Suva ist seit 100 Jahren ein Erfolg

Das Geschäftsmodell der Suva ist nach Ansicht ihres Chefs Ulrich Fricker ein Erfolg. Solidarität hätte in den letzten Jahren sinkende Prämien ermöglicht. Am Dienstag feiert die Unfallversicherungsanstalt den 100. Jahrestag.

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Ulrich Fricker, Vorsitzernder der Geschäftsleitung, beim Jubiläumsanlass. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ulrich Fricker, Vorsitzernder der Geschäftsleitung, beim Jubiläumsanlass. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Fricker sprach als Vorsitzender der Geschäftsleitung am Dienstag in Luzern an einer Erinnerungsfeier zum 100. Jahrestag der ersten Verwaltungsratssitzung der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva). Die Solidarität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die im Verwaltungsrat gleich stark vertreten sind, trage bis heute, sagte Fricker laut Mitteilung. Sie sichere das sorgsame und umsichtige Abwägen bei Leistungen, Finanzierung, Verwaltungskosten und Prämien.

Beim Apéro anlässlich des Jubiläums. Von links: Franz Steinegger, VR-Präsident; Karl Tschuppert, alt Nationalrat; Ruedi Lustenberger, Vizepräsident des Nationalrates und Mark Honauer, Abteilungsleiter Immobilien der SUVA. (Bild: Keysone)
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Ein Blick in den Verwaltunsratssitzungssaal bei der Rede von Ulrich Fricker, dem Vorsitzenden der Suva-Geschäftsleitung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Am Rande der Jubiläumsfeier: Ruedi Lustenberger, Nationlarat CVP aus Romoos, Prisca Birrer-Heimo, die Rothenburger SP-Nationarätin SP, Franz Steinegger, Verwaltungsratspräsidet der Suva und Roland Fischer, Grünliberaler Nationarat Gruenliberale aus Udligenswil. (v.l.) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Vorsitzende der Suva-Geschäftsleitung,Ulrich Fricker, bei seiner Ansprache. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ulrich Fricker, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Suva, Judith Fischer, Generalsekretärin der Suva und Peter Schilliger, Nationalrat FDP, aus Udligenswil. (v.l.) Am Rande der Jubiläumsfeier. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Am Rande der Jubiläumsfeier: Urs Dickerhof, Vizepräsident des Kantonsrat, SVP, Emmen, Markus Dürr, Alt-Regierungsrat und Verwaltungsrat Suva aus Malters und Albert Vitali, Nationalrat der FDP, Oberkirch. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Franz Steinegger, Verwaltungsratspräsident der Suva, bei seiner Ansprache. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Damals und heute: der Schöpfer der Schweizerischen Unfallversicherungs-Anstalt, Paul Usteri, Verwaltungsratspräsident der Suva von 1912-1921 und der heutige Vorsitzende Ulrich Fricker. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Suva-CEO Ulrich Fricker mit einem Bild von Alfred Tzaut, Direktionspräsident der Suva von 1913-1936. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Suva-CEO Ulrich Fricker vor einem Bild mit einem Baugerüst auf der Fluhmatt im Jahre 1914. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Suva-CEO Ulrich Fricker vor einem Bild mit der Fertigstellung des Gebäudes im Jahre 1915. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Heutiges Suva-Gebäude (Bild: Neue LZ)
Der lange Werdegang bis zum Kranken- und Unfallversicherungsgesetz wurde vom "Neuen Postillon", dem humoristisch-satirischen Halbmonatsblatt der schweizerischen Arbeiterschaft, bissig karikiert. (Bild: Schweizerisches Sozialarchiv Zürich)
Zunfthaus zu Schneidern, provisorischer Verwaltungssitz der Suva von 1913-1915. (Bild: Historisches Archiv zur Suva.)
Dreherei mit Transmissionsantrieb, Bucher-Guyer, Niederwenigen, 1913 (Bild: Philipp und Ernst Link)
Seit 100 Jahren eine Luzerner Institution: die Schweizerische Unfallversicherungs-Anstalt. Erst im Dezember 1915 wurde das neue Verwaltungsgebäude - hier eine Postkarte aus der Zeit - in der Luzerner Fluhmatt bezogen. (Bild: Keystone)
Paul Usteri, Verwaltungsratspräsident der Suva von 1912-1921 (Bild: Suva)
Alfred Tzaut, Direktionspräsident der Suva von 1913-1936 (Bild: Suva)

