SVP empfiehlt Unia-Gewerkschafter für Ebikoner Gemeinderat

Da sie keinen eigenen Kandidaten hat, setzt die Partei auf Giuseppe Reo – mit dem parteilosen, früheren SP-Mitglied will sie die aussichtsreiche SP-Kandidatin verhindern. Unterstützt wird Reo überparteilich.

Roman Hodel
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Giuseppe Reo.

Giuseppe Reo.

(Bild: Pius Amrein, Sursee 7. Juli 2015)

«Stille Wahlen wird es nicht geben.» Dies sagte der Ebikoner SVP-Präsident Stefan Bühler Anfang Oktober in unserer Zeitung im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen am 29. März – und meinte damit vor allem eine eigene Kandidatur. Man sei mit mehreren Personen im Gespräch. Nun ist klar: Gefruchtet hat es nicht. An der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend konnte Bühler niemanden präsentieren. Er sagt: «Der Kronfavorit konnte aus beruflichen Gründen nicht.» Und einfach irgendjemanden aufzustellen, sei ausgeschlossen. 

Aber: Die Partei hat dennoch beschlossen, jemanden zu unterstützen: Giuseppe Reo, Mitglied der Controllingkommission. «Wir möchten jemanden im Gemeinderat, der wirtschaftlich vorwärts will und strategisch denkt», begründet Bühler und ergänzt:

«Reo hat dies in der Kommission schon mehrfach bewiesen – und seine Meinungen sind fast deckungsgleich mit jenen der SVP.»

Der letzte Satz ist noch wichtig, denn Reo ist zwar parteilos, aber ehemaliges SP-Mitglied und beruflich Regionalleiter Zentralschweiz bei der Gewerkschaft Unia. Bühler macht keinen Hehl daraus, dass die Wahlempfehlung der SVP speziell ist und insbesondere an der Versammlung für Erklärungsbedarf gegenüber den Mitgliedern gesorgt hatte: «Doch letztlich geht es nicht so sehr um die Parteizugehörigkeit, sondern um einen Wechsel.» Denn bei einer Umfrage letztes Jahr hätten sich nur 56 Prozent der Ebikoner mit der Arbeit des aktuellen Gemeinderats zufrieden gezeigt. Die Unterstützung von Reo hat aber noch ein anderes Ziel: Die aussichtsreiche SP-Kandidatin Marianne Wimmer-Lötscher als Gemeinderätin zu verhindern, sagt Bühler. Die Parteiversammlung habe die Wahlempfehlung Reos als «bürgerliche Alternative zu Wimmer fast einstimmig» genehmigt.

Ja, er kandidiere, bestätigt der parteilose Giuseppe Reo: «Ebikon liegt mir sehr am Herzen und ich möchte in der Gemeinde etwas bewirken.» Unterstützt werde er von einem überparteilichen Komitee. Der 55-Jährige sagt:

«Mich kann man nicht in ein Links-rechts-Schema pressen.»

Jeder kenne ihn zwar als Gewerkschafter, «aber die Leute wissen von meiner langjährigen Tätigkeit in der Controllingkommission auch, dass ich offen für andere Meinungen bin und genau dies ist im Gemeinderat gefragt.» Ebikon sei geografisch gut gelegen, habe einen guten Bevölkerungsmix, «aber es braucht eine neue Strategie - etwa mehr Platz fürs Gewerbe und mehr Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden, dafür würde ich mich einsetzen», sagt Reo.

Bereits vor vier Jahren hatte sich Reo - damals noch bei der SP - für den Gemeinderat interessiert. Er unterlag jedoch in der internen Ausmarchung gegen Melanie Landolt, die dann nicht gewählt wurde. Danach sei er aus der Partei ausgetreten. «Nicht aus Frust darüber», wie Reo betont, «sondern weil ich etwas gegen Opportunismus habe.» Seine Kandidatur richte sich nicht gegen Marianne Wimmer, sondern es gehe um das Wohl der Gemeinde. Offen sei er in der Exekutive für jedes Ressort. Bei einer allfälligen Wahl will der verheiratete Vater von zwei Kindern (16- und 20-jährig) beruflich kürzer treten. 

Giuseppe Reo ist bereits das zweite ehemalige SP-Mitglied, das nun für den Gemeinderat kandidieren wird. Gleiches gilt auch für Heidi Koch, die neu bei den Grünliberalen politisiert (wir berichteten). «Die beiden Parteiaustritte zeigen, dass die SP Ebikon Parteimitglieder hat, welche ambitioniert sind und mehr bewirken möchten», sagt Präsident Thomas Aregger und fügt an:

«Vielleicht ist so auch zu erklären, dass Mitglieder, welche parteiintern nicht zum Zuge kommen, ihr Glück ausserhalb der Partei suchen.»

Denn mit Marianne Wimmer hat die SP eine Kandidatin am Start, welche laut Aregger «bestens geeignet ist für dieses Amt, sowohl fachlich, wie auch menschlich.» Generell sei die SP Ebikon gut aufgestellt. Die Partei habe bei den Nationalratswahlen ihren Wähleranteil um 2.3% auf 17.7% steigern können. Das bedeutet Platz 3 noch vor der FDP. Für Aregger ist klar: «Mit unserer starken Kandidatin und durch die Nominationen von Heidi Koch und Giuseppe Reo gerät der bisherige Gemeinderat stark unter Druck.»

Von der FDP wird Reo keine Unterstützung erhalten, wie Präsident René Friedrich sagt: «Wir konzentrieren uns auf die Wiederwahl unseres Gemeinderats Ruedi Mazenauer.» Er ist überzeugt davon, dass mit Blick auf die neue Ausgangslage alle Bisherigen gefordert sein werden.

Bei der CVP zeigt sich Co-Präsident Alex Fischer überrascht von der Kandidatur Reos:

«Vor allem auch, aus welcher Ecke er unterstützt wird.»

Auch die CVP wird ihn nicht unterstützen, Die Partei hat an der Nominationsversammlung am Dienstag beschlossen, mit den beiden bisherigen Daniel Gasser (Präsidium) und Susanne Troesch-Portmann (Finanzen) anzutreten. Zudem unterstütze man Hans Peter Bienz (Bau) – er ist vom Gewerbe portiert, offiziell parteiloser Gemeinderat, aber CVP-Mitglied. Fischer geht davon aus, dass die Eigenen wiedergewählt werden dürften, «aber Marianne Wimmer hat sicher sehr gute Chancen.»

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