Swiss Music Awards finden statt, FCL-Spiele verschoben – so reagieren weitere Zentralschweizer Veranstalter auf den Bundesbeschluss

Der Bundesrat hat am Freitagmorgen beschlossen, alle Grossanlässe ab 1000 Personen in den nächsten zwei Wochen wegen des Corona-Virus zu verbieten. Das betrifft Sportveranstaltungen, Konzerte und Messen. Einige Veranstaltungen können in angepasster Form stattfinden.

Fabienne Mühlemann
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Swiss Music Awards

Musik-Fans können aufatmen: Die Swiss Music Awards vom Freitagabend im KKL Luzern finden statt. Die Preisverleihung wird mit reduzierter Gästeanzahl durchgeführt, wie es in einer Mitteilung heisst. Gäste und Mitwirkende, die sich in den letzten 20 Tagen in den Risikogebieten China, Südkorea, Norditalien, Iran und Singapur aufgehalten haben, dürfen an der Veranstaltung nicht teilnehmen. Die SMA werden auf SRF zwei ab 20.10 Uhr übertragen.


Sportanlässe

Die Swiss Football League (SFL) verschiebt alle Partien der 24. Runde der Raiffeisen Super League und der Brack.ch Challenge League vom kommenden Wochenende auf ein unbestimmtes Datum, wie es in einer Mitteilung heisst. Das betrifft auch die Meisterschaftspartien zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel vom Sonntag sowie zwischen dem SC Kriens und dem FC Schaffhausen vom Samstag. Über den weiteren Verlauf der Meisterschaft wird die SFL in enger Absprache mit den Behörden und den Klubs in der kommenden Woche informieren. Auch die Viertelfinalpartien im Helvetia Schweizer Cup sind von der Massnahme betroffen und werden auf noch zu bestimmende Daten verschoben. Der FCL wäre am Mittwoch auf YB getroffen.

«Aufgrund des hohen Termindrucks und um die Meisterschaft in einem regulären Rahmen weiterführen zu können, werden Spiele ohne Zuschauer ins Auge gefasst werden müssen. Gleichzeitig müssen bei der Diskussion der möglichen Szenarien aber auch die wirtschaftlichen Interessen der Klubs berücksichtigt werden», heisst es in der Mitteilung der SFL weiter. 

Ausserdem sind alle Meisterschaftsspiele der Ersten Liga (Promotion League und 1. Liga) abgesagt. Die Spiele werden durch das Komitee der Ersten Liga auf einen noch zu bestimmenden Zeitpunkt neu angesetzt.

EV Zug spielt ohne Zuschauer

Nach einer Telefonkonferenz am Freitagmorgen hat die National League gemeinsam mit den Klubs entschieden, die Spiele von Freitag und Samstag gemäss Spielplan durchzuführen. Sämtliche Spiele in der National League vom Wochenende finden damit ohne Zuschauer statt. Das betrifft die Spiele des EV Zug vom Freitagabend gegen die SCL Tigers und vom Samstagabend gegen die ZSC Lions sowie das Swiss-League-Spiel der EVZ Academy gegen die HCB Ticino Rockets vom Freitagabend. 

Alle Stadioneingänge werden während des Spiels geschlossen und durch die Sicherheitsdienste kontrolliert. «Zutritt zum Spiel erhalten nur Personen, die zur Aufrechterhaltung des Spielverlaufs benötigt werden», sagt Marisa Boog, Leiterin PR und Kommunikation des EVZ, auf Anfrage. Darunter fallen Spieler, Staff und Funktionäre beider Clubs, Personen des Spielbetriebs (Eismaschinen-Fahrer), Schiedsrichter und Supervisor, Sicherheitspersonal, Polizeifunktionäre, Rettungsdienst, medizinisches Personal sowie die Feuerwehr. «Medienvertreter, die über eine Saisonakkreditierung verfügen, haben ebenfalls Zutritt. Neue Akkreditierungen werden jedoch bis auf Weiteres nicht mehr ausgestellt», so Boog.

