Emmer SVP-Kandidatin im Wahlkampf: «Verlieren kann ich dabei nicht»

Die SVP stellt derzeit keinen Gemeinderat in Emmen. Mit Ibolyka Lütolf will die Partei den 2018 verlorenen Sitz zurückholen. Die 54-Jährige hat es auf die Baudirektion abgesehen.

Beatrice Vogel
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Ibolyka Lütolf, Gemeinderatskandidatin der SVP, vor dem Schulhaus Emmen Dorf, in dessen Nähe sie wohnt.

Ibolyka Lütolf, Gemeinderatskandidatin der SVP, vor dem Schulhaus Emmen Dorf, in dessen Nähe sie wohnt.

Bild: Eveline Beerkircher, 
6. Februar 2020

Für viele war es eine Überraschung, dass die SVP Emmen nur Ibolyka Lütolf in die Gemeinderatswahlen vom 29. März schickt. Lütolfs Mitstreiter in der SVP-internen Ausmarchung, Maximilian Holzer, sei durch seine Vereinstätigkeit bekannter und hätte ihr mit einem Zweierticket zusätzliche Stimmen einbringen können, hört man bisweilen von Politikern. Dass sie vor allem in Emmenbrücke nicht besonders gut vernetzt ist, erklärt Lütolf damit, dass sie als alleinerziehende Mutter von vier Kindern wenig Zeit für Vereinsaktivitäten hatte. «Dafür engagiere ich mich jetzt politisch», so die 54-Jährige.

Lütolf ist im April 2017 in den Einwohnerrat Emmen nachgerückt, wo sie sich bei ausgewählten Themen zu Wort meldet – hauptsächlich als Präsidentin der Bau- und Verkehrskommission. Bereits 2016 sass sie kurze Zeit im Parlament, wurde aber nicht wiedergewählt. Sie zog 2005, nach der Trennung von ihrem Mann, von Malters nach Emmen Dorf. «Meine Grosseltern lebten seit den 1950er Jahren hier. Bei ihnen hat es mir immer gut gefallen.»

Baudirektion als Ziel

Seit acht Jahren ist Ibolyka Lütolf stellvertretende Leiterin Verkehrstechnik und Signalisation bei der Stadt Luzern, wo sie hauptsächlich operativ tätig ist. «Wenn es irgendwo eine Umleitung wegen Baustellen oder der Fasnacht gibt, war ich am Werk», sagt sie schmunzelnd. Zuvor arbeitete sie bei der Gemeinde Cham, wo sie stärker in die Verkehrsplanung involviert war. Durch ihren beruflichen Hintergrund sieht sich Lütolf am ehesten in der Baudirektion. Die derzeit laufende Ortsplanungsrevision reizt sie:

«Durch die Ortsplanung kann man vieles steuern, weil alles damit zusammenhängt. Es wäre der ideale Zeitpunkt, um einzusteigen.»

Was würde sie denn konkret anders machen als der aktuelle Baudirektor? «Ich würde die Anliegen der Wirtschaft besser einbinden und für ein Nebeneinander aller Verkehrsmittel einstehen.» Für sie sei wichtig, dass ihre Entscheidungen faktenbasiert erfolgen, so Lütolf. Klar sei: «Emmen ist die zweitgrösste Gemeinde der Zentralschweiz, schweizweit sind wir auf Platz 23. Wir dürfen stolz sein und mehr fordern.» Das könne sie aus der Stadt Luzern mitnehmen, die sich klar positioniere und sich wehre. «Um selbstsicher aufzutreten, müssen wir aber keine Stadt sein.»

Wichtig ist für Lütolf zudem, dass die Finanzen der Gemeinde sich erholen – «aber ohne zusätzliche Steuererhöhung, das wäre nicht tragbar». Vielmehr müsse man von den Bürgern mehr Eigenverantwortung verlangen und sich fragen, welche Dienstleistungen die Gemeinde wirklich anbieten soll. Auch Fehlinvestitionen, wie etwa beim vergebens erstellten Provisorium der Schule Erlen, gelte es zu vermeiden.

Frau in einer Männerwelt

Sie sei hartnäckig, eine Perfektionistin und stelle hohe Anforderungen an sich und Mitarbeiter, sagt Ibolyka Lütolf über sich. «Aber ich prüfe auch, ob ich selbst leisten kann, was ich von den anderen fordere.» Als Verwaltungsangestellte wisse sie, welcher Druck auf der Verwaltung laste. Und als Bauzeichnerin und zweite Frau überhaupt an der Hochschule für Technik in Horw habe sie sich früh in einer Männerwelt behaupten müssen. In einem Gemeinderat müssen vor allem fähige Leute sein, findet Lütolf, trotzdem würde sie mehr Frauen im Gremium begrüssen. «Frauen bringen einen anderen Blickwinkel mit, der auch zu anderen Diskussionen führt.»

Zur SVP ist Ibolyka Lütolf gekommen, als sie sich vertiefter mit der Geschichte ihres Vaters auseinandergesetzt hat. «Er musste Ungarn verlassen, weil er dort für Freiheit und Demokratie gekämpft hat, und kam als Flüchtling in die Schweiz.» Keine andere Partei als die SVP habe die Haltung, alles zu hinterfragen und für Eigenständigkeit zu kämpfen, findet Lütolf.

Weder Frauenliste noch Konkordanzliste

Neben der Tatsache, dass sie eine Frau ist, spricht für Ibolyka Lütolf auch die Konkordanz. Dass die Partei mit der grössten Wählerschaft keine Vertretung im Emmer Gemeinderat mehr hat, ist ungewöhnlich. Allerdings hat die SVP es verpasst, Frauen- und Konkordanzlisten einzureichen: So steht Lütolf allein auf nur einer Liste für die Gemeinderatswahl. Den Wahlkampf nimmt sie dennoch freudig in Angriff, geht an Anlässe, tritt öffentlich auf, präsentiert sich auf Facebook. Zu ihrer Kandidatur hat sie eine gesunde Einstellung: «Verlieren kann ich dabei nicht.»

Hinweis
Am 29. März wird in Emmen gewählt: Sechs Kandidaten bewerben sich um fünf Sitze im Gemeinderat. Weitere Porträts der anderen Kandidieren folgen später.

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