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SURSEE: Wo im Sommer Weihnachten ist

Kerzen haben Hochsaison. Ein Besuch in der Produktion von Herzog Kerzen zeigt wenig Farbiges – und das kurz vor Weihnachten. Warum?
Claudio Zanini
Wachszieher Toni Arnold hat den Extruder gestartet. Die Maschine presst das Wachs unter Druck in eine Zylinderform. (Bild Dominik Wunderli)

Wachszieher Toni Arnold hat den Extruder gestartet. Die Maschine presst das Wachs unter Druck in eine Zylinderform. (Bild Dominik Wunderli)

Claudio Zanini

Es wird schnell kompliziert in der Surseer Kerzenfirma. «Das ist unser Extruder», sagt Monika Felder (45), Inhaberin und Betriebsleiterin von Herzog Kerzen, dem grössten Kirchenkerzenhersteller der Schweiz. Während das Wort «Extruder» den Reporter noch immer beschäftigt, redet Felder bereits von Stearin- und Paraffinkerzen. Alles klar. Und werden hier auch Kerzen gezogen? «Hier auf unserer Zugmaschine. Nebst dem Extruder das wichtigste Produktionsgerät», erklärt die Chefin und zeigt auf ein bewegliches Konstrukt, welches problemlos als Werk des Künstlers Jean Tinguely durchgehen könnte.

Aber gehen wir nochmals einen Schritt zurück und stellen uns zwischen Extruder und Zug. Zwei Maschinen, die für zwei Herstellungsverfahren von Kerzen stehen. Beim Extruder wird das Wachs unter Druck in eine Zylinderform gepresst. Beim Zug können Kerzen bis zu einem Durchmesser von 56 Millimeter gezogen werden. Muss die Kerze dicker sein, wird sie anschliessend übergossen – von Hand.

Lachs und Apricot für Weihnachten

Beim Gang durch die Räumlichkeiten erstaunt, dass kaum farbige Kerzen zu sehen sind. Und das unmittelbar vor Weihnachten. «Die Weihnachtsproduktion beginnt bei uns schon vor den Sommerferien und endet meist Mitte November», erklärt Felder. Bienenwachskerzen werden gar noch früher produziert, denn im Sommer wäre es zu heiss für den weichen und klebrigen Rohstoff. Die farbigen Kerzen sind also grossmehrheitlich ausgeliefert. «In diesem Jahr dominieren vor allem Lachs- und Apricot-Töne in Kombination mit Kupfer», sagt Felder. Was ist mit Rot? «Natürlich. Das ist der Klassiker unter den Weihnachtskerzen.» Nebst Kirchen gehören Floristen, Fachhandel und Warenhäuser zu den Abnehmern von Herzog. Auch im Sitz des Bistums Basel in Solothurn stehen Surseer Kerzen. Sie alle sind bereits versorgt für das Weihnachtsgeschäft. «Es kann natürlich vorkommen, dass kurzfristig Weihnachtskerzen nachgeliefert werden müssen.» Aber ist man vorbereitet, wenn den Kirchen die Opferlichter ausgehen, wegen erhöhtem Kundenansturm an den Festtagen? «Die Produktion der Opferlichter läuft eigentlich tagtäglich, da kann es kaum zu Engpässen kommen», sagt Felder in beruhigendem Ton.

1888 in Rickenbach gegründet

Im Dezember läuft bei Herzog bereits die Produktion für Mariä Lichtmess – das Kirchenfest, das 40 Tage nach Weihnachten stattfindet, und an dem traditionsgemäss Kerzen für das kommende Kirchenjahr gesegnet werden. Darum sind derzeit praktisch nur weisse Kerzen in der Fabrik am Schellenrain zu sehen. Gegründet wurde die Firma 1888 von Moritz Herzog in Rickenbach. Monika Felder führte das Unternehmen ab 2005 mit ihrem Mann Daniel. Er verstarb aber unerwartet im Januar 2008. Seither managt sie das Unternehmen mit 22 Angestellten alleine.

Lagern: Nur bei Bienenwachs

Noch bevor die Frage nach dem Einfrieren von Kerzen und der angeblich längeren Brenndauer ausformuliert wurde, schüttelt Felder den Kopf. «Sehen Sie», beginnt die Fachfrau, «Sie können von mir aus ein gutes Stück Fleisch einfrieren oder Wein lagern. Aber Kerzen kauft man frisch.» Das Einfrieren habe schlicht keinen Einfluss auf die Struktur der Kerze. «Stearin- und Paraffinkerzen verändern sich nicht im Gefrierschrank. Bei Bienenwachs sieht es anders aus. Da kann Lagern etwas nützen.» Stearin und Paraffin. Da sind sie wieder. Zwei Rohstoffe, die zwei verschiedene Sorten von Kerzen ergeben.

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