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SVP-Kandidat Silvio Bonzanigo will dank «Littau first» in den Luzerner Stadtrat

Der «links-grün dominierte» Stadtrat tue viel zu wenig für Littau-Reussbühl, kritisiert SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo. Er geht nicht von ungefähr primär im neusten Stadtteil auf Stimmenfang.

Roman Hodel
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Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo vor dem Restaurant Ochsen.

Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo vor dem Restaurant Ochsen.

(Bild: Nadia Schärli , Littau 3. März 2020)

Der «Ochsen» muss es sein. SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo wählt für sein Porträt im Hinblick auf die Wahlen vom 29. März den geschichtsträchtigen Gasthof im Zentrum von Littau – kein Zufall. «Der Ochsen ist das Zentrum des Littauer Dorf- und Kulturlebens», sagt der 68-Jährige. Kein Zufall aber vor allem darum, weil er seinen Wahlkampf stark auf den jüngsten Stadtteil ausgerichtet hat. Er sagt: «Für den links-grün dominierten Stadtrat hört das Denken hinter dem Kreuzstutz auf.»

Gewiss, so Bonzanigo, habe die Stadt etwa das Schulhaus Staffeln in Reussbühl neu gebaut, oder sie saniere das Waldschwimmbad, «doch solche Investitionen sind nichts als selbstverständlich.» Ihn stört, dass der Stadtrat vor der Fusion eine Wirtschaftsentwicklung versprochen hat, die bis heute auf sich warten lässt. «Littauer Unternehmer erweitern lieber in Inwil oder Rothenburg, weil sich die Stadt unkooperativ zeigt.» Als Stadtrat würde Bonzanigo da aufs Gaspedal drücken – und sich zudem für die Auslagerung von Dienststellen nach Littau stark machen: «Nur das Stadtarchiv allein reicht nicht – es braucht mehr Arbeitsplätze und auch einen Schalter für die Einwohner.»

Erwähnt man, dass die Stadt ihre Informatikabteilung ins ehemalige Gemeindehaus in Ruopigen gezügelt hat, dass sie bis 2035 mehrere neue Quartierzentren plant und dass in den letzten Jahren überhaupt ein regelrechter Bauboom das Littauer Zentrum erfasst hat, dann sagt Bonzanigo: «Die Informatik ist keine bevölkerungsorientierte Dienstleistung für Littau und der Bauboom basiert auf privater Initiative.» Er vermisst eine klare Strategie des Stadtrats für Littau und fügt an:

«Die schlechte Stimm- und Wahlbeteiligung zeigt doch, dass sich die Littauer von der Stadtluzerner Politik zu wenig abgeholt fühlen.»

Sein Fokus auf Littau hat natürlich noch einen anderen Grund: Es ist SVP-Land. Wo, wenn nicht hier, lassen sich Stimmen holen. «Das ist sicher ein Aspekt – aber ich habe auch eine persönliche Motivation», sagt Bonzanigo. Als Mitglied des Grossen Stadtrats habe er sich in den Nullerjahren «mit Überzeugung» für die Fusion eingesetzt. «Umso enttäuschter bin ich, dass der Stadtrat nicht mehr daraus gemacht hat», so Bonzanigo, der im Obergütsch wohnt.

Damals, im Grossen Stadtrat, war Bonzanigo noch Mitglied der CVP. Dieser kehrte er nach einem «jahrelangen Entfremdungsprozess» erst letzten Mai den Rücken. Sein Parteiwechsel und seine Kandidatur gingen nicht geräuschlos über die Bühne. Trotz deutlicher Nomination im Oktober kochte das Thema an der SVP-Versammlung im Januar nochmals derart hoch, dass es beinahe zum Eklat kam (wir berichteten). Es seien nur einzelne Exponenten, die noch Mühe hätten mit seiner Personalie, so Bonzanigo: «Grundsätzlich fühle ich mich von meiner Partei getragen.»

Zur Person

Silvio Bonzanigo ist 1952 in der Stadt Luzern geboren und aufgewachsen. Nach seinem Studium (lic. phil. I) arbeitete er in der Privatwirtschaft, beim Kanton Luzern und bei der Gewerkschaft Syna – in Führungspositionen. Politisch war Bonzanigo bis Mai 2019 in der CVP, politisierte im Grossen Stadtrat und war zeitweise Vizepräsident der Stadtpartei. Bei der SVP engagierte er sich 2019 unter anderem im Ständeratswahlkampf von Franz Grüter. Er ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern.

Eine Partei, die gemäss Bonzanigo zwingend in den Stadtrat gehört: «Wir sind aufgrund unseres Wähleranteils bei den Nationalratswahlen 2019 die drittstärkste Kraft in der Stadt, unendlich weit vor den Grünliberalen.» Ein Seitenhieb Richtung GLP-Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost. «Die Baudirektion hat in dieser Legislatur mit Abstand die schlechteste Performance geleistet», sagt er und nennt als Beispiel den Pilatusplatz, wo die Bebauung seit neun Jahren auf sich warten lasse. Bonzanigo sagt kühn:

«Wäre ich Baudirektor, würde alles schneller gehen.»

Sein Tempo: Bonzanigo sagt von sich, er würde seine Partei manchmal überfordern damit. Passend dazu inszeniert sich der selbstständige  Kommunikationsberater auf seiner Webseite als topfit. Man erfährt zum Beispiel, dass sein physisches Alter gemäss Fitnesstest 52 Jahre beträgt. Zum Tempo passt letztlich auch sein Entschluss, Stadtrat zu werden. «Der Plan ist relativ neu», so Bonzanigo. «Diese Legislatur ist eine Katastrophe für die Stadt – darum muss sich jetzt etwas ändern.» Hat die SVP ihn eigentlich zur Kandidatur ermuntert? Er sagt dazu:

«Es ist wie bei zwei sich Liebenden, die die Hände und Augen nicht voneinander lassen können – am Schluss ist nicht mehr klar, wer wann was ausgelöst hat.»

Hinweis: Im Hinblick auf die Luzerner Stadtratskandidaten vom 29. März stellen wir alle zehn Kandidierenden in einer Serie vor. Bereits erschienen: Judith Dörflinger (SP, neu).

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