppelte auch mal angeschlagene Vögel auf. Mit 18 machte er die Beringungsprüfung, um im Anschluss an ersten Beobachtungsaktionen teilzunehmen. Früh kristallisierte sich dabei jene Frage heraus, die den heute 75-Jährigen während der gesamten Karriere beschäftigen sollte: «Wie beeinflusst die Umwelt die Vogelzüge?»

Bruderer nutzt Militärgerät für seine Forschungen

Seine Forschungsmethode machte ihn zu einem Pionier. Bruderer nutzte ein militärisches Radargerät, das eigentlich der Luftverteidigung diente. Mit einem leidenschaftlichen Vortrag überzeugte er die Verantwortlichen der Herstellerfirma, ihm die sogenannte «Superfledermaus» auszuhändigen, wenn er sie benötigte. Und zwar kostenlos. Auch die anschliessende Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee sei sehr gut gewesen. So war Bruderer in der Lage, den Flügelschlag der Vögel durch Radarechos zu registrieren und diese bis auf vier Kilometer Distanz zu identifizieren. «Das war der Durchbruch und der Beginn einer Erfolgsgeschichte.» Sogar die Nasa interessierte sich für seine Arbeit, die US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft lud den jungen Ornithologen zu einem Vortrag ein.

Jedes Jahr ziehen Milliarden Vögel von Europa nach Afrika und wieder zurück, mittlerweile sind zahlreiche Geheimnisse dieses Vogelzugs gelüftet. Wie schaffen sie es, Tausende Kilometer zurückzulegen, Wind und Wetter zu trotzen und letztlich ihr Ziel zu finden? Weshalb tun sie das überhaupt? Vieles ist laut Bruderer im Verlauf der Evolution im Erbgut abgespeichert worden. «Die Tiere ziehen im Herbst gen Süden, weil ihnen hier im Winterhalbjahr die Nahrung ausgeht. Ein innerer Fahrplan sagt ihnen dabei, wann sie aufbrechen sollen, wohin die Reise geht und wann es Zeit ist, zurückzukehren.»

Auf ihrem Weg entlang der Alpen, über das Mittelmeer, die Iberische Halbinsel und schliesslich in die afrikanischen Savannen haben die Tiere viel Unbill zu ertragen. Gegenwind, Stürme und zu geringe Fettreserven können ihnen zum Verhängnis werden, vor allem die 2000 Kilometer lange Saharawüste erfordert einen Kraftakt. «Vor diesem Hindernis verweilen sie oft für eine Woche am selben Ort, um sich Treibstoff anzufuttern. Dabei können sie ihr Gewicht nahezu verdoppeln», erzählt Bruderer und führt aus: «Während Störche, Kraniche und Gänse in Familienverbänden fliegen, sind die Singvögel von klein auf alleine unterwegs. Viele kommen während ihres ersten Zugs ums Leben.»

Das besondere Leben im Busch von Südafrika

Auf seinen Forschungsreisen stiess Bruderer immer wieder auf spezielle Begleitumstände. In Mauretanien machten ihm die Hitze und das Leben in den Beduinenzelten nichts aus. Gewöhnungsbedürftiger aber war die von der Regierung aufgebotene Infanterie an der Grenze zu Mali zum persönlichen Schutz wegen Entführungsgefahr. Ein andermal schwemmte ein Regensturm das gesamte Camp weg.

Wenn Bruno Bruderer vom schönsten Jahr seines Lebens spricht, meint er aber das Sabbatjahr mit seiner Frau im Busch von Südafrika. Ein einfaches Häuschen ohne Strom und Telefon, der nächste Nachbar 5 Kilometer entfernt, die nächste Einkaufsgelegenheit 20 Kilometer – «fantastisch, dieses Leben mitten in der Natur. Vermisst haben wir nichts, sogar vom Mauerfall in Berlin haben wir nichts mitbekommen», sagt Heidi Bruderer, die mit Bruno ihren Lieblingsvogel, den Neuntöter, in dessen Winterquartier beobachtet hatte.

Was kommt nun? Ein weiteres Buch? «Nein», sagt Bruno Bruderer, der Abschluss dieses Werks sei wie eine zweite Pension, und dabei solle es bleiben. Ganz lassen kann es der Vater von zwei erwachsenen Söhnen aber nicht, zwei kleinere Publikationen seien derzeit in Bearbeitung. Und dann gebe es noch viele Dias von seinen Forschungsreisen zu sortieren und zu digitalisieren. Weitere Zeugnisse seines Lebenswerks.

Hinweis

Das Buch kann für 30 Franken bei der Schweizerischen Vogelwarte, Seerose 1, 6204 Sempach, oder per E-Mail über info@vogelwarte.ch bezogen werden.

Bruno Bruderer, pensionierter Leiter der Vogelwarte Sursee (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

Bruno Bruderer, pensionierter Leiter der Vogelwarte Sursee (Bild: Pius Amrein/Luzerner Zeitung)

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