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SURSEE/NOTTWIL: Der Bub ist ein kleines Wunder

Julia Gartenbach ist im 4. Monat schwanger, als sie querschnittgelähmt wird. Jetzt ist ihr Sohn Pino geboren. Die Geburt war alles andere als selbstverständlich.
Flurina Valsecchi
Familienglück unter besonderen Umständen: Julia und David Gartenbach mit Baby Pino im Kantonsspital Sursee. (Bild Schweizer Paraplegiker-Stiftung)

Familienglück unter besonderen Umständen: Julia und David Gartenbach mit Baby Pino im Kantonsspital Sursee. (Bild Schweizer Paraplegiker-Stiftung)

«Ich bin einfach nur glücklich», sagt Julia Gartenbach in einer Mitteilung, die das Schweizer Paraplegiker-Zentrum an die Medien verschickt hat. Klar, denken Sie als Leser und Leserin dieses Berichts jetzt: Was ist daran so speziell? Diesen Satz bekommt man doch von jeder frisch gebackenen Mutter zu hören?

Doch im Fall der Familie Gartenbach haben diese Worte eine ganz besondere Bedeutung. Dass der kleine Pino (49 cm, 3430 Gramm) am vergangenen Mittwoch im Luzerner Kantonsspital in Sursee per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen ist und gesund ist, das ist ein kleines Wunder. Denn Julia Gartenbach ist querschnittgelähmt. Kind und Mutter geht es gut. «Die geglückte Geburt ist ein sehr seltenes Ereignis. Es gibt in der Literatur weltweit nur wenig beschriebene Fälle», sagt Andrea Hayek, Oberärztin am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil, erleichtert.

Ein schwerer Bandscheiben-Vorfall

Doch erzählen wir diese Geschichte von vorn: Julia Gartenbach, 29-jährig, Physiotherapeutin aus Grenchen im Kanton Solothurn, ist im vierten Monat schwanger. Unabhängig davon plagen sie immer stärkere Rückenschmerzen. Dann, im April, erleidet die Frau einen schweren Bandscheibenvorfall. Zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel drückt eine Bandscheibe auf das Rückenmark, die Beine werden gelähmt, und es kommt zu Störungen der Blasen- und Darmtätigkeit. Sie muss im Inselspital Bern operiert werden, anschliessend wird sie ins Schweizer Paraplegi-ker-Zentrum nach Nottwil verlegt.

Hier macht sie grosse Fortschritte. Laut Ärztin Hayek haben die Nerven ein gewisses Regenerationspotenzial, mit der grössten Erholung ist in den ersten Monaten zu rechnen. Julia Gartenbach lernt, am Barren zu stehen. Doch bis heute ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Prognose zum Genesungsverlauf können die Ärzte nicht machen.

Auf viele Medikamente verzichtet

Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Schwangerschaft bei bereits querschnittgelähmten Frauen. Berühmtestes Beispiel ist die Luzerner Rollstuhlsportlerin Edith Wolf-Hunkeler, sie hat seit 2010 eine Tochter.

Das Besondere am Fall von Julia Gartenbach hingegen ist, dass sie bereits schwanger war, als sie querschnittgelähmt wurde. «Die Chance, dass das Kind überlebt und gesund zur Welt kommt, ist in diesem Fall sehr gering», sagt Ärztin Hayek. Häufig kommt es bei solch aussergewöhnlichen Situationen während der Schwangerschaft zur Schädigung des Kindes, oder es stirbt sogar – sei es durch das Trauma selbst oder durch die Folgen von Operation, Infektionen oder Medikamenten.

Doch bei Julia Gartenbach ist alles gut gegangen. Ärztin Hayek lobt ihre Patientin, sie habe in der Rehabilitation hart gearbeitet und auf möglichst viele Medikamente verzichtet – zum Wohle des Kindes. Unterstützt wurde die werdende Mutter von einem Team von verschiedenen Fachleuten. Julia Gartenbach bekam ein massgeschneidertes Therapieprogramm. Es gab sogar einen speziellen Geburtsvorbereitungskurs.

Nächste Rehabilitation im Januar

Anfang nächster Woche werden der kleine Pino und seine Mutter das Spital verlassen können. Dann wird die Familie Zeit haben, sich an ein neues Leben zu gewöhnen. Nichts mehr ist, wie es einmal war. Was es bedeutet, wenn die Mutter im Rollstuhl ist, dokumentiert der eindrückliche Film «Mutter auf vier Rädern», wo Edith Wolf-Hunkeler zeigt, wie sie mit vielen Tricks den Alltag mit ihrer Tochter Elin meistert. Die Gartenbachs werden nun in eine neue, rollstuhlgerechte Wohnung umziehen.

Ab Januar beginnt für Julia Gartenbach die nächste Rehabilitation – dieses Mal unter denselben Voraussetzungen wie alle andern Patienten auch. Wegen der Schwangerschaft konnten einige Therapien, zum Beispiel mit dem Geh-Roboter (Lokomat), nicht durchgeführt werden. Das soll nun nachgeholt werden.

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