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«Swiss Cheese Award» in Luzern: Für einen Tag Käse-Juror sein

160 Juroren haben gestern in der Messe Luzern 1000 Käselaibe bewertet. Auch unser Reporter durfte seine Stimme abgeben – und bekam es mit ungewohnten Aromen wie Heu oder Bier zu tun.
Simon Mathis
29 Käselaiber mit ganz verschiedenen Aromen bewertete unser Reporter für die «Swiss Cheese Awards». (Bild: Philipp Schmidli, 28. September 2018)

29 Käselaiber mit ganz verschiedenen Aromen bewertete unser Reporter für die «Swiss Cheese Awards». (Bild: Philipp Schmidli, 28. September 2018)

«Sie werden an einem Tag dreissig Käse essen», sagt man mir am Telefon. «Hoffentlich wissen Sie, worauf Sie sich einlassen.» Ich zögere einen Moment. «Ja natürlich», sage ich, während meine Stimme überzeugter klingt, als ich in Tat und Wahrheit bin.

Gleichzeitig kommen mir erste Bedenken: Mit Müh und Not kann ich einen Emmentaler von einem Appenzeller unterscheiden. Werde ich den Anforderungen eines Käse-Jurors überhaupt gerecht?

Meine Stimme hat Gewicht

Es ist Freitagmorgen, Tag der Jurierung. Halle Drei, Allmend Messe. Hier entscheidet sich, wer den prestigeträchtigen «Swiss Cheese Award» einheimst. Und ich trage meinen Teil zur Entscheidung bei. Am Eingang zur Halle bekomme ich ein Sackmesser, eine Kartonmappe, eine Faserpelz-Weste, eine Schürze und ein Chäppi. Gekleidet in offizieller Uniform fühle ich mich schon etwas wohler. So, als gehöre ich tatsächlich hierher.

Die Leute sprechen lebhaft miteinander. Die gesamte Schweizer Käsebranche hat sich hier versammelt. «Ich bin kein Käse-Experte», stelle ich mich einer Frau vor. «Ach was», sagt sie. «Spätestens am Ende des Tages wirst du einer sein.» Sie heisst Esther Infanger, arbeitet in der Schaukäserei des Klosters Engelberg – und ist ebenfalls zum ersten Mal als Jurorin dabei. Das beruhigt mich.

Ein Blick in die Kartonmappe verrät mir, dass ich für die Kategorie «Halbhartkäse mit aromatisierenden Zusätzen» zuständig bin. Soll heissen: Käse mit Chili, Kräutern, Nüssen, und und und. Immerhin besser, als 36 Emmentaler zu kosten. Oder 40 Gruyères. Denke ich zumindest.

Sogar Käse-Döner ist im Angebot

Dieses Jahr wurden 965 verschiedene Käse eingereicht – so viele wie noch nie. Rund 160 Jurorinnen und Juroren wuseln durch die Halle und suchen nach ihrem Tisch. Es gibt Käse, so weit das Auge reicht: Weichkäse, Hartkäse, Raclette, und … Käse-Döner? Tatsächlich, in einer Ecke dreht ein Käse wie Dönerfleisch an einem Spiess. Diese Kreation wurde in der Kategorie «Käse-Innovationen» eingereicht. Ein Glück, dass ich das nicht bewerten muss. Für die Avantgarde der Milchprodukte bin ich definitiv noch nicht gerüstet. Und auch die Crème de la Crème der Produkte bewerten auserlesene Juroren. Dass ich nicht zu ihnen gehöre, stimmt mich nicht traurig.

Dann geht es ans Verkosten. An meinem Tisch steht ein runder Käse am nächsten, in allen Farben, von rot bis grün. Zu fünft sind wir Juroren für diese 29 Köstlichkeiten verantwortlich. Drei Eigenschaften müssen wir bewerten: das Aussehen, die Festigkeit und den Geschmack. Geredet wird nicht, die Entscheidungen fallen individuell.

Ehe ich mich versehe, greife ich schon nach meinem ersten Käse: rötlich, pikant und löchrig. Zu Beginn bin ich noch gnädig mit der Punktzahl, bald werde ich selbstbewusster und verteile getrost einmal 6 von 10 möglichen Punkten. Nach zehn Käsen fühle ich mich sicher, nach 20 ändert meine Stimmungslage radikal. Die Aromen werden zunehmend exotischer: Einer der Laibe versprüht starken Heugeschmack. Und als ich die Beschriftung des letzten Exemplars lese, kann ich ein leises Seufzen nicht unterdrücken. «Biergeschmack», flüstere ich, ein erklärter Bier-Banause. Aber es geht hier nicht um meine persönlichen Vorlieben. So lasse ich mich dann doch zu 8 von 10 Punkten hinreissen. Alle anderen Juroren vergeben die Höchstnote.

Abgesehen davon befand ich mich meistens auf der Linie der Experten. Bei der Schlussbesprechung ertappte ich mich sogar beim Fachsimpeln. «Ja genau», sagte ich einem meiner Kollegen. «Ich fand auch, dass die Bitterkeit die Kräuter überdeckte.»

Nach drei Stunden Essen und Bewerten ist Schluss. Ich verabschiede mich von den Kollegen und habe nur noch einen Gedanken: «Heute gibt es weder Fondue noch Raclette zum Znacht.»

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