Beim Apéro anlässlich des Jubiläums. Von links: Franz Steinegger, VR-Präsident; Karl Tschuppert, alt Nationalrat; Ruedi Lustenberger, Vizepräsident des Nationalrates und Mark Honauer, Abteilungsleiter Immobilien der SUVA. (Bild: Keysone)

Prämiensenkung trotz hoher Gesundheitskosten

Auch heute noch arbeite die Suva selbsttragend und brauche keine Unterstützung vom Steuerzahler, so Fricker. Die Erträge würden in Form von tieferen Prämien an die Versicherten zurückgegeben. Wirksamer Gesundheitsschutz helfe zudem, Prämien zu sparen: «Je weniger Unfälle, desto tiefer die Prämien.»

Die Vernetzung von Prävention, Schadenmanagement und Rehabilitation ermögliche es, die Angebote laufend zu optimieren: «Die Suva hat es trotz schwierigem Wirtschaftsumfeld und steigenden Gesundheitskosten geschafft, die Prämien in den letzten sechs Jahren zu senken.» Sie werde auch künftig einen Beitrag zu tiefen Lohnnebenkosten leisten und so den Werkplatz Schweiz stärken.

Vor Fricker hatte Verwaltungsratspräsident Franz Steinegger daran erinnert, dass die Suva in einer Zeit grösster sozialer Spannung entstand. Noch im 19. Jahrhundert hatte sich die Armut als Folge von Krankheit, Unfall, Alter und Arbeitslosigkeit als gesellschaftliches Problem erwiesen.

Nach deutschem Vorbild

Pionierarbeit bei der Lösung dieses Problems leistet der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck. 1881 schuf er die Deutsche Sozialversicherung. In der Schweiz orientierte man sich an diesem Vorbild. Bereits 1890 wurde der Auftrag einer Kranken- und Unfallversicherung in der Bundesverfassung verankert. Das Gesetz für diese Versicherung wurde aber erst im Februar 1912 vom Volk angenommen; ein erster Gesetzesentwurf war 1900 in einer Referendumsabstimmung gescheitert.

Am 2. Oktober 1912 beauftragte der Bundesrat den 40-köpfigen Verwaltungsrat der Suva mit der Unternehmensgründung. Zum ersten Präsidenten wurde Ständerat Paul Usteri gewählt. Der Verwaltungsrat seinerseits wählte den Waadtländer Alfred Tzaut zum ersten Direktor. Den Betrieb nahm die Suva - bedingt durch den Ersten Weltkrieg und den Landesstreik - erst 1918 auf. sda

Suva-Sitz als Kompensation für verlorenen Vorort

sda. Mit dem Standort der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) wollte man Luzern über die verlorene Bedeutung in der Eidgenossenschaft hinweghelfen. Immerhin kam man so zu einem dominierenden Repräsentationsbau über der Altstadt.

Obwohl bis 1848 ein Vorort der Eidgenossenschaft, wurden nach der Gründung des Bundesstaats keine Institutionen des Bundes in Luzern angesiedelt. Dass dann 1899 Luzern sowohl als Standort der Suva wie auch des eidgenössischen Versicherungsgerichts vorgesehen war, sorgte für Genugtuung.

Zwar gab es 1906 einen Rückschlag, als in einer ersten Gesetzesvorlage doch wieder Bern als Suva-Standort vorgeschlagen wurde. Dank dem Einsatz des freisinnigen Stadtpräsidenten und Nationalrats Hermann Heller konnte Luzern dann die Versicherung doch noch an Land ziehen.

1914 wurde mit dem Bau des repräsentativen Verwaltungsgebäudes auf der Fluhmatt über der Altstadt begonnen. Bereits im November 1915 konnte es bezogen worden. Die Suva stellte aber vorerst einen Teil des Hauses als Armeesanitätsanstalt für internierte ausländische Kriegsgefangene zur Verfügung.

Die Suva versichert heute rund 118'000 Unternehmen beziehungsweise 1,9 Millionen Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Sie generiert ein jährliches Prämienvolumen von etwa 4,4 Milliarden Franken. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder, und beschäftigt 3100 Angestellte.