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Sursee-Triengen-Bahn muss mit Volldampf ihre Erträge steigern

Die Bahn im Surental ist vor allem bei Nostalgikern bekannt und beliebt. Doch das Unternehmen benötigt finanzielle Mittel. Investitionsbedarf für die nächsten Jahre: Mehrere Hunderttausend Franken. Eine Vision soll die Zukunft sichern.
Ernesto Piazza
Stellt die Weichen für die Zukunft: Martin Ulrich, neuer Verwaltungsratspräsident der Sursee-Triengen-Bahn AG. (Bild: Corinne Glanzmann (Triengen, 6. August 2018))

Stellt die Weichen für die Zukunft: Martin Ulrich, neuer Verwaltungsratspräsident der Sursee-Triengen-Bahn AG. (Bild: Corinne Glanzmann (Triengen, 6. August 2018))

«Schön, dass Sie bei Kohle auch an Geld denken», mit diesem Slogan warb der Verein «Sursee-Triengen-Bahn Historic» kürzlich um finanzielle Unterstützung. Die Spenden sollen helfen, zur Rettung der Dampfbahn beizutragen, hiess es auf dem in die Haushaltungen geflatterten Flyer weiter. Rund 20'000 Franken sind mit dieser Aktion zusammengekommen. Bis dato konnte der Verein für den Unterhalt des eigenen historischen Rollmaterials rund 120'000 Franken generieren.

Die Instandhaltung und der Betrieb der historischen Fahrzeuge der Sursee-Triengen-Bahn (ST) verschlingen viel Geld. Den Investitionsbedarf für die nächsten Jahre schätzt Martin Ulrich auf «mehrere 100'000 Franken». An der Generalversammlung von Ende Juni wurde der ehemalige Gemeindepräsident von Triengen zum neuen Verwaltungsratspräsidenten der AG gewählt. Er löst mit Urs Muther einen «Vollblut-Bähnler» ab. Dieser bleibt der Bahn als Präsident des Vereins Historic allerdings erhalten.

«Eine schwarze Null beim Dampf ist ein Erfolg»

Trotz der finanziellen Herausforderungen ist für Ulrich klar: «Wir halten am Dampf fest, wollen weiterhin Altes pflegen und erhalten.» Das sei die Strategie. Die Sursee-Triengen-Bahn werde mit dem Dampf in Verbindung gebracht. Den Nostalgie-Liebhabern mag es recht sein. Die Bahn ist nicht nur in Sursee sowie in den Surentaler Gemeinden Geuensee, Büron und Triengen eine Institution. Das Aktienkapital von rund 900'000 Franken ist mehrheitlich im Besitze des Kantons Luzern. Von den 1840 Namenaktien befinden sich aber auch zirka 400 bei den Gemeinden und 600 in privaten Händen.

«Die Sursee-Triengen-Bahn ist eine emotionale Geschichte mit einem hohen öffentlichen Interesse.»

Martin Ulrich, Verwaltungsratspräsident

Im vergangenen Jahr wies die Rechnung einen Gewinn von rund 20'000 Franken aus. Dieses Ergebnis betrifft gesamthaft die Sparten Infrastruktur, Immobilien, Dampfbetrieb sowie Diverses. «Gerade beim Dampf eine schwarze Null zu präsentieren, ist ein Erfolg», erklärt der ehemalige Politiker Ulrich, der seit Mai als Projektleiter Landerwerb bei der kantonalen Dienststelle Immobilien eine neue berufliche Herausforderung angetreten hat. Er sagt: «Die Sursee-Triengen-Bahn ist eine emotionale Geschichte mit einem hohen öffentlichen Interesse.» Mit seinem Engagement – speziell durch das jetzige VRP-Mandat – will Ulrich «der Öffentlichkeit etwas zurückgeben». Denn während acht Jahren habe er als Vorsitzender der Trienger Exekutive «viele schöne Momente erlebt».

Die neun Kilometer messende Strecke von Sursee nach Triengen ist ein Unikat – und begehrt. Das zeigt auch, dass im letzten Jahr die grösste handbefeuerte Dampflok fast eine Woche auf den Gleisen der ST-Bahn gastierte. Es wurden Szenen für den Hollywood-Blockbuster «Mord im Orientexpress» gedreht. Auch für die SRF-Doku-Fiction «Generalstreik 1918» griff man auf die Szenerie und die Infrastruktur der ST-Bahn zurück.

Privates Bahnvergnügen kostet 3000 Franken

Der Bereich Infrastruktur ist bei der Sursee-Triengen Bahn der stärkste Umsatzträger mit dem besten Ergebnis. Dazu gehören Abgeltungen durch Bund und Kanton sowie Einnahmen aus Abstellgebühren, Depotvermietung und Trasseebenutzung. Bestandteil der Immobilen sind unter anderem die beiden Bahnhöfli-Restaurants in Sursee und Triengen oder alte Bahnhofgebäude. Eigene Wohnungen von ehemaligen Bahnangestellten sind fremdvermietet.

Von Mai bis September bietet die Sursee-Triengen Bahn jeweils fünf öffentliche Dampffahrten an. Privat kann man das Vergnügen – unter anderem für gesellschaftliche Anlässe – buchen. Kostenpunkt: zirka 3000 Franken. Weiter werden auf den Schienen der Bahn bis zu viermal täglich durch die SBB-Cargo verschiedene Waren für Otto’s transportiert. Zudem führt die Bahn Stahl für Acifer und im Herbst für diverse Auftraggeber auch Holz und Tabak.

Ziel sei es, künftig jeden Bereich kostendeckend zu führen, betont Ulrich. Daher will man den Bekanntheitsgrad steigern und so zusätzliche Einnahmen generieren. In dieser Hinsicht bestehen beispielsweise Kontakte zu Sempachersee Tourismus. «Die Eckpunkte sind bekannt», erklärt der Verwaltungsratspräsident der Sursee-Triengen-Bahn. Sie seien Bestandteil einer Zukunftsvision. Und wie sieht es mit einer S-Bahn aus? Dieses Thema komme jedes Jahr wieder, erklärt Ulrich. «Zum heutigen Zeitpunkt wird es jedoch nicht prioritär weiterbearbeitet.»

Fundraising betreiben, erlauchte Kreise motivieren

Klar ist jedoch: Die Geldbeschaffung soll mit dem Verein «Historic» weiter vorangetrieben werden. Dazu will man Fundraising betreiben und möglicherweise auch Stiftungen, Mäzene, Bahnfans sowie Persönlichkeiten – beispielsweise aus Kreisen der Politik – motivieren.

Ein bereits bekanntes Zusatzgeschäft für die Sursee-Triengen-Bahn ist hingegen die Strecke Hinwil–Bäretswil Tobel im Zürcher Oberland. Weil dort momentan kein regionaler Personenverkehr mehr läuft, haben die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) nach einer neuen Trägerschaft gesucht. Geplant ist, dass die Strecke im Verlaufe des zweiten Halbjahres ins Eigentum der Sursee-Triengen-Bahn überführt wird und die Infrastrukturkonzession von der SBB an sie übergeht.

Weiter ist die Bahnstrecke mit dem Betrieb der nostalgischen Dampfzüge des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland sowie der Güterzüge ins Kieswerk in Bäretswil Tobel gesichert. Für die Sursee-Triengen-Bahn bedeutet dies, die Dienstleistungen Dritte werden ausbaut. Dadurch kann man die personellen Ressourcen optimaler auslasten. Für Martin Ulrich ist unbestritten: «Wir wollen die Grundlagen schaffen, dass wir mit Dampf in die Zukunft gehen.»

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