Ob die Playoffs wie geplant am Samstag, 7. März beginnen, wird an einer ausserordentlichen Ligaversammlung am kommenden Montag festgelegt. Über die Höhe der Einbusse wegen dem fernbleibenden Publikum oder ob der Verein im Falle einer solchen Ausnahmesituation versichert ist, möchte Boog momentan keine Auskunft geben. Informationen zur Handhabung mit bereits gekauften Einzeltickets sowie Saisonkarten für die heutigen Spiele würden zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Die «67 Sportsbar» sowie der EVZ Fanshop bleiben ab Freitagabend um 17 Uhr geschlossen. Public Viewings wie zum Beispiel im Freiruum Zug sind untersagt.

Das Spiel des EV Zug gegen die SCL Tigers findet vor leeren Rängen statt, hier ein Spiel der EVZ Academy.

Das Spiel des EV Zug gegen die SCL Tigers findet vor leeren Rängen statt, hier ein Spiel der EVZ Academy.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. Januar 2019) 

Weitere Anlässe

Gemäss dem KKL Luzern wurde bisher das Konzert von Teodor Currentzis mit dem SWR Symphonieorchester vom 2. März definitiv abgesagt. «Ob eine Veranstaltung durchgeführt, ein Ersatzdatum bestimmt oder diese abgesagt wird, entscheidet der Veranstalter», sagt KKL-Mediensprecherin Corinne Schneebeli. Gemäss Veranstalter der Ronan-Keating-Konzerte vom 7. und 8. März im KKL werden auch diese verschoben. Die Rückabwicklung von gekauften Tickets erfolge individuell pro Veranstaltung durch die Veranstalter, so Schneebeli. Für solche Ausfälle gäbe es einen begrenzten Versicherungsschutz. Kurzfristige Absagen kämen sehr selten vor. Beispielsweise wenn ein Solist krank ist.

Das Luzerner Theater führt seinen Spielplan in der publizierten Form durch, wie es auf Anfrage mitteilt. Es sei allerdings so, dass die Situation laufend mit den kantonalen Behörden abgeklärt werde und Massnahmen nötigenfalls angepasst würden. «Derzeit beschränken sich diese auf die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlenen Hygienemassnahmen», so Severin Barmettler, Medienverantwortlicher vom Luzerner Theater. «Wir haben uns, bevor das Coronavirus die Schweiz erreicht hat, gegen die Folgen von Epidemien versichert.» Ihm ist ausserdem nicht bekannt, dass bis anhin wegen einer Epidemie eine Veranstaltung im Luzerner Theater nicht stattfinden konnte. «Was manchmal vorkommen kann, ist, dass wir wegen Krankheitsfällen im Ensemble Aufführungen absagen müssen», sagt Barmettler.

Das Konzerthaus Schüür wird die geplanten Konzerte durchführen, wie es auf ihrer Facebook-Seite heisst. Sie bitten, dass die Konzertgänger den Vorverkauf benutzen. «So haben wir die Kontaktdaten aller Besucher», heisst es. An der Abendkasse werden sämtliche Gäste mit Namen und Adresse registriert. Ausserdem werde jeder Gast befragt, ob er sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet wie Italien, China, Südkorea, Iran oder Singapur aufgehalten hat. Gästen, die diese Frage bejahen würden, werde der Zutritt verwehrt. «Wer sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben. Wer gesund ist und kommt, soll von den zahlreichen Desinfektions-Spendern im Haus Gebrauch machen.»

Die Veranstaltungen im Neubad an diesem Wochenende (A Race in Space Kunstfestival Luzern-Chicago sowie der Strandgut-Flohmarkt) dürfen gemäss dem Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern regulär stattfinden. «Wir bitten Gäste, Publikum, Mitarbeitende und Kunstschaffende, welche sich in Risikogebieten aufgehalten haben und/oder Symptome wie Atembeschwerden, Husten oder Fieber aufweisen, das Neubad bis mindestens 15. März 2020 nicht mehr zu besuchen», schreibt das Neubad auf Facebook. Wie der Veranstalter auf Anfrage mitteilt, werden die rund 28 Veranstaltungen ab dem 2. bis 15. März im Laufe des Wochenendes von der Taskforce Corona-Virus des Kantons geprüft. Das Neubad werden regelmässig auf Facebook informieren.

Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern wird seinen gewohnten Betrieb fortführen, wie Olivier Burger, Leiter Unternehmenskommunikation, auf Anfrage mitteilt. Die vom Verkehrshaus organisierten Veranstaltungen sowie Events von Drittorganisationen werden durchgeführt, wenn sie den behördlichen Anweisungen entsprechen. Als zusätzliche Massnahme wurde die Frequenz der Reinigungstouren im Verkehrshaus erhöht und die Toiletten mit Desinfektionsspendern bestückt. Laut Burger merke man noch keinen Rückgang an Besucherzahlen. «Man muss nun beobachten, wie es weitergeht», so Burger. «Ich bin nun 50-jährig, aber so eine behördliche Anweisung habe ich noch nie erlebt.»

Die Fachmesse «AM Expo» zum Thema 3D-Druck vom 3. bis 4. März bei der Messe Luzern muss abgesagt werden. Die Fachmesse verzeichnete jeweils über 2000 Besucher, schreibt die Messe Luzern AG in einer Mitteilung. «Selbstverständlich bedauern wir diesen Entscheid sehr. Aber auch uns ist die Gesundheit unserer Aussteller und Besuchenden wichtig», erklärt Markus Lauber, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ebenfalls betroffen sind öffentliche Veranstaltungen, welche nicht von der Messe Luzern AG organisiert werden. Die Fea Expo, eine Ausstellung für Haushaltskleingeräte, vom 8. bis 11. März 2020 wurde vom Fea Fachverband abgesagt. Die Schlagernacht vom 15. März 2020 wird verschoben und das neue Datum in den kommenden Tagen kommuniziert. Die Messe Luzern AG prüfe zurzeit die Auswirkungen der Absagen und sei mit Ausstellern, Partnern und Besuchern in Kontakt, heisst es weiter. Über weitere Massnahmen wird die Messe Luzern rechtzeitig informieren. «Die Situation muss täglich neu beurteilt werden», erklärt Lauber. Was die Absagen versicherungstechnisch bedeuten, müsse nun geprüft werden. «Absagen aufgrund behördlichen Anweisungen in diesem Ausmass habe ich noch nie erlebt», so Lauber.

Der Tanzanlass «Alte Fasnacht» im Hotel Schweizerhof in Luzern vom Sonntag wird ersatzlos abgesagt. Die Anlässe der Tanzfreunde Luzern würden jeweils 150-200 Personen vorwiegend im Alter zwischen 50 und 80 Jahren besuchen. «Angesichts der Tatsache, dass diese Personen einem erhöhten Gesundheits-Risiko ausgesetzt sind, falls sie am Corona-Virus erkranken, [...] haben wir diesen Entscheid gefällt», heisst es in einer Mitteilung.

Alle Veranstaltungen des Cabaret Divertimento werden verschoben. Aus Zentralschweizer Sicht sind davon drei Aufführungen in Lachen vom 11., 13. und 14. März betroffen. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Die Verschiebedaten werden so schnell wie möglich auf der Webseite von Divertimento kommuniziert.

Wie die Universität Luzern mitteilt, hat der Entscheid des Bundes keine unmittelbare Auswirkung auf den Betrieb der Universität.

Luzerner Fasnächtler leiden mit Baslern mit

Auch die Basler Fasnacht ist abgesagt, wie am Freitagmorgen bekannt wurde. «Die Vereinigte» von Luzern leiden mit den Baslern mit, wie sie in einem Facebook-Post schreiben: «Wir wissen, was für ein Zeitaufwand hinter allen Vorbereitungen steckt und wie gross die Vorfreude auf die schönsten Tage im Jahr ist. [...] Wir fühlen mit euch und wünschen euch viel Kraft.» 

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