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SYRIEN: Der Emmenbrücker Razzi verteidigt sein Selfie mit Assad

Die westliche Diplomatie habe in jüngster Vergangenheit versagt, es brauche neue Wege: Antonio Razzi, italienischer Senator mit Wohnsitz in Emmenbrücke, erklärt sein Treffen mit dem syrischen Diktator.
Razzis Selfie mit dem syrischen Diktator Assad. (Bild: Antonio Razzi (Damaskus, 20. März 2017))

Razzis Selfie mit dem syrischen Diktator Assad. (Bild: Antonio Razzi (Damaskus, 20. März 2017))

Interview: Kari Kälin

Drei Stunden hat Antonio Razzi (69) am Montag im Hauptquartier des syrischen Diktators Ba­schar al-Assad verbracht. Der italienische Senator mit Wohnsitz in Emmenbrücke war Teil einer 30-köpfigen Delegation europäischer Parlamentarier. Das Treffen in Damaskus organisiert hat der Vizepräsident des russischen Parlaments. Über Razzi, Vertreter der Berlusconi-Partei Forza Italia und Sekretär der aussenpolitischen Kommission des Senats, ergiesst sich in Italien ein Shitstorm, weil er ein Selfie mit Assad in den sozialen Medien verbreitet hat. Razzi kam mit 17 Jahren in die Schweiz und arbeitete mehr als 40 Jahre bei der ehemaligen Viscosuisse in Emmenbrücke.

Antonio Razzi, wie kam es zum Selfie mit Assad?

Assad sagte mir, ich sei ein sehr bekannter Politiker. Er wusste sogar, dass ich in der Schweiz gearbeitet habe. Assad war ein vorzüglicher Gastgeber, er wirkte auf mich sehr europäisch. Am Schluss des Treffens hat er mich um ein Selfie gebeten. Wie hätte ich ihm diesen Wunsch ausschlagen können?

Assad wird verantwortlich gemacht für Hunderttausende Tote, für Kriegsverbrechen, für einen Giftgaseinsatz. Ein Bild mit einem europäischen Politiker dient seiner Legitimation.

Ein Selfie schafft eine entspannte Atmosphäre. In solch einem Rahmen öffnen sich Chancen für einen Dialog. Assad weist die Vorwürfe, zum Beispiel den Einsatz von Giftgas, zurück.

Die Zeitung «Corriere della Sera» fand Ihr Selfie «obszön».

Diese Zeitung steht nicht auf der Seite des gewöhnlichen Volkes, das ich vertrete. Deshalb kritisiert mich der «Corriere» aber zu Unrecht. Natürlich geht Assad gegen seine Gegner vor. Aber er bekämpft unter anderem die Terroristen des Islamischen Staates. Das Volk steht hinter Assad.

Das italienische Aussenministerium und der Präsident des Senats haben Ihnen von der Syrien-Reise abgeraten.

Ja, weil sie sich um meine Sicherheit gesorgt haben. Ich habe genug Mut, solche Warnungen zu ignorieren, wenn es einem guten Zweck dient.

Dieses Treffen dürfte vor allem Assad helfen.

Schauen Sie, ich habe von der neutralen Schweiz eine Lektion gelernt: Man muss mit allen Parteien sprechen, Brücken bauen und vermitteln, anstatt Verbindungen abzubrechen. Das Ziel unserer Gruppe lautete, Syrien beim Aufbau einer Verfassung zu helfen, welche die verfeindeten Parteien eint.

Der Westen ist sich ziemlich einig, dass ein Neuaufbau mit Assad undenkbar ist.

Die westliche Diplomatie hat in der jüngsten Vergangenheit mehrfach versagt. Die USA verjagten Saddam Hussein wegen nicht vorhandener Massenvernichtungswaffen. Nach dem Ausbruch des Arabischen Frühlings wurde Muammar al-Ghadhafi ohne Konzept entfernt. Das Resultat ist überall Chaos. Es braucht neue Wege.

Wie lautet Ihr Vorschlag?

Die Russen und die USA müssen sich an einen Tisch setzen und Assad im Kampf gegen die islamistischen Terroristen unterstützen. Danach muss der Westen Syrien beim Wiederaufbau helfen. Assad würde sich schon jetzt mehr humanitäre Hilfe vom Westen wünschen.

Sie haben bereits mehrmals den nordkoreanischen Herrscher Kim Jong Un getroffen. Haben Sie eine Affinität zu Diktatoren?

Ich halte es mit dem heiligen Thomas: Ich glaube nur, was ich selbst sehe. Alle brechen den Stab über Nordkorea, aber niemand geht hin. Ich mache das Gegenteil. Kim Jong Un hat mich zum nordkoreanischen Nationalfeiertag vom 15. April eingeladen. Dann versuche ich, ein Selfie mit ihm zu machen und lasse mich dafür meinetwegen erneut kritisieren.

In Italien spotten viele über Ihre diplomatischen Offensiven bei den Bösewichten der Welt.

Ich antworte meinen Kritikern: Solche Begegnungen können dazu beitragen, die Welt ein bisschen friedlicher zu machen. Das Zauberwort lautet Dialog.

Sie haben US-Präsident Donald Trump in einem Brief angeboten, zwischen den USA und Nordkorea zu vermitteln. Wie hat Trump reagiert?

Als ich im Februar in New York weilte, hatte er leider keine Zeit. Ein Mitarbeiter Trumps hat mir aber für einen späteren Zeitpunkt einen Termin in Aussicht gestellt.

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