SVP fordert: Reiden soll künftig von einem CEO geführt werden

Mit einem Wechsel des Führungsmodells soll es ruhiger werden in der Wiggertaler Gemeinde. Eine Umfrage zeigt: Der Vorschlag der SVP Ortspartei könnte durchaus Chancen haben.

Niels Jost
Drucken
Teilen

Das politische Geschehen in Reiden soll wieder ohne Nebengeräusche vonstatten gehen. Das erhofft sich die SVP Ortspartei. In einem offenen Brief fordert sie den Gemeinderat auf, das Führungsmodell der Gemeinde zu überprüfen. Sie schlägt das Geschäftsführer- respektive CEO-Modell vor.

Damit bringt sie eine alte Idee wieder aufs Tapet. Seit Jahren wird in der 7000-Einwohner-Gemeinde über ein neues Modell diskutiert. 2016 wollte der damalige Gemeinderat das Geschäftsführermodell einführen. Das Vorhaben wurde jedoch kurze Zeit später durch den Rat in anderer Zusammensetzung gestoppt.

Heute kennt Reiden das Geschäftsleitungsmodell: Die fünf Gemeinderäte stehen ihrem Ressort direkt vor. Beim CEO-Modell würde ein Angestellter der Verwaltung dem Ressort vorstehen, ein CEO würde die Verwaltung operativ führen und die Politiker ausschliesslich strategische Aufgaben wahrnehmen.

SVP: Mehr Sachpolitik, weniger Emotionen

Die SVP erhofft sich viel von einem Modellwechsel. Im Brief listet sie diverse Punkte auf, etwa «die saubere Trennung» zwischen operativen und strategischen Aufgaben. Dadurch würde «die Zusammenarbeit im Rat weniger emotional».

Weiter könne sich das Gremium bei Entscheidungen auf «fachkundige und sachneutrale Unterlagen» stützen. Auch die Pensen würden kleiner, was das Amt des Gemeinderats für beruflich stark beanspruchte und erfahrene Führungskräfte attraktiver mache. SVP-Präsident Ivo Müller sagt: «Das Geschäftsführermodell wäre ein positiver Schritt zu einem verbesserten Klima im Gemeinderat. Damit könnten wieder sachpolitische und fachlich fundierte Entscheidungen getroffen werden und der Rat wäre von operativen Arbeiten entlastet.»

Zeitpunkt ist die Knacknuss

Der Zeitpunkt für den Modellwechsel sei nun optimal, da Gemeindeschreiberin Margrit Bucher ihre Stelle auf Ende August gekündigt habe. Statt eines neuen Gemeindeschreibers soll die Gemeinde nun besser einen Geschäftsführer suchen, fordert Müller. Ihm zufolge sei es möglich, eine versierte Person bis im Sommer zu finden und das neue Modell in Kürze umzusetzen. «Schliesslich kann der Gemeinderat auf das vorliegende Modellkonzept zurückgreifen.»

Diesen Zeitplan hält FDP-Präsidentin Desirée Hofmann für zu ambitioniert. Ob der Idee der SVP sei sie zwar nicht abgeneigt, sie hängt jedoch ein «Aber» an: «Die Grundsatzdiskussion über ein neues Führungsmodell kann man immer führen. Jedoch ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um das Modell zu wechseln.» Hofmann begründet dies damit, dass man sich nun mitten in der Wahlphase befinde – in gut einem Monat sind Gemeinderatswahlen. Zudem laufe die Suche nach einer neuen Gemeindeschreiberin oder einem -schreiber bereits. Damit bleibe zu wenig Zeit, um ein neues Modell einzuführen. «Der Wechsel käme zu kurzfristig.»

IG Reiden und CVP: Neues Modell sei grundsätzlich positiv

Positiver tönt es von der IG Reiden. «Ich finde den Vorschlag gut und berechtigt», sagt IG-Sprecher Markus Schwander. Als grossen Vorteil sieht er insbesondere die kleineren Pensen der Gemeinderäte. Dadurch würde es einfacher, kompetente Personen für ein Amt zu finden. Zum Zeitpunkt sagt Schwander: «Wie bei Unternehmen ist der Zeitpunkt für grosse Änderungen nie günstig. Doch der Gemeinderat hat einen Kulturwandel nötig.» Die Frage sei bloss, ob das Gremium gewillt sei, eine Pensen- und Lohnreduktion hinzunehmen.

Auch die CVP steht dem Anliegen «grundsätzlich positiv gegenüber», wie Marianne Schärli, Präsidentin ad interim, sagt. Zwar habe man den offenen Brief noch nicht im Detail studieren können. Doch auch Schärli sieht einen wesentlichen Vorteil in den kleineren Pensen, wodurch die Gemeinderäte entlastet werden könnten. Gleichzeitig würde das Milizamt attraktiver, was die dereinstige Suche nach neuen Kandidaten vereinfachen würde.

Die SP nimmt den offenen Brief «zur Kenntnis und begrüsst die angestossene Diskussion», wie Vorstandsmitglied Lukas Brunner sagt. Allerdings sei der Zeitpunkt wegen den bevorstehenden Wahlen «nicht ideal». Auch die Sozialdemokraten bräuchten noch mehr Zeit, um das Anliegen der SVP genau zu prüfen – «schliesslich handelt es sich um ein komplexes Thema. Ein neues Führungsmodell hätte grosse Auswirkungen auf die Gemeinde», begründet Brunner.

Gemeindeversammlung wäre nötig

Wie der Gemeinderat zum Thema steht, ist offen. Die Forderung der SVP wird an der nächsten Sitzung besprochen. So oder so: Die Einführung des Geschäftsführermodells hätte eine Änderung der Gemeindeordnung zur Folge und müsste von der Gemeindeversammlung abgesegnet werden. Das letzte Wort hätte also das Volk.

Mehr zum Thema