Finanzen
Surseer Rechnung schliesst mit Plus ab – Steuererhöhung wird unwahrscheinlicher

Sursee kann einen erfreulichen Rechnungsabschluss präsentieren. Damit befindet sich die Stadt in bester Gesellschaft. Die Pandemie hat bislang kaum negativen Einfluss auf die Zahlen, jedoch könnten bald Spätfolgen im Sozialbereich auf Sursee zukommen.

Dominik Weingartner
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Blick auf ein Schild der Stadt Sursee.

Blick auf ein Schild der Stadt Sursee.

Bild: Pius Amrein (Sursee, 22. Juli 2019)

Die Rechnung 2020 der Stadt Sursee schliesst mit einem Plus von rund 2,3 Millionen Franken ab – budgetiert war ein Verlust von 3,9 Millionen Franken. «Sursee ist kein Einzelfall», sagt Finanzvorsteher Daniel Gloor (FDP). «Wir befinden uns in bester Gesellschaft.» Als Beispiel nennt Gloor den Kanton Luzern, der kürzlich für 2020 einen riesigen Ertragsüberschuss präsentierte. Der Gesamtaufwand der Surseer Rechnung beträgt 110 Millionen Franken.

Blickt man auf die Zahlen, fällt auf, dass der Steuerertrag mit knapp 37 Millionen Franken deutlich besser ausgefallen ist als die budgetierten 34,4 Millionen Franken. Im Hintertreffen ist Sursee bei den Investitionen. Für den Posten Bau und Unterhalt waren Ausgaben von 4,9 Millionen Franken budgetiert, tatsächlich waren es dann aber nur 2,6 Millionen Franken. Gloor, der erst seit vergangenem Jahr im Amt ist, sagt denn auch:

«Wir müssen die traditionellen Differenzen zwischen Budget und Rechnung in den Griff bekommen. Wir haben die Steuereinnahmen zu pessimistisch und die Planung von Projekten zu optimistisch eingeschätzt.»

Sozialkosten könnten steigen

Die Coronakrise hatte bislang kaum Einfluss auf die Surseer Finanzen. Daniel Gloor weist auf die breit aufgestellte Wirtschaft in der Stadt. «Es gibt hier Unternehmen, die 2020 ein sehr gutes Jahr hatten», sagt er. Gregor Schumacher, Bereichsleiter Finanzen der Stadt Sursee, bringt es auf den Punkt:

«Wir haben berechnet, was Corona mit den Stadtfinanzen macht. Dabei haben wir gemerkt, dass es fast keinen Unterschied gibt. Es gab weniger Einnahmen, aber in gewissen Bereichen auch weniger Ausgaben.»

Ein Fragezeichen gebe es bei den Steuereinnahmen bei den natürlichen Personen. Denn viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die vergangenes Jahr auf Kurzarbeit waren, hatten nur 80 Prozent des normalen Einkommens. Das könnte sich auf die Steuererträge auswirken. Zudem rechnet Schumacher damit, dass die Sozialkosten auf den Herbst hin als Spätfolge der Pandemie ansteigen könnten.

Dauerbrenner Finanzreform

Ein Dauerthema in Sursee bleiben die Auswirkungen der kantonalen Aufgaben- und Finanzreform 18 (AFR 18). Vergeblich hatte sich Sursee gegen das Konstrukt gewehrt. Jetzt sagt Daniel Gloor: «Ohne die AFR 18 wäre die Rechnung 2020 um mindestens eine Million Franken besser ausgefallen.» Die Stadt wartet auf den Wirkungsbericht des Kantons, der frühestens 2022 vorliegen wird. Für Gloor ist aber jetzt schon klar: «Es besteht Handlungsbedarf.» Beim kantonalen Finanzausgleich ist Sursee im vergangenen Jahr vom Nehmer zum Geber geworden. «Das tut zwar weh, aber zeigt auch eine gewisse Stärke der Stadt Sursee», sagt Gloor. Voraussichtlich werde Sursee für absehbare Zeit Gebergemeinde bleiben.

Bei der Präsentation des Budgets 2021 im vergangenen Oktober hatte Gloor noch von einer möglichen Steuererhöhung gesprochen. Für das laufende Jahr rechnet Sursee mit einem Minus von 5,9 Millionen Franken. Das Szenario einer Steuererhöhung werde nun relativiert, so der Finanzvorsteher. Eine Steuererhöhung sei zwar noch nicht vom Tisch, aber weiter weg als noch im Herbst.