SURSEE: Sursee will kein zweites Zofingen sein

Die Stadt boomt, das bringt Probleme. Ein neues Nutzungskonzept soll nun die Lage wieder beruhigen.

Thomas Heer
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Das Rathaus von Sursee (Archivbild Pius Amrein / Neue LZ)

Das Rathaus von Sursee (Archivbild Pius Amrein / Neue LZ)

Auf die Nord-Süd-Achse, die Autobahn A 2, ist es ein Katzensprung. Die bedeutendste Strasse der Schweiz, die A 1, ist in wenigen Fahrminuten erreicht, und am Bahnhof warten die Züge nach Luzern alle 30 Minuten auf Passagiere. Nach Bern und Basel gibts stündlich eine Verbindung. Angesichts dieser formidablen Verkehrsanbindung erstaunt es nicht, wenn Sursees Stadtpräsident Beat Leu sagt: «Wir erhalten fast wöchentlich Anfragen von Dienstleistungsbetrieben, die die Nähe zum Bahnhof und zur Autobahn suchen.»

Nicht nur für Firmen ist Sursee eine Top-Adresse. Eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft am Nordufer des Sempachersees, bietet die Kommune auch hohe Lebensqualität für ihre 9200 Bewohnerinnen und Bewohner. Und nicht zu vergessen: Sursees Altstadt ist ein Bijou. Das Gesamtpaket Sursee ist also stimmig. Und so ist Beat Leus Aussage – «bis ins Jahr 2030 wird die Bevölkerungszahl von Sursee um bis zu 25 Prozent zunehmen» – keineswegs die vollmundige Prognose eines Berufsoptimisten. Allein die Grossüberbauung im Hofstetter-Feld lässt die Bevölkerungszahl in diesen Monaten um rund 500 Personen anwachsen.

Hektischer Verkehr

Die simple Volksweisheit, dass jede Medaille auch eine Kehrseite hat, trifft leider auch auf Sursee zu. Wer beispielsweise als wenig Ortskundiger sein Motorfahrzeug tagsüber durch den lokalen Kreiselverkehr manövriert, muss höllisch aufpassen, im Verkehrsgewusel die Orientierung nicht zu verlieren. Und während der Rushhour kommt es auch in Sursee immer wieder zu Staus. Einiges muss nun passieren, damit sich diese Situation künftig nicht noch verschlechtert.

Nötige Schritte sind eingeleitet. An der Budget-Gemeindeversammlung vom vergangenen Dezember wurde der Kreditantrag von rund 70'000 Franken für die Erarbeitung eines Nutzungs- und Entwicklungskonzepts «Stadtzentrum» zum Bedauern von Rainer Jacquemai, Präsident des Quartiervereins Altstadt, zwar abgelehnt. Trotzdem blieb die öffentliche Hand in der Zwischenzeit nicht untätig und erarbeitete ein als vertraulich deklariertes Nutzungskonzept für die Altstadt. Daher nimmt Jacquemai zum Dokument keine Stellung. Recherchen aber ergaben, dass sich Kritik breitmacht. Und zwar sei der Fokus der Stadt einseitig nur auf das historische Zentrum gerichtet, heisst es etwa. Das erweiterte Umfeld der Kernstadt müsse unbedingt in die Überlegungen mit einbezogen werden. Dem entgegnet Leu: «Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir die Probleme der Altstadt nicht isoliert betrachten dürfen.»

Die Surseer Altstadt ist ein Magnet, nicht nur für Einheimische, sondern für Leute aus der ganzen Region. Die Folgen: viel Verkehr, und auch nachts vor allem in der wärmeren Jahreszeit ein Lärmpegel, der das Mass des Erträglichen für die Anwohner nicht selten übersteigt.

Fahrverbot nach Ladenschluss

Stadtpräsident Leu kennt die Problematik und zieht einen Vergleich mit Zo­fingen, wo nachts auf den Gassen wenig los sei. Leu spricht von einer toten Atmosphäre. Das stille Zofingen dient dem CVP-Politiker nicht als Vorbild. Trotzdem sind in Sursee Massnahmen angesagt, die das Verkehrsaufkommen in der Altstadt drosseln werden. Dem Fahrverbot nach Ladenschluss an Wochenenden steht lediglich noch eine Einsprache im Weg. Und gemäss Leu will die Stadtverwaltung vermehrt noch auf die Gastrounternehmer einwirken, damit diese ihre Gäste nach dem Lokalaustritt zur Ruhe anhalten.

Auf anderer Ebene war die Stadt ebenfalls tätig. Behördenvertreter sassen vor kurzem mit Mitgliedern der örtlichen Industrie- und Handelsvereinigung zusammen. Dabei wurde etwa darüber debattiert, wie die Spitzen beim Verkehrsaufkommen gebrochen werden können. Die Arbeitszeiten, der Beginn und das Ende, waren ein Thema. Stichwort: Staffelung. Debattiert wurde aber auch darüber, den Angestellten Raum und Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen, damit sie über den Mittag die Mahlzeiten auf dem Firmenareal einnehmen können.

Zum Verkehrskonzept Sursee zählen auch raumplanerische Massnahmen. Dazu Leu: «Wir müssen Zonen freihalten, damit wir, wenn nötig, einmal die Nordwest-Umfahrung bauen können.» Ob dies jemals der Fall sein wird, hänge davon ab, wie sich die ganze Region entwickelt, welche Bevölkerungsstruktur der Grossraum Sursee dereinst aufweisen wird.