SVP will die Umfahrung Nord für Emmen Dorf fallen lassen

Eine nördliche Umfahrung von Emmen Dorf vernichte Kulturland und weite die Siedlungsgrenze aus, befürchtet die SVP-Fraktion. Mit einem dringlichen Postulat fordert sie, dass der Kanton von dieser Variante absieht.

Beatrice Vogel
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Die geplante Verkehrsentlastung der Seetalstrasse bei Emmen Dorf bewegt die Gemüter der Anwohner. Zwar werden die verschiedenen Varianten – diverse Umfahrungen respektive eine Strassenaufwertung mit Busspur – erst auf ihre Machbarkeit geprüft, doch schon regt sich Widerstand gegen die Variante «Umfahrung Nord». Dies insbesondere aus dem Gebiet Kaspar-Steiner-Strasse, das durch eine nördliche Umfahrung betroffen wäre.

Nun hat die SVP-Fraktion ein dringliches Postulat dazu eingereicht. Konkret wird gefordert, dass die Umfahrungen Nord und Rüeggisingen fallen gelassen werden. Stattdessen sollen die Südumfahrung wie auch die Aufwertung der bestehenden Seetalstrasse geprüft werden. Des Weiteren seien die Lichtanlagen, Fussgängerstreifen und Ausfahrten in Emmen Dorf und beim Wohncenter zu überprüfen.

Die SVP will die Varianten 2 und 3 nicht mehr weiter verfolgen.

Die SVP will die Varianten 2 und 3 nicht mehr weiter verfolgen.

Eingereicht hat das Postulat Ibolyka Lütolf. Sie ist Präsidentin der Bau- und Verkehrskommission im Einwohnerrat sowie Gemeinderatskandidatin der SVP. Vor allem aber ist sie selbst Anwohnerin der Kaspar-Steiner-Strasse. Lütolf führt mehrere Argumente gegen die Nordumfahrung ins Feld: Durch den Strassenbau würden Kulturland und Naherholungsgebiete vernichtet und die Siedlungsgrenze verschoben. «Wenn eine Strasse gebaut wird, werden irgendwann auch Häuser entlang der Strasse gebaut», ist Lütolf überzeugt. Dies widerspreche nicht nur dem nationalen Raumplanungsgesetz, das die Zersiedelung bremsen will, sondern auch der laufenden Ortsplanungsrevision, welche die heutigen Siedlungsgrenzen erhalten will. Eine weitere Schwäche der Nordumfahrung sei, dass diese beim Knoten Wohncenter wieder in die Seetalstrasse mündet. «Diese Kreuzung ist aber schon heute überlastet.»

Wieviel Land muss geopfert werden?

Allerdings: Während Lütolf die nördliche Umfahrung wegen Landverschleiss weghaben will, ist sie für die Prüfung einer südlichen Umfahrung, die ebenfalls Landressourcen fressen würde. Ist das nicht ein Widerspruch? «Bei der Südumfahrung ist die Linienführung noch zu wenig klar, um eine Aussage betreffend Landressourcen zu machen, weil sie schon zu so einem frühen Zeitpunkt verworfen wurde», sagt Lütolf dazu. Mittlerweile wurde die Südumfahrung aber wieder in die Planung mit aufgenommen. Grundsätzlich fehlt für Lütolf der Blick auf das Zusammenspiel künftiger Strassenbauprojekte, wie den Bypass oder die Öffnung des Autobahnanschlusses Emmen-Nord:

«Das müsste viel gesamtheitlicher betrachtet werden. Womöglich braucht es nämlich gar keine Umfahrung.»

Die Planungsverantwortlichen des Projekts betonen, dass die politische Diskussion erst folge, wenn eine Bestvariante auserkoren ist. Zuvor müsse eine breite Entscheidungsgrundlage mit diversen Varianten erarbeitet werden. Die SVP lanciert mit dem Vorstoss bereits jetzt eine politische Diskussion. Denn: «Man muss heute schon darüber diskutieren und jene Varianten stoppen, die ohnehin keine Chance in der Bevölkerung haben», sagt Ibolyka Lütolf. «Sonst laufen wir Gefahr, dass die Nordumfahrung zur Bestvariante erkoren wird, und der Kanton diese dann einfach umsetzt.»

Meinungen der Fraktionen gehen auseinander

Andreas Kappeler, Fraktionschef der Grünen, kann die Forderungen des Postulats zumindest «in Teilen» unterstützen. «Einer Nordumfahrung stehe ich kritisch gegenüber – aber ebenso der Südumfahrung.» Letztere sei noch weniger eine Option, da sie noch mehr Landressourcen verbrauche. «Wir Grünen werden uns sicher gegen den Bau neuer Strassen wehren, da diese meist noch mehr Verkehr generieren.» Es müsse eine Lösung gefunden werden, welche die Seetalstrasse wohnverträglicher mache, etwa durch Pförtnersysteme oder Tempo 30, sodass der Werk- und Durchgangsverkehr aus Emmen Dorf herausgehalten werden könne, so Kappeler.

Die CVP-Fraktion hingegen ist dezidiert anderer Meinung als die SVP, wie Fraktionschef Christian Blunschi auf Anfrage sagt. «Wir begrüssen das stufenweise Vorgehen von Kanton und Gemeinde. Die Kommunikation der Gemeinde war vorbildlich.» Offenbar habe die Postulantin übersehen, dass der Gemeinderat nach der Infoveranstaltung umgehend reagiert und die Variante Umfahrung Süd wieder in den Variantenfächer aufgenommen hat, «sonst hätte sich der Vorstoss erübrigt». Die CVP bezweifle, dass die Umfahrung Süd umweltrechtlich bewilligungsfähig ist. Es würden Uferlandschaften und Naherholungsgebiete zerstört, so Blunschi. «Dennoch begrüssen wir, dass auch diese Variante vertieft abgeklärt wird. Für die politische Diskussion sollen alle Fakten auf dem Tisch sein. Deshalb lehnen wir es ab, dass die Umfahrung Nord bereits jetzt verworfen wird.»

SP: «Kontraproduktiv» und «scheinheilig»

Die SP werde das Postulat an der Fraktionssitzung behandeln, sagt Fraktionschefin Barbara Fas. Sie persönlich findet den Vorstoss überflüssig, da es sich im jetzigen Stadium lediglich um die Prüfung diverser Varianten handelt und der Kanton auch die Südumfahrung wieder in die Planung aufnimmt. «Es ist meiner Meinung nach kontraproduktiv, schon von vornherein gewisse Möglichkeiten gänzlich auszuschliessen», so Fas. «Und es ist etwas scheinheilig, auf der einen Seite den Landverschleiss und die hohen Kosten als Argument vorzubringen, wenn die geforderte Variante Südumfahrung die gleichen, wenn nicht gar schlimmere Konsequenzen hätte.»

Mehr Infos zur Umfahrung Emmen Dorf finden Sie auf der Website des Kantons.