SVP: In drei Jahren vom Politneuling zum Nationalrat

Der Wahlsonntag erstreckte sich für Franz Grüter tief in den Montag hinein. «Um 3 Uhr ging ich ins Bett, um 7.30 Uhr stand ich wieder im Büro», sagt Grüter. Wir haben den 52-jährigen Geschäftsmann gestern in seinem Haus oberhalb von Eich getroffen.

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SVP-Parteipräsident Franz Grüter, hier auf dem Balkon bei sich zu Hause in Eich, schaffte am Sonntag den Sprung in den Nationalrat. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

SVP-Parteipräsident Franz Grüter, hier auf dem Balkon bei sich zu Hause in Eich, schaffte am Sonntag den Sprung in den Nationalrat. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

SVP io. Der Wahlsonntag erstreckte sich für Franz Grüter tief in den Montag hinein. «Um 3 Uhr ging ich ins Bett, um 7.30 Uhr stand ich wieder im Büro», sagt Grüter. Wir haben den 52-jährigen Geschäftsmann gestern in seinem Haus oberhalb von Eich getroffen. Dort herrscht ein geschäftiges Treiben: «Ich führe momentan im Halbstundentakt Interviews», sagt Grüter und blickt dabei auf sein Handy, welches bereits wieder aufleuchtet. Dazwischen gilt es auch noch Gratulationen entgegenzunehmen.

Grüter leugnet nicht, dass der vergangene Sonntag Nerven und Kraft gekostet hat. Erst Resultate aus der Stadt Luzern brachten ihm den angestrebten Sitz im Nationalrat – knapp vor Vroni Thalmann-Bieri aus Flühli (Ausgabe von gestern). «Es war ein Wahlkrimi, und ich war schon sehr angespannt», sagt Grüter am Tag danach. «Um so grösser waren die Erleichterung und die Freude, als das Resultat dann feststand.»

Dreijähriger Steilflug

Für den kantonalen SVP-Parteipräsidenten Grüter war der vergangene Wahlsonntag die bisherige Krönung seiner Amtszeit. Als er vor drei Jahren als politischer Neuling zum Präsidenten gewählt wurde, gab er als erklärtes Ziel an, 2015 wieder einen SVP-Vertreter im Luzerner Regierungsrat zu sehen. Dieses Ziel wurde mit der Wahl von Paul Winiker im vergangenen März erreicht. Gleichzeitig wurde Grüter selbst in den Kantonsrat gewählt. Und nun, nur knapp sechs Monate später, ist Grüter gewählter Nationalrat. Grüter streicht allerdings vor allem die gestiegene Wählerstärke seiner Partei als grössten Sieg heraus. «Dass wir die CVP überholten und über 3 Prozent zulegen konnten, hat mich ehrlich gesagt selbst erstaunt», sagt Grüter. Und er erklärt: «Der Kanton Luzern ist seit rund 175 Jahren durch die rot-schwarze Politik von CVP und FDP geprägt worden. Dass die Luzerner SVP innert nur 23 Jahren die Politlandschaft dermassen umgestalten konnte, ist bemerkenswert. Man muss diesen Wahlsonntag als historisch betrachten.»

Grüter selbst wurde in der Kindheit und der Jugend selbst stark von der angesprochenen Rot-schwarz-Politik geprägt. Der aus Ruswil stammende Grüter wuchs in einem stark katholisch geprägten Haushalt auf. Entsprechend wähnte man sich bei den Konservativen beziehungsweise der CVP. «Man wusste, dass man sein Bier im Restaurant Rössli und nicht im ‹Bären› zu trinken hatte», sagt Grüter rückblickend und muss schmunzeln. «Die meisten Menschen dort wurden einfach in das eine oder das andere Lager hineingeboren und hinterfragten dies auch nie.» Er selbst sei zwar schon von jung an politinteressiert gewesen. Prägend für seine aktive Mitgestaltung sei aber seine Zeit im Militär gewesen. Grüter diente in den frühen Neunzigerjahren im selben Luftschutzregiment wie Christoph Blocher, der ihn damals auch zum Hauptmann beförderte. «Es fiel in die Zeit der EWR-Abstimmung. Da begann ich, die SVP genauer zu verfolgen.» Aktives Mitglied wurde er allerdings erst 2008.

Rücktritt aus dem Kantonsrat

Nun, da die Wahl nach Bundesbern Tatsache ist, wirft dies die Frage auf, wie Grüter National- und Kantonsrat, Parteipräsidium und seinen Hauptberuf als CEO und Verwaltungsratspräsident seines IT- und Telekommunikationsunternehmens Green.ch unter einen Hut bringen will. «Ich muss mich sicherlich politisch, beruflich und privat anders organisieren», sagt der Vater von drei Kindern im Alter zwischen 17 und 21 Jahren. Für ihn steht bereits fest, dass er aus dem Kantonsrat zurücktreten wird. Gemäss dem Abstimmungsresultat vom 29. März würde Angela Lüthold-Sidler aus Nottwil nachrücken. Sie wurde bereits 2011 in den Kantonsrat gewählt, verpasste heuer aber die Wiederwahl.

Beruflich müsse Grüter abklären, ob ein operativer Leiter ihm einen Teil der Arbeit abnehmen müsse. Das Parteipräsidium will er vorerst noch weiterführen. «Mindestens bis zu den kommunalen Wahlen vom kommenden Mai», sagt Grüter. Er baue dabei auf ein eingespieltes Supportteam. Neben dem Parteisekretariat und einer persönlichen Assistentin gehört beispielsweise auch Ehefrau Luzia dazu. Sie scannt jeweils die Tages- und Wochenzeitungen nach allen Artikeln, die für die Arbeit ihres Mannes relevant sind – in den nächsten Tagen und Wochen wird sich für sie wohl noch einiges an Lektüre zusammentragen.