SURSEE: Städtli: Verkehr wird verbannt

Die Altstadt von Sursee ist von Mai bis im September am Samstagabend autofrei. Seit Jahren kämpfen Einwohner für ein Wochenend-Fahrverbot.

Roseline Troxler
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Ab kommendem Samstag tritt das lang umkämpfte Wochenend-Fahrverbot definitiv in Kraft. (Bild Pius Amrein)

Ab kommendem Samstag tritt das lang umkämpfte Wochenend-Fahrverbot definitiv in Kraft. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

Ohne Motorenlärm draussen im Städtli einen Kaffee geniessen oder durch die Altstadt schlendern, ohne ständig Autos auszuweichen. Dies ist in der Surseer Altstadt in wenigen Tagen möglich – zumindest am Wochenende. Am kommenden startet das Wochen­end-Fahrverbot. Jeweils vom Samstagnachmittag ab 17 Uhr bis am Montag um 6 Uhr dürfen Autos, Lastwagen, Motorräder oder auch Töffli nicht durchs Städtli kurven. Das Wochenend-Fahrverbot gilt bis zum 30. September. Es bezieht sich auf die ganze Altstadt von Sursee.

Stadtpräsident Beat Leu (CVP) sagt: «Die vier Tore ins Städtli schliessen die Zone, in der das Fahrverbot gilt, ab.» Das Ziel ist es laut dem Stadtrat, das Städtli auch in den nächsten Jahren während der Sommermonate für den Verkehr zu schliessen. «Wir werden aber sicher zuerst im Herbst Bilanz ziehen und uns mit dem Quartierverein wie auch den Wirten austauschen», erklärt Beat Leu.

Pilotprojekt im Sommer 2009

Dem Fahrverbot für den motorisierten Verkehr geht ein jahrelanges Hin- und Her voraus. «Die Idee einer Sperrung der Altstadt für den Verkehr ist auf eine Gruppe regional interessierter Personen Sursee zurückzuführen, die vor knapp 25 Jahren eine Petition eingereicht hat», erzählt Beat Leu. Später setzten sich die Grünen für eine autofreie Altstadt ein. Doch erst im Sommer 2009 wurde ein Pilotversuch gestartet. Das Städtli Sursee wurde am Wochenende für den Verkehr gesperrt. 20 Wochen dauerte der Pilotversuch. Damals galt die Sperrung auch am Freitagabend. Die Bilanz war durchzogen.

Nach Abschluss des Versuchs wollte der Stadtrat das Städtli künftig am Wochenende ganzjährig für den Verkehr sperren. Doch dies ging den Wirten sowie dem Quartierverein zu weit. Schliesslich rangen sie sich einen Kompromiss ab: Die Sperrung sollte nur während der Sommermonate gelten, und der verkehrsfreie Freitagabend wurde fallen gelassen.

Beschwerde verzögerte Einführung

Doch nachdem die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur die Verkehrsanordnung im Januar 2014 veröffentlichte, reichten Caroline und Robert Faes, Inhaber des Hotels Hirschen, Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein. Grund: Sie fürchteten um ihren Umsatz. Doch die Beschwerde wurde einen Tag zu spät eingereicht. Das Verwaltungsgericht ging daher nicht auf die Beschwerde ein. Das Verfahren aber verzögerte die Einführung des Wochenend-Fahrverbots um ein Jahr. Sechs Jahre nach dem Pilotversuch ist das Fahrverbot über die Sommermonate nun definitiv. Stadtpräsident Beat Leu sagt: «Wir erhoffen uns, dass das Städtli durch das Altstadt-Fahrverbot stärker belebt wird. Es gibt heute im Städtli schon viele Fussgänger. Vielen ist aber noch nicht bewusst, dass das Städtli heute in einer Begegnungszone liegt.» Mit dem Fahrverbot sollen sich die Fussgänger sicherer fühlen, so Leu.

Keine baulichen Massnahmen

Mit Gittern, Fahrverbotstafeln und Plakaten sollen Auto-, Lastwagen- oder Töfffahrer auf das Verbot aufmerksam gemacht werden. «Dieses Provisorium bleibt bis im September sicher gültig. Danach prüfen wir, ob wir versenkbare Poller aufstellen», erklärt Leu. Somit gibt es bis auf weiteres keine baulichen Massnahmen.

Trotz Fahrverbot – ganz verschwinden wird der motorisierte Verkehr nicht aus dem Städtli. «Bewilligungen sind möglich für Anwohner mit einer Parkkarte Altstadt oder Gewerbebetriebe», erklärt Leu. Er rechnet aber nur noch sehr vereinzelt mit Verkehr im Städtli. Ob es für Durchfahrten trotz Verbots und ohne eine Bewilligung Sanktionen braucht, kann Leu noch nicht sagen: «Wir werden die Situation anschauen. Wenn sich viele nicht daran halten, braucht es sicher Sanktionen.» Leu rechnet aber damit, dass es zu einer Selbstregulierung kommt. «Wer trotz Verbots durchs Städtli fährt, wird sicher von Einwohnern auf das Verbot hingewiesen.»

HINWEIS

Den Start des Wochenend-Fahrverbots in der Altstadt feiert die Stadt Sursee mit der Bevölkerung. Der Anlass findet am Samstag, 2. Mai, ab 17 Uhr in der Oberstadt statt. Nach dem Grusswort gibt es einen Apéro mit musikalischer Umrahmung.