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SURSEE: «Trend geht weg vom Ackerbau»

Der Frust bei der Saatzuchtgenossenschaft über die Schliessung der Annahmestelle Münchrüti ist gross und richtet sich gegen Abnehmer Fenaco. Jürg Jost, regionaler Leiter Saatgut der Fenaco, nimmt Stellung.
Vom Entscheid der Fenaco ist unter anderem Saatgut von Roggen betroffen. (Symbolbild: Sven Kästner/Keystone)

Vom Entscheid der Fenaco ist unter anderem Saatgut von Roggen betroffen. (Symbolbild: Sven Kästner/Keystone)

Interview: Stephan Santschi
stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Jürg Jost, die Annahmestelle für Saatgut in der Surseer Münchrüti wird Ende 2017 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen (Ausgabe vom Montag). Sind Ihnen die Luzerner Saatzüchter nicht wichtig?

Sie sind uns sehr wichtig, deshalb haben wir für jeden Produzenten eine individuelle Lösung erarbeitet.

Fredy Winiger, der Präsident der Luzernischen Saatzuchtgenossenschaft (LSG), vermisst bei der Fenaco die Solidarität, welche den Genossenschaftsgedanken ausmache.

Solidarität darf nicht mit Aufrechterhaltung von langfristig unwirtschaftlichen, ineffizienten Strukturen gleichgesetzt werden. Die Fenaco hat als Genossenschaft den Auftrag, die Bäuerinnen und Bauern bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützen. Das bedeutet unter anderem, dass wir Strukturen und Prozesse so schlank wie möglich gestalten wollen, damit die Gewinne daraus den Bauern zugute kommen – und nicht in ineffizienten Strukturen versickern.

Die LSG wollte die Münchrüti selber betreiben. Hätte man den zuständigen Fachmann übernehmen und für ein paar Monate an die Fenaco ausmieten können, hätte es geklappt, heisst es. Doch Fenaco habe dies nicht gewollt. Warum nicht?

Wir verstehen, dass die Führung der LSG enttäuscht ist. Allerdings möchten wir darum bitten, in dieser Diskussion sachlich zu bleiben und die zentralen Argumente zu beleuchten. Wie schon mehrfach erläutert, wären am Standort umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur nötig, um die Effizienz der Anlagen zu verbessern und die Arbeitssicherheit zu gewähren. Der Trend in der Zentralschweiz geht eindeutig in Richtung Tierproduktion und weg vom Acker- und Pflanzenbau. Wir sind deshalb der Ansicht, dass es aus strategischer Sicht keine gute Entscheidung wäre, in eine neue Saatgetreideaufbereitung zu investieren, welche einen Betriebshorizont von weiteren 20 Jahren hätte. Am heutigen Standort sind bis zu fünf Personen nötig, wobei viele manuelle Tätigkeiten anfallen wie Säcke vernähen und Waren palettieren. Dass eine einzelne Personalie den Ausschlag gegeben haben soll, ist aus unserer Sicht nicht korrekt.

Luzerner Saatgut soll nach Lyssach und Zuger Saatgut nach Winterthur transportiert werden, um es dann nach der Weiterverarbeitung wieder an die Abnehmer in die Zentralschweiz zurückzubringen. Wie rechtfertigen Sie dies aus ökologischer Sicht?

Diejenigen Produzenten, welche Saatgutgetreide herstellen, möchten einen möglichst hohen Erlös für ihre Produkte und kurze Anfahrtswege. Diejenigen Bauern, welche Saatgut wiederum für den Ackerbau einkaufen, wünschen möglichst tiefe Preise und ebenfalls kurze Anfahrtswege. Die Fenaco befindet sich hier in einem klassischen Spannungsfeld aus unterschiedlichen Interessen. Als Agrargenossenschaft ist es unser Auftrag, die Anliegen aller Produzenten möglichst optimal zu berücksichtigen und dabei auch auf veränderte Marktsituationen einzugehen. Einige Saatgutproduzenten werden kürzere Anfahrtswege haben als heute, einige etwas längere. Dafür erhalten sie künftig bessere Preise für ihre Produkte. Diejenigen Bauern, die Saatgut einkaufen, werden wiederum von den Effizienzsteigerungen in Form von tieferen Preisen profitieren können.

Zwei Drittel der Bauern seien Kleinproduzenten, für die sich der weite Anfahrtsweg nicht lohne, so die LSG. Hat es bei der Fenaco für Kleinproduzenten keinen Platz mehr?

Die Fenaco Genossenschaft schliesst keine Produzenten aus, alle dürfen ihre Produkte liefern.
Bei der LSG sei die Stimmung aber sehr schlecht, betont Präsident Winiger. Machen Sie sich Sorgen, dass ein Grossteil der Bauern, darunter auch Produzenten grösserer Mengen, abspringt?
Wir unternehmen alles dafür, um die Produzenten optimal zu betreuen und ihnen einen guten Übergang ins neue System zu ermöglichen.

Jürg Jost, Genossenschaft Fenaco.

Jürg Jost, Genossenschaft Fenaco.

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