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Interview

SVP-Ständeratskandidat Franz Grüter: «Die Gelegenheit für Kandidatur ist günstig»

SVP-Nationalrat Franz Grüter will in den Ständerat – nicht nur wegen des vakanten CVP-Sitzes. Was treibt den Unternehmer an?
Alexander von Däniken
«Hier kann ich auftanken – und bei gutem Wetter zum Napf schauen»: Franz Grüter am Eichberg. (Bild: Pius Amrein, Eich, 23. September 2019)

«Hier kann ich auftanken – und bei gutem Wetter zum Napf schauen»: Franz Grüter am Eichberg. (Bild: Pius Amrein, Eich, 23. September 2019)

Franz Grüter gilt als stärkster Konkurrent von CVP-Nationalrätin Andrea Gmür für den Einzug in den Ständerat. Der 56-jährige SVP-Nationalrat aus Eich spricht über seine Chancen, die Digitalisierung, das Klima – und was ihn mit dem ehemaligen Bayern-Goalie Oliver Kahn verbindet.

Sie wollten sich auf dem Eichberg ablichten lassen. Warum?

Franz Grüter: Als Alternative wäre auch der Napf in Frage gekommen, auf den ich jedes Jahr rund 20 Mal wandere. Der Eichberg bedeutet für mich Heimat. Hier kann ich auftanken – und bei gutem Wetter zum Napf rüberschauen.

Die Aussicht auf den Sempachersee ist tatsächlich schön. Geniessen Sie es, den Überblick zu haben?

Ja, ich geniesse den tollen Weitblick und Überblick, den man hier hat. Ein gewisser Weitblick ist immer nützlich; in der Politik, der Wirtschaft, oder der Natur.

Sie wurden erst vor vier Jahren in den Nationalrat gewählt. Gefällt es Ihnen in der grossen Kammer nicht?

Doch, es gefällt mir sehr gut. Allerdings kommt Wählen von Auswählen. Durch den vakanten Sitz der CVP ist die Gelegenheit für eine Kandidatur günstig. Die SVP konnte sich in den letzten dreissig Jahren zur stärksten nationalen Kraft mausern, in Luzern zur zweitstärksten. Da ist es selbstverständlich, anzutreten, um so der Bevölkerung eine echte Auswahl zu bieten.

Kandidieren Sie auch als Ständerat, um Ihren Nationalratssitz abzusichern?

Das ist überhaupt nicht meine Intention. Ein Ständeratswahlkampf ist sehr intensiv, das würde ich nicht machen, wenn ich es nicht will. Es wäre unredlich und könnte kontraproduktiv sein.

Die Gelegenheit für die Kandidatur ist gut, wie Sie selbst sagten. Sie gelten auch über die Parteigrenzen hinweg als wählbar und sind im Gegensatz zu Andrea Gmür auf der Landschaft bekannter. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Es wird ein offenes Kopf-an-Kopf-Rennen, das wohl im zweiten Wahlgang entschieden wird.

Wie unterscheiden sich Andrea Gmür und Sie sonst noch?

Wir haben sehr unterschiedliche Biografien. Ich bin im Kanton Luzern auf dem Land aufgewachsen, hier verwurzelt und komme aus der Wirtschaft. Unsere thematischen Profile sind sehr unterschiedlich.

Besonders ein Thema machte Sie national bekannt: E-Voting. Sie warnten vor den Sicherheitslücken, dann stellten der Kanton Genf und die Post ihre Systeme ein. Ist sicheres elektronisches Wählen und Abstimmen überhaupt möglich?

Tatsächlich wurde ich vor zwei Jahren von manchen Kreisen belächelt, weil sich ausgerechnet ein Unternehmer aus der IT-Branche gegen diese Entwicklung stellte. Nach all den Enthüllungen der enormen Schwachstellen hat sich deutlich gezeigt, dass meine Bedenken korrekt waren. Ein sicheres E-Voting ist möglich, vorausgesetzt, die Systeme werden in der Schweiz entwickelt und betreut. Dazu braucht es aber einen kompletten Neuanfang.

Im Wahlkampf wurden Sie schon in einem Auto mit Aargauer Kennzeichen gesichtet.

Das Auto gehört zwar mir, ist aber über die Firma eingelöst. Es handelt sich um einen Tesla. Damit bin ich CO2-schonend unterwegs. Ich habe aber noch ein Auto mit Luzerner Kennzeichen und herkömmlichem Treibstoff.

Die Klimadebatte kommt der SVP ziemlich ungelegen.

Da gibt es immer Wellenbewegungen. 2011 haben Grüne und Grünliberale von der Fukushima-Katastrophe profitiert, 2015 war es nach der Flüchtlingswelle die SVP. Nun ist das Klima wieder aktuell. Wir verstehen uns als Partei nicht als Gruppe von Windfahnen, sondern folgen dem pragmatischen Credo «Innovation statt Repression». Das kann uns zwar einige Stimmen kosten, aber wir bleiben glaubwürdig.

Sie haben sich auch für besseren Lärmschutz entlang der Autobahn im Raum Eich eingesetzt. Mit welchen Themen wollen Sie Ihren Stand noch vertreten?

Es gilt, Arbeitsplätze zu erhalten, und Sorge zu tragen zum Erfolgsmodell Schweiz. Das Beispiel der Pilatus Flugzeugwerke zeigt, welche verheerenden Auswirkungen Entscheide aus Bundesbern für die Wirtschaft haben können. Der Kanton Luzern ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Hier muss die Infrastruktur mithalten – und zwar bei den Strassen, Schienen, der Energie und in der Telekommunikation. Um auf die Arbeitsplätze zurückzukommen: Die Digitalisierung bringt grosse Chancen und Arbeitsplätze. Sie stellt Arbeitnehmer ab 50 aber auch vor Probleme. Bei der Revision unserer Sozialwerke müssen Fehlanreize behoben werden, damit solche Arbeitnehmer im Job bleiben können.

Sie sind im Beirat des FC Luzern. Angenommen, Geld spielt keine Rolle: Welchen Spieler würden Sie verpflichten?

Ich würde mir jemanden mit der Mentalität des FC Bayern München wünschen; wie früher Oliver Kahn. Der glaubte immer bis zum Schluss, dass er sein Ziel erreichen kann, und gab alles.

Also wie Sie?

(lacht)

Ja, so ungefähr.

Steckbrief zur Person

(avd) Franz Grüter ist seit 2015 für die SVP im Nationalrat. Er wohnt in Eich, ist verheiratet und hat drei Kinder. Das müssen Sie noch über ihn wissen:
Alter: 56
Beruf: Verwaltungsratspräsident von Green.ch, gelernter LKW-Mechaniker, Weiterbildungen zum Marketingplaner und zum Elektrotechniker
Hobbys: Natur (Biken/Wandern), regelmässiger Matchbesucher des FCL
Politischer Werdegang: Franz Grüter war von Mai 2012 bis Juni 2017 Präsident der SVP Kanton Luzern und sass für seine Partei von März bis November 2015 im Kantonsrat. Im Oktober 2015 wurde er in den Nationalrat gewählt. Seit April 2016 ist er in der Parteileitung der nationalen SVP für den Bereich Finanz- und Steuerfragen verantwortlich. Im Nationalrat ist er Mitglied der Finanzkommission und verschiedener parlamentarischer Gruppen.

Hinweis: Mit diesem Interview endet unsere Serie von Gesprächen mit den sieben Luzerner Ständeratskandidatinnen und -kandidaten. Alle Beiträge finden Sie hier.

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