SVP LUZERN: Neo-SVP-Präsidentin Angela Lüthold: «Ich habe es noch nicht realisiert»

Angela Lüthold (59) wurde deutlich zur neuen Präsidentin gewählt – eine Genugtuung für die Politikerin, die schon Rückschläge erlebte. Und ein Ansporn, ihre Partei in mehr Exekutiven zu bringen.

Alexander von Däniken
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Will beruflich nicht zurückstecken: Angela Lüthold auf dem Gelände ihres Familienunternehmens. (Bild: Roger Grütter (Nottwil, 2. Juni 2017))

Will beruflich nicht zurückstecken: Angela Lüthold auf dem Gelände ihres Familienunternehmens. (Bild: Roger Grütter (Nottwil, 2. Juni 2017))

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Die Auswahl hätte für die SVP-Delegierten nicht unterschiedlicher sein können. Frau gegen Mann, Land gegen Stadt, politische Erfahrung gegen frischen Wind. Die Delegierten haben sich am späten Donnerstagabend für Angela Lüthold als neue Präsidentin der SVP des Kantons Luzern entschieden.

Die Kantonsrätin aus Nottwil ist damit Nachfolgerin von Nationalrat Franz Grüter. Die Wahl an Grüters Wohnort Eich fiel eindeutig aus: Lüthold holte 109 Stimmen, ihr Kontrahent, SVP-Vizepräsident Oliver Imfeld (siehe Box), deren 56.

Angela Lüthold, wenige Stunden nach Ihrer Wahl hatten Sie mit der Planungs- und Finanzkommission (PFK) des Kantonsrats eine Sitzung, um über die Luzerner Kantonsfinanzen zu sprechen. Konnten Sie den Erfolg überhaupt schon geniessen?

(lacht) Nein, überhaupt nicht. Ich konnte es noch gar nicht realisieren. Aber heute Freitagabend werde ich den Erfolg mit der Familie feiern.

Sie haben einen ungleichen und darum spannenden internen Wahlkampf mit Oliver Imfeld hinter sich. Hatten Sie mit einem so deutlichen Resultat gerechnet?

Ehrlicherweise bin ich von einem sehr knappen Resultat ausgegangen. Dass es so deutlich geworden ist, hat mich überrascht.

Sie mussten 2015 einen Rückschlag hinnehmen, als Sie als Kantonsrätin haarscharf nicht wiedergewählt worden sind, konnten aber dann doch für Franz Grüter nachrücken. Ist die Wahl als Parteipräsidentin und Grüters Nachfolgerin auch eine Genugtuung?

Es ist sicher eine Bestätigung für meine Arbeit und zeigt, dass ich ambitioniert bin.

Stichwort Ambition: Was nehmen Sie als neue SVP-Präsidentin als Erstes in Angriff?

Es gilt jetzt einmal, eine Auslegeordnung zu machen und mit der Parteileitung zu sprechen. In diese Arbeit war ich schon länger nicht mehr eingebunden.

Und wohin wollen Sie die SVP längerfristig steuern?

Franz Grüter hat hervorragende Arbeit geleistet. Diese gilt es weiterzuführen und da und dort noch etwas zu erreichen.

Denken Sie dabei an die Exekutivämter, die noch immer spärlich von SVP-Leuten besetzt sind?

Das wird sicher ein Ziel sein. Aber auch bei den Ortsparteien gibt es noch Potenzial. Diese können wir noch breiter aufstellen.

Wie sehen Ihre persönlichen Ambitionen aus? Kommen für Sie weitere politische Ämter in Frage?

Nein, ich will weiterhin auf meine drei Säulen bauen: Familie, Unternehmen und kantonale Politik.

Stichwort Unternehmen: Sie führen zusammen mit Ihren zwei Brüdern Daniel und Josef das Familienunternehmen Sidler & Co. Nottwil AG, das auf die Holzverarbeitung spezialisiert ist. Werden Sie dort aufgrund des SVP-Präsidiums, das immerhin einem 30-Prozent-Pensum entspricht, kürzertreten?

Das ist vorderhand nicht das Ziel. Ich will versuchen, mit einer guten Organisation und Koordination alles unter einen Hut zu bringen. Ich bewege mich in einem Umfeld – sei es privat, im Unternehmen oder in der Partei –, wo ich unterstützt werde.

Wie sieht es jetzt nach der PFK-Sitzung unter Ihrem Hut aus: Raucht Ihnen der Kopf?

Es war tatsächlich anstrengend, ich ging aber auch zufrieden aus der Sitzung. Nun bin ich gespannt, welche Sparvorschläge der Regierungsrat zum Budget 2017 und zum Budget 2018 macht.

Hinweis

Angela Lüthold-Sidler (59) wurde 2011 für die SVP in den Kantonsrat gewählt, verpasste 2015 aber die Wiederwahl um drei Stimmen. Ein halbes Jahr später konnte sie nachrücken. Lüthold ist Unternehmerin und Mitinhaberin des Familienbetriebs Sidler & Co. Nottwil AG. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne.