SVP: Luzerner Polizei ermittelt gegen René Kuhn

Verdacht auf Internetspionage bei der SP: Der Luzerner SVP-Präsident René Kuhn, zurzeit wegen seinen frauenfeindlichen Aussagen unter Beschuss, wurde dazu von der Polizei befragt.

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René Kuhn. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

René Kuhn. (Bild Remo Nägeli/Neue LZ)

«Es läuft ein Strafverfahren gegen René Kuhn», bestätigt der Sprecher der Luzerner Untersuchungsbehörden Recherchen des «Tages Anzeiger». Der Verdacht: Kuhn soll den privaten E-Mail-Verkehr des Luzerner SP-Kantonsrats Lathan Suntharalingam ausspioniert haben.

Rache wegen altem Streit?
Auf seiner Homepage kuhn-rene.ch , auf der zurzeit nur ein paar Sätze als Rechtfertigung in der «Zerlumpte Weiber»-Affäre aufgeschaltet sind, sind bis am Montagmittag mehrere Passagen aus E-Mails zwischen Suntharalingam und dem Kommunikationsberater Herbert Fischer zitiert worden. Dies ist Suntharalingam unerklärlich – er habe nun deswegen Strafanzeige eingereicht.

Möglicherweise stehe die Publikation der Daten auf Kuhns Website, die der Neuen LZ vorliegen, im Zusammenhang mit der Stadtratwahl vom 14. Juni 2009, wo der SVP-Politiker am schlechtesten von allen Kandidaten abgeschnitten hat, wie der «Tages Anzeiger» weiter berichtet. Suntharalingam glaubt, dass sich der deswegen frustrierte Kuhn damit für einen 2005 vorgefallenen Streit rächen wollte. «Wie kommt ein 31jähriger Neuschweizer, welcher vor 14 Jahren als Wirtschaftsflüchtling in die Schweiz eingewandert ist, zu einem Mehrfamilienhaus an der Maihofstrasse?», hatte damals Kuhn geschrieben.

Rücktritt scheinbar aufgegleist
Was René Kuhns frauenfeindliche Äusserungen anbelangt, wird die Kritik auch aus dem eigenen Lager immer lauter: Oscar Blaser, Präsident der Littauer SVP, spricht sich klar für einen Rücktritt aus. Josef Kunz, Parteipräsident SVP Kanton Luzern und Nationalrat, ist bereit, einen solchen falls nötig gegen den Willen der städtischen SVP durchzuboxen. Rückendeckung erhält Kuhn hingegen von der SVP der Stadt Zug: Seine Äusserung sei zwar polemisch – «Polemik kann jedoch dort notwendig sein, wo die Wahrheit systematisch zugeschüttet wird», wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Roland Habermacher, Vizepräsident SVP Stadt Luzern, ist zwar gegen «Schnellschüsse», für den diskriminierenden Beitrag Kuhns könne er jedoch auch kein Verständnis aufbringen. Und: Das Problem löse sich ohnehin spätestens Ende Jahr, wenn die beiden SVP-Parteien Luzern und Littau zusammenrücken müssen. «Dann muss ein neuer Vorstand samt Präsident gewählt werden. Kuhn wird wohl nicht Präsident bleiben. Er möchte aus beruflichen Gründen das Amt abtreten.» Und Kuhn? Auf Anrufe und Mails reagiert er seit Montag nicht mehr.

scd/lw

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