SURSEE: Stadtcafé zählt zu den schönsten

Der Schweizer Heimatschutz hat eine Broschüre mit den 74 schönsten Cafés der Schweiz herausgegeben. Darunter auch einige aus der Zentralschweiz.

Roseline Troxler
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Der Schweizer Heimatschutz würdigt das Stadtcafé in Sursee. Im Bild: Geschäftsführerin und Teilhaberin Ursula Koller im Stadtcafé. (Bild: Pius Amrein)

Der Schweizer Heimatschutz würdigt das Stadtcafé in Sursee. Im Bild: Geschäftsführerin und Teilhaberin Ursula Koller im Stadtcafé. (Bild: Pius Amrein)

Der Schweizer Heimatschutz zählt das Stadtcafé Sursee zu den schönsten Cafés der Schweiz. In einer neu herausgegebenen Broschüre wurde es nebst 73 weiteren Lokalen abgebildet (siehe Box).

Das Stadtcafé im ehemaligen Kleidergeschäft Heimann lockt mitten im Städtli Sursee seit 13 Jahren Einwohner wie auch Auswärtige an. Die Architektur der 50er-Jahre, das schlichte Interieur und die grossen Fenster, die den Besuchern den Blick auf das Geschehen im Städtli ermöglichen, machen das urbane Café zu einem aussergewöhnlichen Lokal.

«Fensterfront ist unser Kapital»

Bei der Eröffnung vor 13 Jahren zweifelten die Surseer noch am Erfolg. Das Café wurde wegen seiner markanten Fensterfront als «Aquarium» bezeichnet. Geschäftsführerin Ursula Koller schmunzelt und sagt: «Heute ist die Fensterfront unser Kapital.» Weitere Erfolgspfeiler seien die Lage, die Atmosphäre des früheren Modehauses, die Qualität des Kaffees und der gute Service der zwanzig Mitarbeiter. «Kaffeetrinken kann man heute überall. Daher müssen wir den Gästen mehr bieten», erzählt Koller.

Kurt Heimann, Vermieter des Lokals, sagt zum Erfolg des Stadtcafés: «Es spricht ein bunt durchmischtes Publikum an.» Bauarbeiter, Mütter mit Kleinkindern, Geschäftsmänner, Menschen aus dem Altersheim und Studenten seien anzutreffen. «Die grossen Tische laden zu engagierten Diskussionen ein.» Heimann lässt seinen Blick umherschweifen und erzählt mit leuchtenden Augen: «Im Stadtcafé sitzt niemand gelangweilt da.»

Modernes und urbanes Café

Ursula Koller und Kurt Heimann sind gerührt und sehr stolz, dass ihr Stadtcafé in der Publikation des Heimatschutzes aufgeführt wird. «Wir haben uns nicht dafür beworben. Daher bewegt es uns umso mehr, dass der Heimatschutz auf uns aufmerksam wurde.»

Lorenz Hubacher, Schweizer Heimatschutz, sagt zur Wahl des Stadtcafés: «Das Lokal erlebte eine interessante Entwicklung, und das Stadtcafé zeigt, dass das Konzept eines modernen und urbanen Cafés auch in einer kleinen Stadt funktioniert.» Das Stadtcafé ist auch ein Kulturcafé. Es finden Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Konzerte statt. Fast 200 Veranstaltungen wurden im Stadtcafé bisher durchgeführt. Kurt Heimann sagt: «Das Stadtcafé bereichert die Kulturszene von Sursee. Kultur gehört vor allem aber auch zur Leidenschaft der Geschäftsführung.» Es mache stolz, wenn Künstler wie Emil im Stadtcafé auftreten. «Das Kulturangebot zieht zwar neue Gäste an, der geschäftliche Gedanke bleibt jedoch im Hintergrund.»

Erfolg trotz steigender Konkurrenz

In den letzten Jahren wuchs die Konkurrenz des Stadtcafés. Im Städtli Sursee haben neue Lokale ihre Türen geöffnet. Doch Heimann sagt: «Trotz zunehmender Konkurrenz haben wir uns in den letzten Jahren sehr gut gehalten.» Es wurde stets investiert, beispielsweise in einen Schallschutz. Grosse Veränderungen gab es allerdings bewusst nicht. Kurt Heimann und Ursula Koller sagen zur Zukunft: «Das Stadtcafé bereitet uns enorm viel Freude, weshalb wir so weitermachen und gleichzeitig mit der Zeit gehen möchten.»

Die 74 schönsten Lokale

PROJEKTlm. Der Schweizer Heimatschutz hat in der ganzen Schweiz 200 Lokale besucht und die 74 schönsten Cafés und Tea-Rooms ausgewählt. Die Liste mit den 200 Cafés wurde mit Hilfe der lokalen Sektionen des Heimatschutzes zusammengestellt. Der Kunsthistoriker Lorenz Hubacher reiste mit einem Fotografen Kaffee trinkend durch die Schweiz und besuchte alle 200 Cafés und Tea-Rooms – von altehrwürdigen Lokalen bis zu trendigen Neubauten. Bei der Auswahl stand nicht das Gastronomische im Vordergrund. Lorenz Hubacher erklärt: «Unser Ziel war es nicht, einen Gastroführer herauszugeben.»

Auch Zug und Schwyz sind dabei

Der Heimatschutz wolle mit der Broschüre vielmehr für die Kaffeekultur sensibilisieren, den Wandel der Kultur aufzeigen und auf die Qualität der Räume hinweisen. So schreibt Lorenz Hubacher im Vorwort: «Cafés und Tea-Rooms sind Orte des Austausches, des Innehaltens und der entspannten Lektüre.» Die Publikation zeige, dass es sich lohne, sich dieser Räume bewusst zu werden und ihnen Sorge zu tragen. «Denn viele schöne Cafés sind vom Aussterben bedroht.» Wichtig für die Auswahl der Cafés seien ein interessantes Interieur, eine spannende Kaffeekultur, eine spezielle Geschichte oder die Originalität gewesen. Zudem achtete der Heimatschutz darauf, dass alle Regionen der Schweiz in der Publikation vertreten sind.

Nebst dem Stadtcafé Sursee sind weitere Zentralschweizer Lokale in der Publikation aufgeführt: das Salü (Luzern), das Seebistro Luz (Luzern), die Confiserie Speck (Zug) und das Café Haug (Schwyz).

Die Publikation «die schönsten Cafés und Tea-Rooms der Schweiz» kann auf der Website www.heimatschutz.ch für 16 Franken bestellt werden.