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SURSEE: «Wir alle zusammen glauben ja an den gleichen Gott»

Vielerorts auf der Welt stehen sich Christen und Muslime feindselig gegenüber. Nicht so in der Kirche St. Georg in Sursee. Ein Besuch bei einem Gottesdienst.
Thomas Heer
Albanischsprachige Katholiken feiern in der Kirche St. Georg in Sursee einen Gottesdienst. Immer wieder sind auch Muslime mit dabei. Im Bild: Don Agim Qerkini, Pfarrer der Albaner-Mission, vor versammelter Gemeinde. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Albanischsprachige Katholiken feiern in der Kirche St. Georg in Sursee einen Gottesdienst. Immer wieder sind auch Muslime mit dabei. Im Bild: Don Agim Qerkini, Pfarrer der Albaner-Mission, vor versammelter Gemeinde. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Thomas Heer

Në emër të Atit, e të Birit, e të Shpirtit Shenjt. Amen. Paqja me ju! Übersetzt heisst das: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Friede sei mit euch!

Mit diesen Eröffnungsworten richtet sich Don Agim Qerkini an die Gläubigen und schreitet danach zu seiner ersten Handlung, dem Segnen des Adventskranzes. Es ist kurz nach 13.30 Uhr. Auch am ersten Adventssonntag finden sich in der Kirche St. Georg in Sursee mehrere hundert Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche zum Gottesdienst ein, so wie sie das jede zweite Woche zu dieser Stunde an diesem Ort tun.

Es sind Katholiken albanischer Sprache, die meisten mit Wurzeln im Kosovo, aber auch in Mazedonien oder eben in Albanien.

Integration vorantreiben

«Brüder und Schwestern! Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen ...»

Bei der zweiten Lesung verkündet ein Laie, Gjergi Perndrecaj, die Worte, die der Apostel Paulus einst an die Gemeinde von Thessaloniki richtete. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass das Thema Liebe und Frieden thematisiert wird. Auch Veneranda Qerimi ruft dazu auf, während sie die Fürbitten vorträgt. Und Pfarrer Qerkini betet ebenfalls für den Frieden und kommt kurz auf den albanischen Nationalfeiertag zu sprechen, der im Land am Mittelmeer einen Tag zuvor, am 28. November, gefeiert wurde. In Qerkinis Predigt steht jedoch die Adventszeit im Fokus. Die Wochen des Wartens und der Vorbereitung auf das grosse Fest vom 25. Dezember, an dem die ganze Christenheit Jesus’ Geburt gedenkt.

Als musikalische Begleiter durch den Gottesdienst sind einerseits die Ordensfrau Mrika Sabedini als Organistin verantwortlich, andererseits ein gemischter Chor. Tasteninstrument und Gesang harmonieren prächtig. Misstöne jedenfalls sind – zumindest für all die Zuhörer ohne absolutes Musikgehör – keine auszumachen. Gefragt nach ihrem Motiv für ihr Mitwirken im Ensemble, antwortet Sängerin Valbona Sula: «Es bedeutet mir viel, dass ich mit meinen Landsleuten in Kontakt bleibe. Es ist mir aber auch wichtig, dass wir als Chor einen Beitrag zur Integration leisten.»

Wollen eine Brücke bilden

Stichwort Integration: Die katholische Albanermission Luzern, gegründet 1992, verfolgt mehrere Ziele. Eines davon ist die Brückenbildung zwischen dem Heimatland und zur schweizerischen Ortskirche. Neben der Luzerner Mission, die in der Zentralschweiz auch regelmässige Messen in Willisau, Zug, Emmenbrücke, Goldau und der Stadt Luzern zelebriert, finden sich hierzulande zwei weitere gleich gelagerte Institutionen in Aarau sowie im thurgauischen Sirnach. Den drei Missionen gehören insgesamt mehr als 20 000 Katholiken an. Zur Erinnerung: Die berühmteste albanisch sprechende Katholikin war Anjezë Gonxha Bojaxhiu, besser bekannt unter dem Namen Mutter Teresa, 1979 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und von der Kirche bereits seliggesprochen.

Szenenwechsel: Vor dem Kirchgang versammeln sich einige Freunde und Bekannte im Hotel/Restaurant Hirschen in der Altstadt von Sursee. Sie alle haben Wurzeln im Kosovo, kennen sich seit Jahrzehnten und tragen wie die meisten, ohne dabei verwandtschaftlich verbunden zu sein, den Nachnamen Gashi. Das ist neben Berisha und Krasniqi das meistverbreitete Geschlecht in dieser früheren Teilregion Ex-Jugoslawiens. Mit am Tisch sitzen auch Martin und Ilir Gashi. Martin, in Luzern erfolgreich in der Gastronomie tätig, besucht zusammen mit seiner Frau Liza und Tochter Rafaela so oft wie möglich die sonntäglichen Gottesdienste. Er sagt: «Das gehört einfach zu meinem Leben dazu.»

Gemeinsame Wurzeln

Erstaunlich, dass auch Ilir Gashi hin und wieder zu Gast ist in der Kirche St. Georg. Ilir ist im Gegensatz zu Martin nämlich kein Katholik, sondern Muslim. Zu seinen Beweggründen, sich unter die die Messe feiernden Katholiken zu mischen, sagt Ilir Gashi: «Wir alle zusammen glauben ja an den gleichen Gott.»

Dass sich Muslime und Christen aufgrund religiöser Fragen nicht zwangsläufig in die Haare geraten müssen, fusst auch auf historischen Gründen. Samuel Behloul, Religionswissenschaftler und Direktor der Kommission Migratio der Schweizerischen Bischofskonferenz, erklärt: «Sowohl der Islam als auch das Christentum zählen zu den abrahami­tischen Religionen.» Das heisst, sie haben Verbindungen zu Abraham, der bereits Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung in seiner religiösen Auffassung monotheistisch ausgerichtet war.

Martin Gashi sagt: «Begehen die Muslime einen Feiertag, so gratulieren wir ihnen, umgekehrt tun das auch die Muslime.» Sogar in den schwersten Zeiten stehen Muslime und Christen im Kosovo zusammen. Damals, nach dem Massaker von Meja, bei dem im April 1999 rund 300 Menschen getötet wurden, waren bei den Beerdigungszeremonien christliche wie muslimische Würdenträger zugegen.

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